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Auch ohne Tübinger Modell:Zweites Testzentrum in Wolfratshausen geplant

Coronavirus

Am Wolfratshauser Schwankl-Eck wird schon seit Längerem getestet. Nun soll mindestens eine weitere Anlaufstation in der Stadt dazukommen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Öffnungen soll es in Bayern vorerst keine geben. Die Ehrenamtlichen in der Loisachstadt schreiben dennoch ihr Konzet fort und planen weitere Corona-Teststationen.

Von Konstantin Kaip

Modellregionen, in denen nach Tübinger Vorbild Menschen mit negativen Schnelltests Zugang zu Teilen des öffentlichen Lebens bekommen, soll es in Bayern vorerst nicht geben. Die Entscheidung, welche acht Kommunen mit weniger als 100 000 Einwohnern dafür ausgewählt werden, hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch wegen der aktuellen Infektionsentwicklung um mindestens zwei Wochen verschoben. In Wolfratshausen, das sich mit dem Konzept "Tagesticket WOR" beworben hat, soll die Testkapazität dennoch ausgebaut werden. Die Initiatoren sind in der Planung für ein zweites Testzentrum in der Innenstadt, auch mobile Stationen und Dependancen in Waldram und Farchet sind denkbar.

Unabhängig davon, ob Wolfratshausen Modellregion werde, müsse man die Kapazitäten ausbauen, sagt Annette Heinloth (Grüne). Die Dritte Bürgermeisterin hat das Konzept gemeinsam erarbeitet mit Ines Lobenstein von der Caritas-Wohnungslosenhilfe, die sich seit Dezember federführend um die ehrenamtlich betriebene Teststation am Schwankl-Eck kümmert, den Stadträtinnen Ulrike Krischke (BVW) und Assunta Tammelleo (Grüne), sowie dem Leiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Robert Klingel. Bis zu 153 Tests am Tag habe es über Ostern gegeben, sagt sie. "Wir wollen dort Menschenansammlungen verhindern." Zudem seien Schnelltests nun auch für Schulen verpflichtend, damit steige der Bedarf. Laut Lobenstein wurde eine Immobilie am Untermarkt für eine zweite Teststation angeboten, eine Entscheidung sei offen.

Das Schwankl-Eck wurde vergangene Woche vom Landratsamt als offizielle Teststation unter Leitung der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen bestellt. Damit seien die Tests, die dort nun auch abgerechnet werden können, finanziert, sagt Lobenstein. Klingel berichtet von einem vergleichsweise geringen Andrang am Mittwoch nach Ostern - mit 55 getesteten Personen. "Wir müssen sehen, wie sich der Bedarf entwickelt", sagt er. "Aber wir planen vor, damit wir schnell reagieren können."

In einem Brief hatten die Initiatoren vorige Woche angekündigt, dass weitere Schritte eingeleitet werden sollen, unter Leitung von Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) und "unter Einbeziehung aller relevanten Akteure". Neben der DLRG, der Nachbarschaftshilfe "Bürger für Bürger" und dem Kulturverein Isar-Loisach sind das die Bergwacht, die Feuerwehr Weidach und die Ärzte Michael Lob und Jens Klein. In Planung sei auch ein Anmeldesystem, sagt Lobenstein. Bislang können sich die Bürger ohne Anmeldung testen lassen. Und auch die geforderte digitale Erfassung sei schnell realisierbar.

Derzeit gibt es laut Lobenstein acht medizinisch geschulte Helfer, die Abstriche vornehmen können. "Wir bilden aber weiter aus." Auch gebe es Anfragen von Leuten, die helfen wollten. "Der Zulauf ist da." Sollte Wolfratshausen also in zwei Wochen zur Modellregion erkoren werden, sei man gewappnet. Ohnedies werde die Nachfrage nach Schnelltests bleiben. Gerade junge Menschen hätten von dem Angebot Gebrauch gemacht, bevor sie Eltern oder Großeltern besuchten. "Wir haben erlebt, dass sehr viele Leute sehr verantwortungsvoll damit umgehen."

© SZ vom 08.04.2021/aip
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