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Aus dem Amtsgericht:Geldstrafe nach illegalen Fahrten

Polizisten ertappen einen Mann mehrfach ohne Führerschein

Von Benjamin Engel, Wolfratshausen

Der angeklagte Kfz-Mechaniker Mitte 50 mit den auffällig langen Haaren ist für die Justiz kein Unbekannter. Zwölf Einträge stehen in seinem Bundeszentralregister - vom Besitz von Betäubungsmitteln über Diebstahl bis hin zum Kennzeichenmissbrauch im Jahr 2013. Sein Äußeres und die Vorstrafen haben wohl beigetragen, dass die Polizisten ihn sofort erkannten, als sie im vergangenen Januar Streife fuhren. Zweimal war der Mechaniker mit dem Auto im südlichen Landkreis unterwegs. Das Brisante daran: Der Angeklagte hat seit Jahren keine Fahrerlaubnis mehr. Das Tölzer Landratsamt hat dem Mann diese mit Bescheid vom Dezember 2016 entzogen. Am Amtsgericht Wolfratshausen wurde der Mann daher zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 25 Euro verurteilt - plus drei Monate Fahrverbot.

Zum Anklagevorwurf schwieg der Mann erst. Doch Polizisten hatten ihn zweimal im Straßenverkehr am Steuer desselben Autos gesehen. Am 14. Januar fuhr der Mann auf der Lenggrieser Straße in Bad Tölz, als ihm gegen 14.20 Uhr ein Streifenwagen entgegenkam. "Er war uns persönlich bekannt, dementsprechend ist er uns ins Auge gestochen", schilderte einer der Polizisten im Sitzungssaal. Im dichten Verkehr konnten die Beamten aber nicht wenden und den Angeklagten kontrollieren. Nach späterer Prüfung wurde klar, dass der Mann keine Fahrerlaubnis mehr hat.

Fast vergleichbar wiederholte sich die Situation nur vier Tage später in Bad Heilbrunn. Wieder kam der Angeklagte einem Streifenwagen entgegen, der im dichten Verkehr nicht wenden konnte. Doch die Polizisten alarmierten Kollegen per Funk. Auf einem Parkplatz bei Wackersberg wurde der Angeklagte gestoppt. Er stand unter Drogen, hatte Kokain, Amphetamin und Marihuana genommen, wie eine spätere Blutprobe nachweist.

Warum der Angeklagte noch schwieg, verstand Strafrichter Helmut Berger nicht. "Als Verteidiger würde ich den Rat geben, sammle Plus-Punkte, erkläre etwas." Der Mechaniker lenkte ein. "Es war so wie gesagt", entgegnet er. Der Grund, warum er zuvor stumm geblieben war: Der Halter des Wagens ist ein anderer. Dieser Mann werfe ihm vor, ihn noch am Steuer eines anderen Wagens gesehen zu haben. Das stimme aber nicht, sagte der Angeklagte und vermutete eine "persönliche Retourkutsche", weil es um die Reparaturkosten ein Hin und Her gegeben habe. Dieser dritte Anklagevorwurf wurde eingestellt.

Im Strafmaß folgte der Richter der Staatsanwältin. "Jetzt muss einmal a Ruh sein", sagte Berger.

© SZ vom 18.09.2020

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