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Aus dem Wolfratshauser Stadtrat:Das letzte fette Jahr

Laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner sind in Wolfratshausen "die Spielräume für neue Wünsche gering".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Haushalt für 2020 wird Wolfratshausen seine Schulden erneut senken können. Danach werden neue Darlehen nötig

Als der Wolfratshauser Stadtrat am Dienstag den Haushaltsplan für 2020 beschließen musste, lag eine spürbare Wehmut in der Luft. Das hatte nicht mit dem überarbeiteten Zahlenwerk mit 385 Seiten zu tun, das Kämmerer Peter Schöfmann vorgelegt hatte. Dies ist in seinen Eckdaten durchaus erfreulich, kann doch der Schuldenstand, der 2010 noch bei 18,9 Millionen Euro lag, erneut reduziert werden - auf voraussichtlich 8,5 Millionen Euro am Ende des Jahres. Die Stadträte, die den Haushalt einstimmig beschlossen, schlugen nachdenkliche Töne an, weil es wohl für lange Jahre der letzte bleibt, der diesem positiven Trend folgt.

Große Investitionen wie der Umbau der Hammerschmiedschule, der Turnhallenneubau und die Beteiligung am geplanten Tiefbahnhof werden in den kommenden Jahren zig Millionen verschlingen und abermals Darlehen nötig machen. Die Reserven seien dann aufgebraucht, "die Spielräume für neue Wünsche gering", sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung). Und CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl erklärte: "Dieser Haushalt ist sicher eine Zäsur."

2020 ist demnach sozusagen das vorerst letzte fette Jahr in der Loisachstadt. Die Investitionen von insgesamt 7,1 Millionen Euro wird die Stadt laut Haushalt heuer noch gänzlich aus eigenen Mitteln und Zuschüssen bestreiten können; von 2021 an sind aber wieder Kredite nötig, um die geplanten Projekte zu finanzieren. Das größte Vorhaben ist die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg, die derzeit noch mit 30 Millionen Euro veranschlagt ist. 500 000 Euro Planungskosten sind für das laufende Jahr eingestellt, in den drei folgenden Jahren insgesamt 27,8 Millionen.

Zweifelhaft ist jedoch, ob sich das überhaupt so realisieren lässt. Schließlich hat die jüngste Kostenberechnung ergeben, dass die Schulentwicklung mit den bisher beschlossenen Modulen rund 60 Millionen Euro kosten würde. Dass sich das die Stadt nicht leisten kann, ist allen klar. Die Meinungen sind jedoch geteilt, was dies bedeutet. Ulrike Krische, die diesmal für die BVW den Haushalt kommentierte, erklärte, ihre Fraktion wolle am Gesamtprojekt festhalten, die einzelnen Module jedoch über einen längeren Zeitraum realisieren lassen. Manfred Fleischer hielt hingegen eine komplette Neuplanung für nötig. "Sonst wird sich die Stadt an dieser Pflichtaufgabe verschlucken", prophezeite er.

Hinzu kommt der geplante Neubau einer Turnhalle für die Sportvereine, der mit zehn Millionen Euro veranschlagt ist. Ebenso viel soll auch ein neues Gerätehaus der Feuerwehr Wolfratshausen kosten, dessen Bau allerdings erst für 2024 und später geplant ist. Der Grunderwerb soll allerdings bereits im kommenden Jahr erfolgen. Die dafür eingeplanten 3,3 Millionen Euro hielt Helmut Forster (BVW) für zu hoch, Heilinglechner erklärte, dass es sich zunächst um einen Haushaltsposten handle, die Verhandlungen liefen noch. Eibl gab noch die Kostenbeteiligung für die Tieferlegung des S-Bahnhofs zu bedenken. Die dafür angesetzten 7,5 Millionen Euro beruhten auf einer Berechnung von 2009 und würden sich, wenn die S-Bahn-Verlängerung komme, mindestens auf 13 Millionen belaufen. 60 Millionen Euro müsse Wolfratshausen wohl in den kommenden zehn Jahren investieren, schätzte er.

"Der neue Stadtrat wird die Tugend der Sparsamkeit wieder erreichen müssen", schlussfolgerte der Zweite Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD). "Nur so hat diese Stadt eine Chance, vernünftig finanziell zurecht zu kommen."

© SZ vom 13.02.2020
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