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Aus dem Amtsgericht:Zechpreller beklagt sein Leben

Ein 54-Jähriger, der sein Zimmer nicht bezahlt hat, wird verurteilt

Fast ein Jahr, nachdem sich ihr Pensionsgast davon gestohlen hat, wartet die 83-jährige Wirtin aus Egling immer noch auf ihr Geld. Ein 54-Jähriger hatte am 15. Juni 2018 nur einen Zettel im Zimmer des Gästehauses zurückgelassen. Statt 250 Euro könne er nur 50 Euro monatlich zahlen, hatte der Mann geschrieben. Als sich beide am Mittwoch vor dem Wolfratshauser Amtsgericht begegnen,beklagt der Angeklagte aber meist nur sein eigenes Leben. "Ich habe so viele Probleme", sagt er. 900 Euro aus dem Strafbefehl könne er nicht bezahlen. "Das ist mir zu viel." Trotz Einspruch ändert sich am Strafmaß aber nichts. Im Prozess wird er wegen Betrugs verurteilt, denselben Betrag zu zahlen.

Mit Zechprellern hatte die Inhaberin des Gästehauses schon viele Probleme. Seit mehr als 40 Jahren vermiete sie Zimmer, sagt sie. "Das kommt öfters vor." Insgesamt sei sie im Lauf der Jahrzehnte vermutlich schon auf mehreren Tausend D-Mark sitzen geblieben, summiert sie.

Anfang Juni 2018 hatte sich der Angeklagte in Egling eingemietet. Der Mann habe erklärt, keine 50 Euro pro Nacht für ein freies Apartment zahlen zu können. Deshalb hätten sie sich auf 25 Euro verständigt. Der Mann habe versprochen am 15. Juni den gesamten Betrag zu zahlen. "Dann war er weg", sagt die Vermieterin.

Darauf entschuldigt sich der Angeklagte zwar, fängt aber an, immer weiter zu jammern. "Viele wollen mir immer eins reindrücken", sagt er. Er wisse nicht, was ihm im Leben Probleme mache, erklärt der Mann Strafrichter Helmut Berger. So habe er etwa ständig Angst vor der Arbeit, weil er fürchte, einen Fehler zu machen. Ganz blank ist der Angeklagte zur Verhandlung nicht, 110 Euro hat er nach eigenen Angaben dabei. Auf Nachfrage des Richters, ob er dann nicht gleich 100 Euro an die Vermieterin zahlen könne, wiegelt er ab. Wie komme er dann nach Hause. Immerhin sei er 250 Kilometer gefahren. "Dann müssen Sie sich nächstes Mal einen anderen Tatort suchen, näher dran, wo Sie wohnen", entgegnet Berger.

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