Fernöstliches Wissen im Oberland:"Ich mache nicht Ommh"

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Fernöstliches Wissen im Oberland: Im Wolfratshauser Haderbräu ist ein Zentrum für Taoismus entstanden.

Im Wolfratshauser Haderbräu ist ein Zentrum für Taoismus entstanden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Jahrtausendealte Heilkunst aus China mit der Muttergottes im Rücken: Tao-Meister Wolfgang Schreck hat nach langer Suche im Wolfratshauser Haderbräu ein Zentrum eröffnet.

Von Susanne Hauck

"Ich bin Tao-Meister", so stellt sich Wolfgang Schreck vor und bekräftigt gleichzeitig mit Nachdruck: "Aber ich mache nicht Ommh!" Schreck unterstreicht gleich, dass er kein Esoteriker sei, auch wenn seine Kurse viel mit Lebensenergie, Achtsamkeit und spirituellen Erkenntniswegen zu tun haben. "Bei mir muss man an nichts glauben", erklärt der drahtige 60-Jährige mit dem schmalen Kinnbart, der keineswegs wie ein älterer Herr, sondern beneidenswert fit und jugendlich aussieht. "Ich lade dazu ein, konkrete Erfahrungen zu machen."

Wolfgang Schreck hat vor kurzem im Wolfratshauser Haderbräu ein Tao-Zentrum eröffnet. Tao, was ist denn das, werden sich jetzt die meisten fragen. Es handele sich dabei um eine jahrtausendealte Heilkunst aus China, erklärt Schreck. Der Begriff Tao bedeutet so viel wie "ursprünglicher Weg" und will Körper, Geist und Seele in Einklang bringen. Dazu gibt es verschiedene Techniken, wie etwa das Tao-Yoga, eine sanfte Version des Yoga, und die fließenden Bewegungs-, Atem- und Meditationsübungen der hierzulande bekannteren Gesundheitslehren Qi Gong und Tai Chi. "Die Idee ist, sich selbst über die verschiedenen Ebenen kennenzulernen", erläutert der Tao-Meister.

Schreck ist begeistert von seinem Domizil direkt unter dem Dach. "Hier ist eine gute Energie, das habe ich gleich gespürt", sagt er über die 65 Quadratmeter großen Räumlichkeiten mit fünf Meter hohem Giebel und offenen Dachbalken, die Garderobe, Übungsraum und eine abgetrennte kleine Massagenische umfassen. Das Gefühl der Heimeligkeit wird noch unterstrichen durch die drei winzigen "Bullaugen"-Fenster zur Straße hin. Früher habe hier wohl das Gesinde gewohnt, meint Wolfgang Schreck. Die Einrichtung hat er bewusst ganz neutral gehalten und auf goldene Buddhas oder fernöstlichen Schnickschnack verzichtet. Dafür hat der Tao-Meister beim Unterrichten aber die Muttergottes im Rücken, denn die wohlbekannte Marienstatue ziert die Fassade des Haderbräus in einer eigens eingelassenen Nische. "Das passt doch gut, wir haben hier schließlich eine abendländisch-christliche Tradition", erklärt der gebürtige Münchner, der seit 30 Jahren im Landkreis lebt.

Fernöstliches Wissen im Oberland: Der frühere Schauspieler und Schauspiellehrer Wolfgang Schreck hat nach einer schweren Knieverletzung zum Taoismus gefunden. Heute gibt er als Meister der chinesischen Philosophie sein Wissen im Wolfratshauser Haderbräu weiter.

Der frühere Schauspieler und Schauspiellehrer Wolfgang Schreck hat nach einer schweren Knieverletzung zum Taoismus gefunden. Heute gibt er als Meister der chinesischen Philosophie sein Wissen im Wolfratshauser Haderbräu weiter.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Für Wolfgang Schreck ist es das zweite eigene Studio. Von 2001 bis 2011 führte er schon einmal eine Schule, das auf Aikido spezialisierte "Vitalzentrum" in der Geretsrieder Egerlandstraße. Doch als der Eigentümer des Gebäudes wechselte, passte es mit dem Verhältnis und der Miete nicht mehr, erzählt Schreck. Die nächsten zehn Jahre unterrichtete er als freier Lehrer. Aber immer vor Kursbeginn in den angemieteten Multifunktionsräumen erst einmal das Schaukelpferd aus der Mutter-Kind-Gruppe zur Seite räumen zu müssen, das habe ihn irgendwann gestört. "Ich wollte wieder etwas Eigenes, wo die Atmosphäre von Anfang an stimmt, und dort aus dem Vollem schöpfen."

Wolfgang Schreck ist Schüler des chinesischen Tao-Goßmeisters Mantak Chia. Er beschäftigt sich schon seit gut vierzig Jahren mit fernöstlicher Bewegungslehre, ein nicht alltäglicher Berufsweg. So etwas wie einen Wendepunkt in seiner Biografie habe es bei ihm jedoch nicht gegeben, erklärt er. "Es hat sich nach und nach entwickelt." Lange Zeit sei er auf der Suche gewesen, immer wieder pendelnd zwischen dem Körperlichen und dem Geistigen. Als Jugendlicher betrieb er Basketball als Leistungssport, was ihn aber nach der Schule nicht mehr erfüllt; ebenso erging es ihm wenig später mit einem geisteswissenschaftlichen Studium. "Ich habe gemerkt, dass ich doch eher ein physischer Mensch bin." Er sattelte um auf Schauspieler, schließlich als Schauspiellehrer für Bühnennahkampf. Auf die Heilkräfte von Aikido, Qi Gong, Tai Chi und schließlich Tao schwört er, seitdem er mit einer schweren Knieverletzung zu kämpfen hatte. Seinen Kursteilnehmern wolle er nichts vorschreiben, sagt der viel Ruhe ausstrahlende Meister Schreck. Jeder könne ausprobieren, was ihm gut tue. "Die einen wollen mal abschalten, die andern sagen, das Rumliegen sei nichts für sie." Auch wenn es mal dynamischer sein darf, vor allzu anstrengenden Fitnessübungen muss sich keiner fürchten. "Beim Tao-Yoga etwa geht es nicht ums Dehnen bis zum Anschlag, daher ist es auch etwas für eher unbewegliche Leute", erklärt Schreck. Schülerin Ulrike Hinzmann findet: "Hinterher bin ich total geerdet."

Bislang bietet Schreck seine Kurse nur abends an, was die Frage aufwirft, ob man denn von dem Unterricht leben kann. "Tao ist mein Leben und ich möchte es einfach nicht nebenher machen", gibt er entschieden zur Antwort. Zudem sei für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen, denn drei der vier Kinder seien mittlerweile erwachsen, seine Frau habe ihren eigenen Beruf als Lehrerin. Er schmunzelt: "Man kann auch sagen, ich gönn' es mir."

Mehr unter www.tao-wolfratshausen.de; Am 22. Januar findet im Tao-Zentrum im Untermarkt 17 ein Tag der offenen Tür statt

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