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Auf dem Josefifest:Einzug Markus Söder

Markus Söder

Während Markus Söder spricht, wird an manchen Tischen geratscht. Auch Buh-Rufe gibt es. Am Ende schenkt ihm der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber eine "wärmende, flauschige" Strickjacke, die Söder gleich anprobiert. "Mein Kreuz ist ein bisserl breiter als die Jacke", sagt er.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Blaskapelle Deining stimmt den Defiliermarsch an und der neue Ministerpräsident schreitet ins Festzelt. Auf dem Reutberger Josefifest hat er seinen ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Wahl.

Seit Freitag ist Markus Söder Ministerpräsident in Bayern. Dass er seinen ersten öffentlichen Auftritt beim Reutberger Josefifest hat, als Franke in Oberbayern, das zeuge von "Mut und Unerschrockenheit, lieber Markus", begrüßt ihn der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber.

"Wir wissen alle, dass du überhaupt nicht nach diesem Amt gestrebt hast, aber du hattest keine Chance." Großes Gelächter im Festzelt, das am Sonntagabend nicht voll ist: Nur knapp 1300 der 2000 Plätze sind besetzt. Die meisten Leute sind in Tracht gekommen, ein Kamerateam des BR wuselt durch die Reihen. An den Tischen hört man oft den gleichen Satz: Man sei gar nicht wegen dem Söder gekommen, sondern wegen dem Josefibock und der Musik.

So richtig einschätzen können die meisten den neuen Ministerpräsidenten offenbar noch nicht: Man sei neugierig und wolle sich mal anschauen, "was er zum Sagen hat", erklärt ein Lenggrieser. Dass Seehofer weg und Söder da ist, finden die meisten gut: "Ein frischer Wind in Bayern schadet nie", sagt etwa Monika Marstaller aus Schaftlach. "Söder setzt sich mehr für das Volk ein", das sei zumindest ihre Hoffnung.

Johann Riedl, ein junger Landwirt aus dem Raum Dachau, wünscht sich, dass Söder Tradition und Brauchtum pflegt, "denn für mich bedeutet Heimat viel". Kante zeigen und sich nicht verbiegen - das rät eine Gruppe älterer Trachtler dem neuen Ministerpräsidenten. Auch eine "El-Marco-Fangruppe" wie beim Nockherberg-Singspiel hat sich eingefunden und wedelt mit Servietten - "aber nur als Gaudi", wie eine der Aktivistinnen betont.

Pünktlich um 19 Uhr stimmt die Blaskapelle Deining den Defiliermarsch an: Einzug Markus Söder, flankiert vom Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan und von Martin Bachhuber. Beim Vorbeigehen schüttelt Söder, im Trachtenjanker, Landrat Josef Niedermaier (FW) die Hand, die CSU-Bürgermeister und Gemeinderäte in den vorderen Reihen stehen auf und applaudieren.

Die Begrüßungsansprachen fallen pointiert bis kritisch aus: Der Sachsenkamer Bürgermeister Johann Schneil wettert gegen "sinnlose Klosterauflösungen"; denn auch das 400 Jahre alte Kloster Reutberg wolle das Ordinariat mangels Nachwuchs schließen. Schneil appelliert eindringlich an Söder, die Politik möge sich einschalten, "um unsere bayerische Heimat zu erhalten."

Auch August Maerz, Vorstand der Genossenschaftsbrauerei Reutberg, schenkt dem neuen Ministerpräsidenten launig ein: Die Geburtshilfesituation im Landkreis habe inzwischen zentralafrikanische Zustände angenommen. "Wenn Schwangere aus dem Isarwinkel rechtzeitig eine Geburtshilfestation erreichen wollen, dann müssen sie gleich nach der Empfängnis losfahren." Dann geht Söder ans Mikro, dankt "unserem Gustl Maerz" für seine humorvolle Problemanalyse und bringt ihn als neuen Fastenprediger für den Starkbieranstich am Nockherberg ins Spiel.

In seiner Rede gibt Söder Kante und stellt sich klar hinter Seehofer: "Muslime, die in diesem Land leben, sind Bestandteile der Gesellschaft. Aber wer sagt, dass der Islam fundamentale Wurzeln in der Gesellschaft hat, der irrt." Wer in Bayern lebe, sei herzlich willkommen, "muss sich aber unseren Werten anpassen und nicht umgekehrt". Söder plädiert für mehr Kreuze: "Wir wollen in Bayern keine abhängen, sondern in allen Behörden Kreuze aufhängen". Denn diese seien nicht nur Symbol einer Religionszugehörigkeit, sondern ein Bekenntnis zu "unseren Werten".

Söder fordert rasche Abschiebungen nicht anerkannter Flüchtlinge und eine "Neujustierung" bei der Finanzierung: In Bayern werde mehr Geld für Asyl ausgegeben, als die Etats für Umwelt, Gesundheit und Wirtschaftsförderung zusammen ausmachten.

Dann kommt das Beispiel von der Rentnerin, die ihm neulich geklagt habe, dass das Geld hinten und vorne nicht reiche. "Wir helfen anderen gern, aber dürfen darüber die einheimische Bevölkerung nicht vergessen", sagt Söder. Bei der Landtagswahl 2013 holte die CSU im Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen knapp 55 Prozent; bei der kommenden Landtagswahl im Oktober tritt erstmals die AfD an.

Während Söder spricht, wird an manchen Tischen geratscht, die El-Marco-Fangruppe macht sich bemerkbar. Auch Buh-Rufe gibt es, etwa bei seinen Tiraden gegen "Berliner Verhältnisse", die in Bayern niemand brauche. "Parteien und Politiker sind für Sie da und nicht umgekehrt."

Bayern sei das schönste Land der Welt - für diesen Satz, der mindestens dreimal fällt, gibt es den meisten Applaus. Söder reagiert gewohnt schlagfertig und gibt sich volksnah. "Ich will ein Ministerpräsident sein, der sich um die Probleme der kleinen Leute kümmert", sagt er und stellt ein "eigenes bayerisches Pflegegeld für pflegende Angehörige" in Aussicht.

Identität, ein starker Rechtsstaat, Leistungsbereitschaft und Respekt, das seien die tragenden Säulen. Nach einer Dreiviertelstunde ist alles gesagt.

Auf Söders Wink stehen die Leute auf und stimmen die Bayern-Hymne an. Als Geschenke gibt es eine Magnumflasche Reutberger Bier; Söder stellt sich in Position, ein Foto macht aber niemand. Von Bachhuber bekommt er eine "wärmende, flauschige" Strickjacke, die Söder gleich anprobiert. "Mein Kreuz ist ein bisserl breiter als die Jacke", sagt er und grinst.