Süddeutsche Zeitung

Anschluss ans Glasfasernetz:Schnell, schneller, Icking

Die Gemeinde startet mit Lichtgeschwindigkeit in die digitale Welt. Die ersten Häuser sind jetzt an das neue, kommunale Glasfasernetz angeschlossen. Ein kleiner Klick mit der Maus zeigt die Rasanz.

"Ein kleiner Schritt für die digitale Welt, aber ein großer Schritt für Icking", sagte Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) am Dienstag. Doch eigentlich war es eher ein Klick mit der Maus: Mit einem Testlauf für die Internet-Geschwindigkeiten im Rathaussaal wurde symbolisiert, dass von sofort an an den ersten Straßenzügen der Gemeinde Internet mit Lichtgeschwindigkeit zur Verfügung steht und somit gilt: schnell, schneller, Ickinger Daten.

Etwa 25 Häuser sind schon an das neue, kommunale Glasfasernetz angeschlossen, bei 241 der insgesamt 969 mitmachenden Haushalte sind sogenannte Hausübergabepunkte fertiggestellt, an gut einem Drittel der Straßen sind die Leerrohre verlegt. Bis Ende 2018 sollen schließlich alle Bürger und Gewerbetreibende so surfen können, wie es am Dienstag im Ickinger Rathaus beim symbolischen Startschuss für "Glasfaser Icking" demonstriert wurde: 506,15 Megabit pro Sekunde konnten im Download gemessen werden, 51,39 Megabit pro Sekunde im Upload. Das reicht, um große Datenmengen von beispielsweise 1000 Gigabyte wie bei einem Software-Update statt in fünf, sechs Stunden in drei, vier Minuten zu schaffen, oder um Filme in Sekunden zu laden. Insbesondere bietet ein so schnelles Netz Reserven für die Zukunft, etwa paralleles Arbeiten auf mehreren Geräten und Streaming für Konferenzen.

Nicht nur ein ehrgeiziges Unterfangen, sondern ein bayernweit einzigartiges Vorhaben mit Leuchtturmcharakter: Die rund 3800 Einwohner zählende Isartalgemeinde baut das eigene Glasfasernetz auf ihrer Flur, das es an Vodafone als Betreiber vermietet. Erstmals gelang es dabei, dass der Freistatt diese Art des Breitbandausbaus fördert, nämlich mit rund 460 000 Euro. Im Gegensatz zu vielen anderen Breitband-Projekten im ländlichen Raum werden die Leitungen dort nun nicht nur bis zum Kabelverzweiger am Straßenrand reichen, sondern bis in jedes einzelne Gebäude hinein verlegt. Ohne bremsenden Kupferdraht, der Daten nur als elektrische Impulse und damit begrenzt übermitteln kann, ermöglicht die optische Übertragung per Glasfaser eine Versorgung jedes Haushalts mit eben jenen Bandbreiten von über 500 Megabit pro Sekunde - samt Ausbaureserve für die Zukunft. "Vor einem Jahr beim Spatenstich haben wir noch von 200 Megabit gesprochen", sagte Rolf-Peter Scharfe, Leiter der Glasfaser-Kooperationen bei Vodafone. "Doch auch die 500 sind noch nicht das Ende der Fahnenstange", freute er sich. Das Unternehmen wird den Ickinger Glasfaserbau zudem nutzen, um von dort aus sein eigenes Netz weiter auszubauen. Unter anderem wird Vodafone in Kürze vom Ickinger Ortsteil Dorfen aus die Kabel nach Wolfratshausen weiterführen.

Doch die Ickinger Datenautobahn hat auch Kritik hervorgerufen. Insbesondere aufgrund der Kostensteigerung attackierte die örtliche SPD Menrad und Breitband-Initiator Georg Linsinger. Die Kommune rechnet nämlich derzeit mit Kosten von rund 6,6 Millionen Euro brutto für den kommunalen Netzausbau. Im September 2012 hatte sie noch mit 4,8 Millionen Euro Baukosten kalkuliert. Die hohe Summe erklärte Menrad einerseits damit, dass eben alle Ortsteile und Weiler an das Highspeed-Netz angeschlossen werden sollen: "Bei uns gibt es keine Bürger zweiter Klasse." Die Genossen monieren nicht den Ausbau per se, aber die Vorgehensweise der Gemeinde, nämlich eine flächendeckende Glasfaserverkabelung in eigener Regie durchzuführen. Dieses sei ein "unternehmerisch aberwitziges Unterfangen in einem Technologiesektor, dessen Innovationszeiten zu rasant kurzfristigen Systemwechseln führen." Es gehöre auch nicht zu den Aufgaben der Gemeinde, "sich als Wirtschaftsunternehmen in das freie Marktgeschehen einzubringen", hatten Julian Chucholowski und Gerhard Jakobi erklärt. Die Bürgerbefragung, die vor etwa zwei Jahren zur Entscheidung des Rates für ein eigenes Netz geführt hatte, könnte man ihnen zufolge "aus zwei Gründen als unseriös bezeichnen, wenn nicht gar als bewusstes Täuschungsmanöver". Zum einen, weil die zum Zeitpunkt der Befragung bekannten Kosten nicht realistisch gewesen seien, und zweitens, dass mit einem kostenlosen Hausanschluss geworben wurde. Doch die Bürger seien als Steuerzahler an der Investition der Gemeinde beteiligt.

Auch wenn die SPD-Vertreter am Dienstag nicht beim Festakt anwesend waren, richtete Menrad dennoch das Wort an sie. Die Mehrkosten seien schon alleine mit der Steigerung der Baukosten um jährlich fünf Prozent erklärbar. Und: Günstigere Lösungen seien immer ein Breitbandausbau mit Kupferkabel. "Glasfaser bis zum Haus ist aber eindeutig die Lösung der Zukunft", betonte sie. Der Gemeinderat habe deshalb ihrer Ansicht nach mit seiner Entscheidung Weitsicht bewiesen. Deshalb war sich Menrad sicher: "Wir sind auf dem richtigen Weg."Und das, fügte sie an, zeige auch die rege Beteiligung der Bürger.

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Quelle:
SZ vom 22.11.2017
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