AsylbewerberSammelunterkunft für Flüchtlinge

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Der Landkreis sucht derzeit händeringend nach Wohnquartieren für Asylbewerber. Nun lässt die Regierung von Oberbayern drei Objekte prüfen, in denen Gemeinschaftsunterkünfte entstehen könnten.

Von Birgit Lotze

In Kürze wird vermutlich eine Sammelunterkunft für mehr als 50 Asylbewerber im Landkreis eingerichtet. Die Immobilien Freistaat Bayern (IMBY), die im Auftrag der Regierung von Oberbayern für die Verwaltung der Asylbewerberunterkünfte zuständig ist, prüft derzeit eines von drei Objekten privater Anbieter. Im Landratsamt war am Mittwoch davon nichts bekannt. Auch liegt noch keine Stellungnahme von Landrat Josef Niedermaier vor; er ist derzeit im Urlaub. Doch es zeichnet sich ab, dass die Verwaltung, die seit eineinhalb Jahren auf eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerber setzt und damit auch gute Erfahrungen gemacht hat, sich mit einer Sammelunterkunft abfinden wird.

In einigen Wochen könne eine Entscheidung für eines der drei Objekte fallen, sagte Franz Marschmann, zuständig für das Flächenmanagement bei der IMBY-Regionalvertretung München. Es müsse groß genug für mindestens 50 Flüchtlinge sein. "Der Aufwand ist sonst zu groß", sagte Marschmann. "Das muss sich rechnen." Wo die Immobilien sind, gibt die IMBY nicht preis, nur so viel: "In der Regel sind es Hotels." Die drei Angebote seien in jüngster Zeit hereingekommen und würden nun geprüft. Die Miete müsse sich in Grenzen halten, die Häuser hätten hohe Brandschutzvoraussetzungen zu erfüllen. Wichtig sei auch, dass die Kommunen mitspielen, denn die Gemeinden müssten einer Nutzungsänderung zustimmen.

Zur Sammelunterkunft wird offenbar vorerst nur eines der Objekte umgebaut. Allerdings könnten später weitere eingerichtet werden. Marschmann beobachtet, dass zurzeit weit mehr Menschen in Bayern Zuflucht suchen als in den vergangenen Jahren - vor allem aus Afghanistan, Syrien, aus dem Irak. "Das sind Pulverfässer da unten. Solange die Entwicklung so weitergeht, kommen immens viele." Deshalb würden momentan auch langfristige Verträge mit den Eigentümern der Immobilien auf fünf bis zehn Jahre abgeschlossen.

Das Landratsamt sieht sich nicht mehr in der Lage, auf sein Konzept der dezentralen Unterbringung zu beharren. "Den Luxus, dass wir uns das aussuchen, was wir wollen, können wir uns nicht mehr leisten", meint Daniel Waidelich, der für die Flüchtlingsunterkünfte zuständige Abteilungsleiter. Nach wie vor sei der Landkreis "händeringend" auf der Suche nach bezahlbaren Wohnungen, doch dieser Markt sei inzwischen so gut wie leer. Man habe mit der dezentralen Unterbringung "hervorragende Erfahrungen" gemacht. Doch klappe die Versorgung der Asylbewerber nur dank der herausragenden Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer und der Kirchen. Die Betreuer, Verwaltung wie Helfer, arbeiteten jedoch deutlich über ihren Belastungsgrenzen. "Wir können so nicht weitermachen. Sonst können wir unserem Auftrag nicht gerecht werden."

Rechnerisch ist der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verpflichtet, 140 Plätze (Stand: Anfang Februar) für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. 124 Plätze sind vorhanden. Doch von den 124 Asylbewerbern, die untergebracht sind, gelten 27 inzwischen als Fehlbeleger. Ihr Asylantrag wurde bewilligt, sie müssen ausziehen. Das dauert oft lange: Es gibt auf dem freien Markt kaum noch bezahlbare Wohnungen.

© SZ vom 14.03.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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