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Auf Anordnung des Gesundheitsamts:Auch Dietramszell muss Wasser chloren

Ärger über verspätet gemeldeten Fäkalkeim

Von Ingrid Hügenell und Felicitas Amler

Die Königsdorfer tun es schon lange, die Geretsrieder ebenso, und nun müssen auch etwa 870 Dietramszeller Haushalte gechlortes Wasser nutzen, etwa ein Viertel der Einwohner sind dort betroffen. Seit Donnerstag werden die Leitungen in Baiernrain, Berg, Fraßhausen, Kolbing, Kögel, Neukolbing, Erlach, Jasberg, Leiten, Linden, Lochen, Schlickenried, Steingau und Thalham mit dem Desinfektionsmittel gespült. Zudem soll in diesen Ortsteilen das Wasser abgekocht werden. Die Maßnahme kommt spät: Schon vor zwei Wochen war die Probe aus dem Hochbehälter Jasberg entnommen worden, in der ein Fäkalkeim, eine Enterokokke, entdeckt wurde. Doch die Gemeinde erfuhr davon erst am Mittwoch.

"Das ist sehr ärgerlich", sagen Geschäftsleiter Thomas Gerg und Wassermeister Matthias Waldberg. Auch Franz Hartmann, Leiter des Amts für Humanmedizin, sagt: "Das geht nicht." Das Labor habe es "verschlafen", die Ergebnisse sofort weiterzugeben. Wie Waldberg sagt, hat das Labor den Fehler eingeräumt. Irgendetwas sei mit dem E-Mail-Versand schief gelaufen. Nun gelte es, den Schaden zu begrenzen und "alles sauber zu machen". Das ist der Grund, warum mit Chlor gespült wird. Weil es eine Zeitlang dauert, bis die ganze Leitung erfasst ist, hat das Gesundheitsamt auch das Abkochen angeordnet. Beide Maßnahmen gelten, bis die Ursache beseitigt ist. Der Wassermeister und seine Mitarbeiter sind dabei zu klären, wie und wo die Verunreinigung passiert ist. "Kennt man die Ursache und ist sie heilbar, dann ist die Sache ausgestanden", sagt Hartmann.

Mit der Situation in Geretsried und Königsdorf könne man das Dietramszeller Problem nicht vergleichen, sagt Hartmann. Grundsätzlich müsse jeder Fall individuell betrachtet werden. Beim Brunnen Baierbrunn handle es sich vermutlich um ein bauliches Problem, das wohl leicht zu beseitigen sei. Die Probleme um die Brunnen, die Geretsried und Königsdorf versorgen, seien aber nicht heilbar. Denn dort reicht die Erd- und Kiesschicht über den Brunnen nicht aus, um das Wasser ausreichend zu filtern. Das Landratsamt hält deshalb den Bau einer Ultrafiltrationsanlage in beiden Kommunen für unabdingbar.

Eine solche Anlage hat die Gemeinde Kochel schon in den 1990er Jahren errichtet, nach immer wieder auftretenden Problemen mit dem Trinkwasser. Diese Ultrafiltration mit nachgeschalteter UV-Anlage funktioniere gut, sagt Hartmann: "Die Kocheler Werte sind seither unauffällig." Auch das Königsdorfer und Dietramszeller Problem könnte man seiner Ansicht nach "auf einen Schlag" lösen.

In Geretsried hat sich der neue SPD-Stadtrat Walter Büttner gerade dafür stark gemacht, dass die Stadt sich in der Trinkwasserfrage mit der Nachbargemeinde Königsdorf verständigt. Büttner sagte in der konstituierenden Stadtratssitzung, er finde die Äußerungen des Königsdorfer Bürgermeisters Anton Demmel (Freie Wähler) "leicht verwirrend". Dieser hatte angekündigt, er wolle eine Gerichtsentscheidung zur Forderung des Gesundheitsamts nach einer Ultrafiltrationsanlage abwarten. Büttner sagte, dies würde die Angelegenheit um bis zu zwei Jahre verzögern. Königsdorf und Geretsried hätten "drei Brunnen in einem gemeinsamen Einzugsgebiet", daher bat er Bürgermeister Michael Müller (CSU), sich mit seinem Amtskollegen direkt zu besprechen. Es wäre sinnvoll, so Büttner, die Brunnen "als eine gemeinsame Wasserversorgungsanlage Königsdorf-Geretsried zu betrachten".

In Dietramszell liegt die Sache wohl einfacher. Für diesen Freitag erwartet Waldberg das Ergebnis der zweiten Probe, die am Mittwoch genommen wurde. Er rechnet damit, dass die Ursache des Keimeintrags schnell gefunden und auch relativ schnell beseitigt werden kann. Waldberg weist darauf hin, dass viele Aquarienfische gechlortes Wasser nicht vertragen.

© SZ vom 09.05.2014
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