Großprojekt in Bad Tölz:Neues Pflegeheim auf der Flinthöhe

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Großprojekt in Bad Tölz: Das neue Josefistift soll auf der Flinthöhe entstehen, auf der derzeitigen Grünfläche an der General-Patton-Straße. Der Spielplatz wird für den Neubau verschoben.

Das neue Josefistift soll auf der Flinthöhe entstehen, auf der derzeitigen Grünfläche an der General-Patton-Straße. Der Spielplatz wird für den Neubau verschoben.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Firmengruppe Schleich & Haberl als Investor und der Paritätische Wohlfahrtsverband als künftiger Betreiber bekommen den Zuschlag für den Neubau des Josefistifts an der General-Patton-Straße. Für rund 20 Millionen Euro soll dort ein Haus mit 128 Pflegeplätzen, Demenz-Station, eigener Küche und Cafe entstehen.

Von Klaus Schieder

Das Josefstift in Bad Tölz wird neu gebaut. Auf der Flinthöhe soll ein Pflegeheim mit 128 Einbett-Appartements entstehen, darin sind 120 vollstationäre Pflegeplätze vorgesehen, acht für die Kurzzeitpflege. 32 Plätze soll es in einer Demenzstation in zwei separaten Wohngruppen im Erdgeschoss geben. Diese Pläne skizzierten der Investor und der künftige Betreiber des Josefstifts, die von der Stadtspitze am Montag im Rathaus vorgestellt wurden: Der Landesverband Bayern des Paritätischen Wohlfahrtsverbands übernimmt das Josefstift, und zwar schon am 1. Januar 2023. Die Schleich & Haberl Firmengruppe aus Pfarrkirchen errichtet den Neubau an der General-Patton-Straße nahe der Bundesstraße 13 auf der große Wiese, wo sich derzeit der Kinderspielplatz befindet - der allerdings nicht verschwindet, sondern verschoben wird. Investor und Betreiber seien bei dem Projekt "mehr oder weniger verheiratet", sagte Stadtkämmerer Hermann Forster und scherzte: "Wir hoffen, dass es nicht zu einer Krise kommt."

Das Josefistift mit zurzeit circa 90 Pflegeplätzen entspricht nicht mehr den baulichen Mindeststandards. Die wären am jetzigen Standort an der Bahnhofstraße auch mit einem Neubau nicht zu erfüllen gewesen. Der Stadtrat stimmte deshalb vor drei Jahren nach einer Standort-Analyse für das städtische Grundstück auf der Flinthöhe und handelte sich seinerzeit Kritik ein, weil das Stadtzentrum für die Bewohner damit arg in die Ferne rückt. Zugleich wurde 2019 das europaweite Konzessionsverfahren ausgeschrieben, das nun erst abgeschlossen ist. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) verwies auf einen umfangreichen Qualitätskatalog, den die insgesamt fünf Bewerber zu erfüllen hatten. "Uns war wichtig, dass wir diese Kriterien prüfen und inhaltlich abklopfen", sagt er. Nach dieser Matrix erhielt der Paritätische Wohlfahrtsverband zusammen mit Schleich & Haberl die höchste Punktzahl. "Es scheint, dass wir ein gutes Heim haben und der Standort Bad Tölz interessant ist, denn wir hatten nicht nur viele, sondern auch sehr gute Interessenten", resümierte Mehner.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband stehe als unparteilicher und überkonfessioneller Träger für "Vielfalt, Offenheit und Toleranz", sagte Dieter Pflaum, Geschäftsführer der verbundenen Unternehmen in der Altenhilfe des Verbands. "Diese Werte sind heute wichtiger denn je." Sein erster Eindruck vom Tölzer Josefistift sei, "dass es sich um ein sehr gut geführtes Heim" handle. Deshalb wolle man respektieren, wie dort bislang gearbeitet worden sei, zugleich aber auch das Pflegeheim weiterentwickeln. "Denn wir stehen vor enormen Herausforderungen", sagte Pflaum. Das neue Josefistift sei vor allem für schwer Pflegebedürftige der Pflegegrade vier und fünf gedacht, außerdem seien Demenzkranke eine Zielgruppe, auf die man sich stärker fokussieren wolle.

Die mehr als 100 Mitarbeitenden des Josefstifts, die nicht alle Vollzeitstellen haben, wurden in zwei Betriebsversammlungen im August über ihren neuen Arbeitgeber informiert. Sie sollen per Personalüberleitungsvertrag übernommen werden. Ihnen wolle man die Arbeit erleichtern, "so dass die meiste Zeit mit den Bewohnern verbracht werden kann", avisierte Pflaum. Als Stichworte nannte er kurze Laufwege, kleine Wohngruppen, weg vom Essenstablett. "Flure, Gänge und Krankenhauscharakter müssen mit dem Neubau endgültig vorbei sein." In dem Konzept ihres neuen Arbeitgebers vermag sich Josefstift-Leiterin Bettina Emmrich wiederzufinden. Die Verhandlungen mit dem neuen Betreiber habe sie als durchaus angenehm empfunden, sagte sie. Allerdings machte sie keinen Hehl daraus, dass ihr schwer ums Herz sei: "In vielen Jahren haben wir eine bewährte Struktur aufgebaut, ich will deshalb auch einen Raum haben für eine gewisse Trauer." Da seien "viele Emotionen, die es nicht leicht machen, wegzugehen".

Großprojekt in Bad Tölz: Konzession vergeben: Helmut Schleich (Firmengruppe Schleich & Haberl), Dieter Pflaum, Michael Wächter (beide Paritätischer Wohlfahrtsverband), Bürgermeister Ingo Mehner und Kämmerer Helmut Forster (hinten, v. li.); vorne: Silke Furmanek (li.), stellvertretende Kämmerin und wirtschaftliche Leitung Josefistift, und Heimleiterin Bettina Emmrich.

Konzession vergeben: Helmut Schleich (Firmengruppe Schleich & Haberl), Dieter Pflaum, Michael Wächter (beide Paritätischer Wohlfahrtsverband), Bürgermeister Ingo Mehner und Kämmerer Helmut Forster (hinten, v. li.); vorne: Silke Furmanek (li.), stellvertretende Kämmerin und wirtschaftliche Leitung Josefistift, und Heimleiterin Bettina Emmrich.

(Foto: Manfred Neubauer)

Mit der auf Sozialimmobilien spezialisierten Firma Schleich & Haberl arbeitet der Paritätische Wohlfahrtsverbands nicht zum ersten Mal zusammen. Beide kooperierten schon bei Projekten in Unterschleißheim, Pfaffenhofen und Manching. Die Firmengruppe habe mittlerweile 75 Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland verwirklicht, sagte Geschäftsführer Helmut Schleich. Auf der Flinthöhe plane man "ein Haus, das nach außen offen ist", wie er sagte. Mit einer eigenen Großküche, mit einem zur Straße gelegenen Café, mit dem Kinderspielplatz, der ins Gesamtgefüge auf dem Areal einbezogen werden soll. "Es kommt bei Pflegebedürftigen immer gut an, wenn sich etwas bewegt", sagte Schleich. Das neue Heim soll daher "einen permanenten Bezug nach außen" haben - "was wir nicht planen: ein autarker Campus, der abgeschlossen ist". Den Standort auf der Flinthöhe halten Investor, Betreiber und Stadt für gut gewählt. Die meisten Heimbewohner, so Pflaum, seien kaum noch mobil und blieben daher meist in den Wohngruppen. Aber auf dem weitläufigen Gelände komme man hinaus in den Garten, zudem soll es auch ein Angebot geben, ins Stadtzentrum zu gelangen.

Die Fertigstellung des neuen Josefistifts taxiert Schleich auf 2026 oder 2027. Vom Bau der Nordumfahrung, die nächstes Jahr auf der Flinthöhe beginnt, hänge das Projekt nicht ab, sagte Bürgermeister Mehner. Die Kosten für den Neubau dürften nach ersten Schätzungen bei rund 20 Millionen Euro liegen. Hinter seiner Firmengruppe stünden seit 2013 Volks- und Raiffeisenbanken, erklärte Schleich. Für die Stadt oder die Josefispitalstiftung kommt ein Pflegeheim-Neubau in Eigenregie nicht in Frage. "Es ist hochriskant, ein Stand-alone-Haus zu betreiben, da darf nie etwas schiefgehen", sagte Mehner. Der große Wohlfahrtsverband habe da ganz andere Möglichkeiten - von Corona-Konzept bis zum Einkauf. Auf dem Gelände an der Bahnhofstraße soll nach dem Abriss des alten Heims eine Art Seniorenzentrum entstehen. So werde dort die Altenhilfe als ursprünglicher Zweck der Josefispitalstiftung erfüllt, sagte Mehner.

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