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Arbeiten in Bad Tölz:Jeder für sich und doch gemeinsam

Erst waren sie Mieter des Tölzer Co-Working-Centers, inzwischen haben (v. li.) Marc Parmentier, Clemens Maucksch und Sebastian Fuhrmann das "Gschafft" übernommen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das Tölzer Co-Working-Center "Gschafft" ist umgezogen. Trotz Pandemie glauben die Macher an eine Zukunft.

Von Paulina Porer

Sogenanntes Co-Working, also eine Form des Zusammenarbeitens mehrerer Personen, in Zeiten von Corona und Kontaktbegrenzungen: Man könnte annehmen, dass das nicht besonders gut zueinander passt. Der Verein "Gschafft" in Bad Tölz beweist das Gegenteil. Er ermöglicht Selbstständigen, Unternehmern und Freiberuflern, sich einen Arbeitsplatz zu mieten - quasi eine offene Bürogemeinschaft, in der man sich untereinander austauschen kann und Ideen teilt. Auch während der Pandemie, denn der neue Laden in der Tölzer Bahnhofstraße gibt Mietern die Möglichkeit, sich räumlich voneinander zu trennen und sich den Freiraum zu nehmen, den sie brauchen.

"Wir haben uns speziell für diesen Standort entschieden, weil wir mit der Corona-Pandemie natürlich auch die Hygienekonzept-Thematik im Blick hatten", erklärt Mitgründer Marc Parmentier. Wer dauerhaft im "Gschafft" arbeiten möchte, hat also seit dem Umzug des Co-Working-Centers auch die Möglichkeit, einen einzelnen Büroraum für sich zu mieten. "Wir haben uns bewusst für Räumlichkeiten entschieden, wo man sich zurückziehen kann wie in einem Büro, aber trotzdem nicht alleine ist", so der 46-Jährige. Gleichzeitig biete ein Empfangsbereich mit Kaffeebar und Couch Möglichkeiten, sich auszutauschen und Mitmieter um Rat zu fragen. Für Tagesgäste gibt es zusätzlich einen großen Meetingraum. Diese seien in jüngster Zeit aber eher ausgeblieben. "Dass jemand reinkommt und sagt, okay, ich arbeite jetzt hier, hatten wir natürlich hier und da, aber nicht so wie vorher", erzählt Parmentier. An festen Plätzen mit Schreibtisch und Schlüssel, die längerfristig gemietet werden, bestehe dagegen Bedarf.

Der Mitgründer selbst ist froh, dass er besonders während der Pandemie im "Gschafft" einen Arbeitsplatz zur Verfügung hat. "Homeschooling, meine Frau und ich daheim - da wurde es super eng, alle am Telefon und im Internet", erinnert sich Parmentier, der im Personalmanagement tätig ist. Durch das Co-Working habe er für sich eine "Luxussituation" gefunden. "Da fahre ich morgens hin, arbeite und kann dann meine Arbeit im Kopf hier liegen lassen und fahre dann heim - das ist schon viel wert", betont er. Für den Tölzer habe Co-Working somit ganz klar eine Zukunft. Es gäbe viele Freiberufliche oder auch viele Menschen, die entweder nicht angestellt sind oder aber in einer anderen Stadt eine Anstellung haben. Diesen Menschen wolle das "Gschafft" eine Möglichkeit anbieten, "sich zu vernetzen und auszutauschen, auch wenn man branchenfremd ist, aber man hat Gleichgesinnte" - besonders in einer Gegend, in der man keine großen Firmen habe, wie beispielsweise in Bad Tölz, sagt Parmentier. "Die Leute, die hier sind, suchen halt Anschluss und eine professionelle Umgebung, um ihrer Arbeit nachzugehen." Dabei sei das Co-Working mehr als nur ein Arbeitsplatz, erklärt der Mitgründer des Vereins: "Wir wollen dieses Netzwerk leben lassen, Aufträge generieren - eine Ideenschmiede sein, wie wir es nennen".

Damit dies nun so im "Gschafft" stattfinden kann, habe es im vergangenen Jahr einige Veränderungen geben müssen. Dadurch, dass die ursprünglichen Gründer aus Zeitgründen selbst nicht mehr aktiv gewesen wären, sowie durch den Umzug in neue Räumlichkeiten sei Mitte 2020 die Thematik aufgekommen, dass sich das "Gschafft" neu erfinden sollte. Daraufhin hat sich Parmentier mit Sebastian Fuhrmann und Clemens Mauksch, die in dem Gemeinschaftsbüro ebenfalls einen Arbeitsbereich nutzen, zusammengetan. Sie wollten das "Gschafft" weiterführen. "Wir Dauermieter wollten unbedingt an der Idee weiterarbeiten und es weiter am Leben erhalten", so Parmentier. So haben sich die drei Männer dazu entschlossen, aus dem ursprünglichen "Gschafft", das schon seit 2018 besteht, einen Verein zu machen. Als Dauermieter, die selbst einen Raum zum Arbeiten gebraucht haben, sei es ihnen wichtig gewesen, Tölz und der Umgebung ein solches Co-Working-Center mit der "Grundidee einer Ideenschmiede, fachlichem Austausch und Networking" zu bieten. "Man muss einfach schauen, dass man das auch an einem Standort wie jetzt hier in Tölz zur Verfügung stellt, das wird auch immer mehr kommen", ist Parmentier überzeugt.

© SZ vom 15.06.2021
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