Ein Hallenbad ist ein Hallenbad ist ein Hallenbad. Könnte man meinen. Aber nein: Das Ascholdinger Hallenbad ist eine Kunstgalerie. Die Eglinger Künstlerin und Kunsttherapeutin Katja Bonnländer hat es mit dem Einverständnis der Gemeinde Dietramszell und mit Hilfe der Arbeitsgemeinschaft Baukultur so weit hergerichtet, dass sie dort eine Ausstellung zeigen und für kleine Gruppen Workshops anbieten kann. Die großen Fenster auf der Südseite sollen sich in eine Erinnerungsgalerie verwandeln. Über allem steht das Motto: "Wir sind alle im gleichen Wasser geschwommen".
Rostige Säulen und Wasserdüsen, unzureichender Brandschutz, problematische Statik: Das Ascholdinger Bad, ein typisches Produkt der Siebziger, ist seit langem marode und seit drei Jahren geschlossen. Viele Ideen sind schon für eine Umnutzung geboren und wieder verworfen worden: von "Aquaponik", einer Kombination aus Süßwasserfischzucht und der Kultivierung von Gemüse und Salat, bis zu einem Kino für Dietramszell. Zuletzt hat die Gemeinde die Schwimmhalle dem Landratsamt auf die Angebotsliste für eine Flüchtlingsunterkunft gesetzt. Doch das Bad stand weiterhin leer.
Die Zwischennutzung ist auf ein Jahr befristet
Und eben dies hat Katja Bonnländer inspiriert. Wie unzählige andere Menschen verbindet sie schöne Erinnerungen mit dem Bad; sie ist früher mit ihrer inzwischen großen Tochter dort geschwommen. Und daran will sie anknüpfen. Das Atelier auf Zeit - die Zwischennutzung ist auf ein Jahr befristet - soll zu einem Kulturbad werden, in dem nicht nur internationale Künstlerinnen und Künstler ausstellen. Kinder, die Bonnländer im Juni in kleinen Gruppen ins Bad einlädt, sollen ihre Eltern und Großeltern um deren ganz persönlichen Blick in die Vergangenheit bitten. Auf Fotos, die sie dazu anbietet, können Gedanken, Impressionen, eigene Bildeindrücke festgehalten werden. "Skizzieren Sie ein schönes Badeerlebnis aus Ihrer Erinnerung", bittet die Künstlerin.
Wie sehr das Bad für viele mit schönen Erinnerungen verbunden ist, hat sich etwa gezeigt, als klar wurde, dass auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG es nicht mehr nutzen konnte. Mathias Feichtbauer, Zweiter Vorsitzender der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen, erklärte damals, im Dezember 2021, man habe sich "mit einem weinenden Auge" von der Idee verabschiedet. Er selbst habe in Ascholding Schwimmen gelernt und bei den Renovierungsarbeiten in den Sommerpausen geholfen. "Ich kenne dort jede Fliese persönlich."
Solche Reminiszenzen wünscht sich Katja Bonnländer. Sie sollen in Wort und Bild an den Fenstern des Hallenbads angebracht und so zu einer "Art Provinz-Instagram" werden, wie sie scherzend sagt.


Im Becken des Bads aber wird professionelle Kunst gezeigt. Bonnländer hat dazu auch internationale Kontakte genutzt. Die Mitwirkenden kommen mit Malerei, Videokunst, Skulpturen, Keramik und Installationen aus Deutschland, Korea, Afghanistan, Iran. Noch hängt und steht längst nicht alles. Doch die an die Beckenwände gelehnten Arbeiten etwa von Eun Young Lee oder Jungmin Park geben einen ersten Eindruck, wie reizvoll ein Kunstraum sein kann, der nicht als solcher konzipiert ist. Da bilden rostige Wasserdüsen plötzlich einen pittoresken Kontrast zu einer Urlaubsszenerie unter Palmen und eine Säule, deren türkisfarbener Anstrich abblättert, korrespondiert ganz wunderbar mit einem türkis-blau-grün changierenden Gewässer. Bonnländer selbst ist mit verschiedenen Arbeiten vertreten. Aktuell malt sie häufig auf Stahlplatten, wie man sie im Baumarkt als Hüttendächer kaufen kann.
Die Künstlerin ist inzwischen auch gut mit allen umliegenden Vereinen und Gruppierungen vernetzt. Überall, so erzählt sie, sei sie auf Freundlichkeit und Bereitschaft zur Unterstützung gestoßen. So sei etwa das Fest, das für 27. Juli geplant ist, ein "Joint Venture" mit der Reitergemeinschaft Mooshof. Da im Bad selbst keine Vergnügungsveranstaltungen genehmigt sind, findet die eigentliche Feier auf dem direkt angrenzenden Reiterhof statt. Sie ist als "Country Night" angelegt, an der auch der Square-Dance-Club Tölzer Twirlers mitwirkt.
Bis dahin möchte Bonnländer aber erst einmal möglichst viele Kinder zu Workshops empfangen. Sie können die Ausstellung besichtigen und sich in kleinen Videos, welche die Künstlerinnen und Künstler zusätzlich liefern, über deren Arbeit informieren. Diese Kinder-Führungen beginnen am 13. Juni. Weitere Interessenten können sich anmelden: "Von Mitte Juni bis Mitte Juli sind dienstags von 16.30 bis 17.15 Uhr noch Termine frei", sagt Bonnländer. Auch Vereine oder Freundeskreise können kommen.
Alle Informationen dazu finden sich auf der Homepage www.hallenbad-ascholding.de

