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Am Künstlerstammtisch:Gemalte Botschaften

Islam, Fazel und Nastaran (von links) an ihrem Stand bei "Heimische Künstler stellen aus".

(Foto: Privat)

Sigi Menzel zeigt einen Film über drei junge Flüchtlinge

Als Bild- und Filmexperte besucht Sigi Menzel häufig Vernissagen. Eine davon hat ihn nicht mehr losgelassen. In der Galerie Muth in Wolfratshausen begegnete er vor zwei Jahren drei jugendlichen Flüchtlingen aus Afghanistan und Syrien. "Solch eine Atmosphäre habe ich nie zuvor erlebt", sagt Menzel. Sonst gehe es Künstlern bei Ausstellungen darum, sich zu zeigen und zu produzieren. Der Afghane Fazel und die jungen Frauen Islam und Nastaran seien ganz anders gewesen: "Wärmer, freundlicher, höflich und zurückhaltend." Der starke Eindruck, den die drei bei ihm hinterließen, verflüchtigte sich nicht. Zwei Jahre später hat Menzel ihnen nun eine 18-minütige Dokumentation gewidmet.

"Botschaften - was Bilder erzählen", heißt der Film. Menzel wird ihn beim nächsten Künstlerstammtisch vorstellen, zu dem am Montag, 14. Mai, der Verein "Lebendige Altstadt Wolfratshausen" einlädt. Im Mittelpunkt stehen nicht die Schicksale der drei jungen Menschen, sondern die Bilder, die sie im Atelier Muth geschaffen haben. In manchen Zeichnungen spiegeln sich Verlust und Gewalt wider - zerfetzte Erinnerungen. Viele andere Bilder wirken auf den ersten Blick harmlos, manche gar ein bisschen kitschig. Menzel kontrastiert sie mit Filmaufnahmen aus den Kriegsgebieten, zeigt immer wieder Bombeneinschläge, das Grauen der Zerstörung, Soldaten in schwerer Ausrüstung. Dann wieder lässt er die Kamera über satte Farbkleckse streichen, verharrt auf den konzentrierten Gesichtern der jungen Maler, verfolgt ihre zarten Pinselstriche und zoomt auf Details ihrer Kompositionen - und plötzlich bekommen Seifenblasen oder eine blonde Geigerin im roten Kleid eine Bedeutung. Es sind Träume, Bilder der Hoffnung auf ein Leben in Frieden.

Ein Teil der Filmaufnahmen ist bei der jüngsten Schau "Heimische Künstler stellen aus" in der Loisachhalle entstanden. Die Galeristin Johanna Roswitha Muth hatte den drei Geflüchteten zu einem Stand verholfen - eine beglückende Erfahrung, wie ihre kurzen Stellungnahmen erahnen lassen ("Alles ist schön hier.") In der Ausstellung hätten sie einen Platz bekommen, heißt es in Menzels Film. "Und in unserer Gesellschaft? Wie betrachten wir diese Menschen?" Das sind Fragen, die ihn umtreiben. Beim Künstlerstammtisch können Interessierte eine ungefilterte Antwort darauf finden: Fazel, Islam und Nastaran werden bei der Premiere dabei sein.

Montag, 14. Mai, 19 Uhr, Wirtshaus Flößerei Wolfratshausen

© SZ vom 09.05.2018 / stsw
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