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An der Karlstraße:Gnadengesuch abgelehnt

Nach einem Rundgang durch das Gebäude bestätigt der Penzberger Bauausschuss den geplanten Abriss des alten Schlachthofs. Der örtliche Denkmalverein hatte sich für eine Sanierung des 120 Jahre alten Bauwerks eingesetzt.

Von Alexandra Vecchiato

Es bleibt beim Abriss des ehemaligen Schlachthofs an der Karlstraße 6. Den bestehenden Stadtratsbeschluss hat der Penzberger Bauausschuss am Dienstagabend bekräftigt. Vor der Sitzung im Rathaus hatte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) den Verein für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte zu einem Rundgang durch das viele Jahre leer stehende Gebäude eingeladen - mit der Absicht jene, die sich für den Erhalt und die Sanierung des 120 Jahre alten Schlachthofs einsetzen, von der Richtigkeit der Stadtratsentscheidung zu überzeugen. Vergeblich. Selbst das Argument, dass eine Sanierung immense Summen verschlingen würde, verfing nicht. "Die Penzberger werden es lieben, wenn der Schlachthof schön hergerichtet ist", sagte Günther Pfannkuch. Er warb für einen "kreativen Umgang" mit dem historischen Gebäude.

Für viele Teilnehmer am Ortstermin war es das erste Mal, das sie sich das Innere des Hauses ansehen konnten. Zuletzt wurde der ehemalige Schlachthof, eine wichtige Errungenschaft für die damalige Bergarbeiterstadt, als Wäscherei genutzt. Zwei Wohnungen im Obergeschoss waren bis vor etwa zehn Jahren vermietet. Dann bereitete der Brandschutz dieser Nutzung ein Ende. Die Sicherheitsvorkehrungen entsprächen in keiner Weise den vorgeschriebenen Anforderungen, weshalb allein eine Sanierung teuer würde, sagte Korpan. Hinzu käme, dass das Dach gedämmt, neue Strom- und Wasserleitungen verlegt und die Böden ausgetauscht werden müssten. Ferner gebe es Altlasten wie Asbest und Salpeter-Ausblühungen an der Fassade. Für ihn komme deshalb nur ein Abriss infrage, sagte der Bürgermeister. Der Kostenaufwand stünde in keinem Verhältnis zu den Nutzungsmöglichkeiten in einem sanierten Schlachthofgebäude. Maximal könnten dort ein bis zwei Ladenflächen und zwei bis drei Wohneinheiten entstehen.

Armin Jabs (Bürger für Penzberg) erklärte, dass auf dem Areal mehr Wohnraum geschaffen werden könne, wenn der Schlachthof durch einen Neubau ersetzt werde. "Wir haben das Geld nur einmal zum Ausgeben", sagte er. Daher wolle gut überlegt sein, in was die Stadt investiere. Auch Hardi Lenk (SPD) betonte, dass die Sanierungsvorschläge gut und schön seien, aber eine Finanzierung nicht geklärt sei. In Penzberg werde Wohnraum gebraucht, den man an der Karlstraße schaffen wolle.

Auf Einladung des Denkmalvereins nahm Heiko Folkerts an der Ortsbesichtigung teil. Der Weilheimer Architekt hatte sich zuletzt für den Erhalt des Verstärkeramts in der Gemeinde Kochel am See stark gemacht. Ohne Erfolg. Das denkmalgeschützte Gebäude muss dem neuen Bauhof der Kommune weichen. Der Penzberger Schlachthof steht nicht unter Denkmalschutz und ist durch seine Nutzung in der Vergangenheit runtergekommen. Dennoch sieht Folkerts, der in Penzberg die Schule besuchte, ein großes Potenzial. Es gebe nur noch wenige Flecken in der Stadt, wo man erkennen könne, wie Penzberg traditionell gewachsen sei, sagte Folkerts. Für ihn sei der Schlachthof erhaltenswert, gerade mit seiner Funktion als Eingangstor zur Innenstadt an der Staatsstraße von Bichl kommend. Was die Kosten betreffe, so müsse man nicht zwingend eine Maximalsanierung anstreben, wie es viele seiner Kollegen täten. "Aber es gibt Alternativen, das kriegt man schon hin." Folkerts schlug einen Architektenwettbewerb für das Areal vor. Ferner bat er die Bauausschussmitglieder, sich den Schlachthof nicht als Ruine vorzustellen, sondern als renoviertes Gebäude mit historischem Charme. Zumal, so Folkerts, zeitgenössische Architektur sehr oft bei Weitem nicht die Qualität habe, die alte Gebäude mit ihrer Detailverliebtheit besäßen.

Günther Pfannkuch berichtete der Runde, dass er selbst in den 1980er-Jahren ein historisches Haus (Baujahr 1867) an der Christianstraße renoviert habe. Technisch sei das möglich, auch die Feuchtigkeit könne man in den Griff kriegen. Er könne die Argumente von Seiten der Stadt nachvollziehen, aber beim Schlachthof handele es sich neben Bahnhof oder Rathaus um eines der letzten geschichtsträchtigen öffentlichen Gebäude in Penzberg. Er halte den Schlachthof für ein "absolut geniales Ensemble", das viel Raum für eine kreative Nutzung zuließe.

Pfannkuch sprach von einer Begegnungsstätte für Jung und Alt. Besonders Jugendliche könnten die Nebengebäude als Werkstätten und Treffpunkte nutzen. Die Verbindung zum benachbarten Bürgerpark und dem Spielplatz an der Gustavstraße sei "genial". Zur Karlstraße hin ließe sich ein Vorplatz mit besonderem Flair gestalten. Dem hielt Stadtbaumeister Justus Klement entgegen, dass sich die Stadt ihrer Verantwortung bewusst sei, aber lieber Geld etwa in den Erhalt des Bahnhofs stecke. Der Schlachthof passe nicht zu den "gruseligen Nachbargebäuden". Diese städtebauliche Situation müsse seiner Ansicht nach dringend aufgelöst werden.

"Man kann doch ein Gebäude nicht abreißen, um es der Hässlichkeit daneben anzupassen", konterte Pfannkuch. Das Haus sei in sich stimmig. "Wenn der Schlachthof einmal weg ist, ist er weg." Max Kapfer bat die Stadt abschließend darum, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das sich mit der Sanierung beschäftigt - auch, um die Kosten zu eruieren. Das wird aber nicht passieren. In der anschließenden Bauausschusssitzung stimmte das Gremium geschlossen dafür, es beim Abriss bewenden zu lassen.

© SZ vom 22.01.2021
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