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Auftritt im Zelt:Mit Poesie und Pastinaken

Theatersommer im Isartal 2017

Kongeniale Partner: Ecco Meinecke und Pianist Andy Lutter bereiteten den Gästen im Theaterzelt einen stimmungsvollen Lieder- und Chansonabend

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ecco Meinecke und Andy Lutter beschließen den Ickinger Theatersommer mit einem stimmungsvollen Konzert.

Es war ein stilvolles, facettenreiches und sehr persönlich gestaltetes Finale: Mit einem Lieder- und Chansonabend, den Ecco Meinecke gemeinsam mit Andy Lutter, seinem kongenialen Partner am leider nur elektrischen Klavier absolvierte, ist am Sonntag der Theatersommer 2017 der "Gesellschaft unterm Apfelbaum" zu Ende gegangen. Nach dem unliebsamen Wettereinbruch bei der Irschenhauser "Sommernacht"-Aufführung tags zuvor war Gastgeberin Barbara Reimold diesmal auf Nummer sicher gegangen und hatte die Veranstaltung gleich von Anfang an ins Zelt verlegt, in dem es dann, obwohl bis auf den letzten Platz besetzt, bis zum Ende kühl blieb.

Umso mehr bemühte sich Meinecke, eine locker-vergnügte Atmosphäre, aber auch Wärme und Intimität zu vermitteln mit einem Programm, das er, langjähriges Ensemblemitglied und Texter der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, weitgehend unpolitisch konzipierte. Dass ihm das musikalische Element in seinem Leben immer wichtiger wird, hatte er schon zu Anfang betont: "Das Glück kann kommen und gehen", sagte Meinecke, "aber die Lieder bleiben."

Da hat es sich glücklich gefügt, dass er sich vor zwei Jahren mit dem eigentlich aus der Jazzszene kommenden Pianisten Lutter zusammentun konnte, der weit mehr ist als ein stilvoller Begleiter: Er transportiert die Texte mit virtuoser, leichter Hand ins Ohr, er gibt ihnen die musikalische Substanz, er ist Antreiber und kreativer Impulsgeber, er bringt die Inhalte zum Klingen und scheut sich auch nicht, mit großem Pathos in die Tasten zu greifen. Das alles weiß auch Meinecke, der in aller Bescheidenheit feststellte, er sei "der Sänger an Lutters Seite". Das ist zwar eine etwas überspitzte Demutsgeste, aber ganz verkehrt ist die Einschätzung nicht: Beide halten sich künstlerisch die Waage, sind an diesem Liederabend ohne einander nicht denkbar.

In der Auswahl der Stücke greift Meinecke, im engen silbergrauen Anzug und schwarzen Rollkragenpulver stilgerecht als Chansonnier auf der Bühne stehend, weit um sich, die Bandbreite reicht von eigenen, auf persönlichem Erleben basierenden, poetisch versponnenen Liedern bis hin zur Adaption von längst in den Olymp entrückten Stars des Chansons: Charles Aznavour zählt ebenso zu seinem Repertoire wie Adriano Celentano und Georg Kreisler mit seinem unsterblichen Stück "Mein Weib will mich verlassen" - einer unglaublich hämischen, vernichtenden Abrechnung eines frustrierten Ehemanns mit seiner endlich trennungswilligen Frau.

Aber auch stimmlich Gewagtes riskiert Meinecke, so mit einem Stück, das stark an das Artikulationswunder Al Jarreau erinnert - ein rein phonetisches Feuerwerk ganz ohne Textinhalt - eine Reminiszenz auch an Hugo Ball, den Mitbegründer des Dadaismus. Zu den mittlerweile bekannten und letztlich dann doch politischen Liedern zählt die beißend ironische "Pastinaken-Polka", die auf eine Fake-Kampagne von Jugendlichen zurückgeht: Sie hatten sich einen Spaß daraus gemacht, mit einer Unterschriftenliste gegen vermeintliche Ausländer zu protestieren und waren damit erfolgreich, bis sie die Unterzeichner schließlich wissen ließen, was Pastinaken in Wirklichkeit sind: ein Wurzelgemüse.

Immer wieder aber setzt Meinecke sein persönliches Erleben in eigene Lieder um. Mal amüsant mit seiner "Ballade pour Frigidaire" - eine ekelerregend übersteigerte Erinnerung an eine Wohngemeinschaft, in der der Kühlschrank nicht ausgeleert und geputzt wurde ("der ist voller Maden, die gehen sonntags baden"), mal nachdenklich-ironisch, mal melancholisch. Da geht es um einen Spaziergang auf dem alten Südlichen Friedhof in München, und immer wieder um die Liebe. Denn die, das weiß Meinecke aus leidvoller Erfahrung, ist manchmal schlimmer als Muskelkater.