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Asklepios-Klinik:Landrat gibt Geburtshilfe in Bad Tölz wenig Überlebenschancen

Nach der Expertenrunde will der Kreistag dem Millionen-Zuschuss nicht zustimmen, sagt Josef Niedermaier. Das würde die Entbindungsstation in Wolfratshausen stärken.

Von David Costanzo

Eltern und Hebammen haben protestiert und demonstriert. Sie haben Tausende Unterstützer im Internet gesammelt und sind zu Dutzenden persönlich zur Expertenanhörung ins Landratsamt gekommen, um jeden Wortbeitrag für die Rettung der Tölzer Geburtshilfe zu beklatschen. Vergeblich, wie es scheint: Nach der Sitzung des Kreisausschusses schwinden die Chancen für einen Millionen-Zuschuss an die Tölzer Asklepios-Klinik. Das berichten Teilnehmer der Beratungen hinter verschlossenen Türen übereinstimmend. Das würde das Aus für die Geburtshilfe in der Kurstadt bedeuten - und die Entbindungsstation an der Kreisklinik in Wolfratshausen stärken. Eine Entscheidung über den Zuschuss wird der Kreistag am kommenden Freitag treffen.

Landrat Josef Niedermaier (FW) fasst die Stimmung nach der Sitzung am Freitagabend so zusammen: "Tölz wird zumachen." Ohnehin hat Asklepios die Schließung des Kreißsaals für Ende März angekündigt, weil Ärzte fehlen. Nun gibt es im Kreistag laut Niedermaier große Vorbehalte, den Gesundheitskonzern künftig mit 1,8 Millionen Euro im Jahr zu unterstützen, auch in Kooperation mit anderen Kliniken. Das bestätigt der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung). Beim Hearing zuvor hatten Experten wie der Gesundheitsökonom Günter Neubauer davon abgeraten.

Den Ausschlag hat laut Niedermaier die Sicherheit der Neugeborenen gegeben. In kleinen Kliniken wie der Tölzer mit 533 Geburten im vergangenen Jahr sei die Komplikationsrate teils um ein Vielfaches höher als in großen Häusern, rechneten Neubauer und der Direktor der Frauenklinik an der Uniklinik Erlangen, Matthias Beckmann, vor. Das gelte zwar nicht für die bisherigen Belegärzte und "sehr erfahrenen Geburtshelfer" Stephan Krone in Bad Tölz und Manfred Stumpfe in Wolfratshausen, könne sich aber bei jungen, unerfahrenen Nachfolgern ändern.

Die meisten Experten hatten zudem dafür plädiert, nur eine Geburtshilfe im Kreis zu erhalten und zu stärken - also entweder Bad Tölz oder Wolfratshausen - am besten im Verbund mit einer möglichst nahen Klinik mit Neugeborenenstation. Heilinglechner und sein Geretsrieder Amtskollege Michael Müller (CSU) wollen dem derzeit geforderten Zuschuss für Asklepios nicht zustimmen und sind sich einig, dass die Aufwertung der Abteilung in Wolfratshausen möglich sei. Schon jetzt funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Starnberg beim Baby-Notarzt hervorragend, erklärt Heilinglechner. Niedermaier sagt, in diesem Fall müssten vor allem Schwangere aus dem Nordlandkreis wieder in Wolfratshausen entbinden.

Die Versorgung für werdende Mütter aus dem Süden würde sich verschlechtern: Sie müssten aus Tölz 23 Minuten nach Wolfratshausen fahren, ermittelte Experte Neubauer. Das liege aber noch innerhalb der geforderten 30 Minuten. In dieser Frist könnten auch Schwangere aus Kochel am See oder Benediktbeuern über die Autobahn die Kreisklinik in Wolfratshausen erreichen. Für Frauen aus Lenggries und der Jachenau würde sich die Anfahrt drastisch auf 36 Minuten, beziehungsweise mehr als 50 Minuten verlängern.

Niedermaier erkennt dennoch selbst bei Kreisräten aus südlichen Gemeinden Skepsis gegenüber Asklepios. Die schlagartige Schließung der Lenggrieser Reha-Klinik samt Kündigungswelle habe zu Irritationen geführt. Nicht beim Tölzer Bürgermeister Josef Janker (CSU): Der forderte nach der Expertenanhörung die Rettung der Geburtshilfe in seiner Stadt.

© SZ vom 20.03.2017
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