Vor allem für Mountainbiker war das Forsthaus Aquila im Tiroler Bächental ein beliebtes Einkehrziel. Doch nach knapp eineinhalb Jahrzehnten haben die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) die gastronomische Nutzung beendet. Künftig wird das Forsthaus Aquila für die Forst- und Jagdverwaltung nur noch als Betriebsgebäude dienen. Eine Rolle spielte dabei wohl auch, dass die Jausenstation so abgelegen ist. Bis zum pittoresken Haus auf einer Waldlichtung schlängelte sich eine für den öffentlichen Verkehr gesperrte Teerstraße neun Kilometer lang von Fall am Sylvensteinspeicher durch die Berge. Das Forsthaus gastronomisch zu nutzen, sei schwer gewesen, sagt ÖBf-Pressesprecherin Pia Buchner. "Wir wollen jetzt Synergien nutzen."
Rund um das Bächental bewirtschaften die als Aktiengesellschaft organisierten ÖBf etwa 4400 Hektar Grund. Um das zu bewerkstelligen, ist das Forsthaus Aquila laut Buchner ein idealer Ausgangspunkt. Das Gebäude sei sehr gut erhalten, vor allem auch im Vergleich zu anderen Hütten der ÖBf in der Umgebung. Sich auf einige wenige Standorte zu konzentrieren, sei auch betriebswirtschaftlich sinnvoll. Außerdem habe das Haus eine eigene Stromversorgung - über ein kleines Wasserkraftwerk.
Mit der jetzigen Lösung knüpft das Unternehmen im Eigentum der Republik Österreich an die frühere Nutzung an. Bis Ende der 1990er Jahre hatte der für das Bächental zuständige Revierförster mit seiner Familie im Haus gewohnt. Heute gehört das Gebäude zum Forstrevier Achenwald-Bächental, einem von neun Revieren des Forstbetriebs Oberinntal.
Erst im Vorjahr hatte das Lenggrieser Ehepaar Bichlmair den Pachtvertrag für die Jausenstation Aquila nach 13 Jahren gekündigt. Zu Kirchweih im vergangenen Oktober sperrten sie den Betrieb zu. Das hatten die Wirte auch mit dem stark zunehmenden Gästeansturm begründet, der sie bis an die Belastungsgrenze brachte.
Doch gerade um die Jahrtausendwende hatten die ÖBf wesentlich schlechtere Erfahrungen gemacht. Mehrmals hätten Pächter gewechselt, sagt Sprecherin Buchner. Das Forsthaus Aquila stand sogar für einige Zeit leer, bis es das Ehepaar Bichlmair im August 2006 übernahm. Für die ÖBf waren die Rahmenbedingungen für einen gastronomischen Weiterbetrieb eher schwierig. Die Einkehr in der Jausenstation sei wetterabhängig, die Saison dauere nur kurz (von April bis Kirchweih im Oktober), sagt Buchner.
Aus ihrer Sicht ist die jetzt gefundene Lösung das "Vernünftigste". Wie sie erklärt, übernehmen die bisherigen Pächter - der Vertrag läuft Mitte des Jahres aus - noch den Winterdienst und räumen aus. "Danach soll das Gebäude schrittweise in die betriebliche Nutzung übergehen", sagt Buchner. Die Wander- und Radwege in der Umgebung blieben aber unverändert geöffnet. Nur wer künftig im Bächental etwas zu essen wolle, müsse sich seine Brotzeit künftig selbst einpacken.
