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Alternatives Schulkonzept:Mathe mit Bewegung

Aktive Schule

Haben sich viel vorgenommen: Juliane Malik (links) und Yvonne Schmerbeck wollen eine freie Schule in Penzberg gründen.

(Foto: Alexandra Vecchiato)

Eine Elterninitiative möchte in der früheren Montessori-Schule am Alten Bahnhof in Penzberg eine "Aktive Schule" gründen. Start soll schon im September 2020 sein. Bis dahin müssen Konzept und Finanzierung stehen

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Kinder wollen lernen. Dazu muss man sie nicht zwingen. Dieses Credo liegt dem Konzept für eine neue Schule in der Stadt Penzberg zugrunde, die bereits im Herbst 2020 an den Start gehen soll. Nicht alle Schüler kämen in einer Regelschule zurecht, wie die Regelschule manchmal auch nicht allen Schülern gerecht werden könne, ist sich Juliane Malik vom Gründerkreis sicher. Sie und ihre Mitstreiter möchten eine "Aktive Schule" gründen, wie es sie in Petershausen nördlich von München gibt. Doch die Hürden sind hoch. Die Regierung von Oberbayern muss die Schulgründung genehmigen.

Dass sie jede Menge Anforderungen und Auflagen im Vorfeld zu erfüllen haben, schreckt Juliane Malik nicht ab. Wenngleich sie einräumt, dass ein Beginn zum Schuljahr 2020/21 im September ambitioniert sei. "Wenn es nicht klappt, fangen wir ein Jahr später an", sagt sie. Ihr zur Seite steht Yvonne Schmerbeck, die früherer Leiterin des Penzberger Waldkindergartens. Sie hat Erfahrung, was die Gründung einer freien Schule betrifft. Gemeinsam mit ihrer Freundin Inga Oberbeil und anderen Eltern wollte sie 2005 eine "Aktive Schule" in München gründen. Doch die Regierung von Oberbayern legte der Initiative große Steine in den Weg. Der Vorgang landete schließlich vor Gericht. Und obwohl die Schulgründer obsiegten, starb das Projekt, denn die Eltern sprangen angesichts der Unsicherheit ab. 2009 übernahm eine Elterninitiative in Petershausen dieses Konzept. Dort existiert eine Grund- und Mittelschule, ein Kindergarten und eine Krippe.

Da man das Rad schließlich nicht immer neu erfinden muss, wollen die Penzberger Schulgründer auf das bewährte Konzept aus Petershausen zurückgreifen. Bis Ende März müssen sie Konzept, Finanzplan, Lehrkräfte, Gebäude und Anzahl der Schüler bei der Regierung von Oberbayern vorlegen. Ein Schulhaus steht laut Malik in Aussicht. Es handelt sich um die frühere Montessori-Schule am Alten Bahnhof in Penzberg. Das Gebäude war zuletzt von der Firma EMT genutzt worden. Der Vorteil bei diesem Haus sei, dass es bereits einmal als Schule genehmigt worden ist, sagt Schmerbeck.

Ein Trägerverein, der den Schulbetrieb übernehmen wird, ist in Gründung. Er nennt sich "Erle" (Erlebnis-Lernen). An den Start gehen wollen die Eltern, die hauptsächlich aus dem Umkreis des Waldkindergartens kommen, mit einer gemischten Grundschulklasse, die die erste bis dritte Jahrgangsstufe beinhaltet. 15 Kinder sind dafür das Minimum, 20 seien ideal, sagt Schmerbeck. Ein Ausbau ist vorgesehen bis zur zehnten Klasse. Finanziert wird das Projekt mit einem Darlehen und Elternbeiträgen, die sozial gestaffelt werden sollen. "Wir wollen keine Eliteschule", sagt Malik. Wird die freie Schule genehmigt und funktioniert der Betrieb, gewährt der Freistaat eine 75-Prozent-Förderung.

Das Konzept der "Aktiven Schule" orientiert sich an der Montessori-Pädagogik. Allerdings gibt es Unterschiede. So steht Bewegung im Vordergrund. Mag ein Kind sich nicht mit Mathe beschäftigen, kann es jederzeit aufstehen und etwa Fußball spielen. Und von der ersten Klasse an stehen Spanisch und Englisch auf dem Lehrplan. "Aber alles freiwillig", so Schmerbeck.

Einmal in der Woche versammeln sich die Schüler zum Klassenrat, bei dem schulische Dinge besprochen und demokratisch abgestimmt werden. "Es bestimmen nicht die Lehrer, sondern die Schüler, welche Regeln wichtig sind", betonen die Gründerinnen. So würden die Mädchen und Buben zu selbständig denkenden und selbstbewussten Erwachsenen, die bestens gerüstet seien für die Berufswelt. "Jedes Kind soll die Zeit haben, die es braucht", sagt Malik. Noten gibt es keine, stattdessen regelmäßige Gespräche zwischen Schülern und Lehrern. Eine Klasse wird von einem Lehrer und zwei Lernbegleitern betreut.

Nun ist der Gründerkreis auf der Suche nach Eltern, die ihr Kind auf die neue Schule schicken möchten. Ebenso können sich Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen bei Interesse bei Juliane Malik (juliane.aktiveschule@gmx.de) melden.

Info-Abend "Aktive Schule Penzberg", Mittwoch, 12. Februar, um 20 Uhr, Sitzungssaal, Rathaus

© SZ vom 30.01.2020

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