bedeckt München

Aus dem Landgericht:Haftstrafen für Casino-Räuber

Gericht verurteilt Quartett für Überfall mit Machete in Lenggries

"Eine völlig verblödete Idee", schimpfte Richter Martin Hofmann, und "so ein Schwachsinn". Trotzdem ließ der Vorsitzende der 4. Jugendkammer am Landgericht München II keine Milde walten: Er verurteilte am Montag die vier jungen Männer, die im Juli 2019 in Lenggries eine Spielcasino überfallen haben, teilweise zu Haftstrafen von über fünf Jahren. Da einer der Täter eine Machete bei sich hatte, ein anderer eine Gaspistole, ging das Gericht von einem besonders schweren Raub aus - der mit Haft nicht unter fünf Jahren bestraft wird.

"Geben Sie uns eine Chance auf ein besseres Leben, denken Sie nach", hatte Murat B. (alle Namen geändert) in seinem letzten Wort den Richter angefleht. "Ich bereue es jeden Tag", sagte Luigi D. Es waren jede Menge Drogen im Spiel, als das Quartett in der Nacht auf den 14. Juli 2019 beschloss, das Spielcasino in der Lerchkogelstraße zu überfallen. Völlig planlos und "völlig unprofessionell", wie Verteidiger Jürgen Hadinger sagte, sei der Trupp losgezogen. Den Jüngsten schickte man gegen 2.50 Uhr vor zum Ausspähen, "aber nicht einmal das haben sie auf die Reihe gekriegt". Denn der damals 20-Jährige marschierte unvermummt in das Casino, sah sich um, ob Gäste da waren, und fragte den Angestellten, ob dieser gleich schließe, was der bejahte. "Es hätten ja auch noch Gäste auf der Toilette sein können", meinte Hadinger. Und, wie der Richter anmerkte, hätte man den 20-Jährigen wunderbar auf der Videoüberwachung erkannt, "da hätten Sie auch gleich Ihren Ausweis da lassen können". Acht Minuten später dann erschien das ganze Quartett maskiert mit einer Machete, vermutlich Massenware von Norma für 12,99 Euro, und einer Gaspistole in der Jacke. Sie waren auf den Wechselgeldautomaten aus, in dem sich rund 10 000 Euro befinden sollten. Als der Angestellte anmerkte, er habe dafür keinen Schlüssel, gaben sich die Täter zufrieden. Der Alarm ging los und die Räuber konnten nur noch schnell in die Kasse greifen und flüchten. Beute für jeden: 115,75 Euro.

Einzig der Späher kam als Heranwachsender mit einer Bewährungsstrafe davon. Niklas P., 25, der nicht vorbestraft war und an das Opfer Geld zahlte, muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die mehrfach vorbestraften Murat B., 28, und Luigi D., 28, wurden zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, zudem wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Für Murat B. etwa, der mehrere Vorstrafen und drei offene Bewährungen hat, bedeutet das, dass er nach verbüßter U-Haft noch neun Monate im Gefängnis sitzt und dann einen zweijährigen Drogenentzug antritt. "Wir nehmen das Urteil an", sagte sein Anwalt Uwe Paschertz.

© SZ vom 18.11.2020 / wim
Zur SZ-Startseite