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Alte Madlschule Bad Tölz:"Ich komm da nicht mehr weg"

"Wo der Wittelsbach rauscht": Alexander Liegl (rechts) als Richard Wagner und Martin Grundhuber als König Ludwig.

(Foto: Veranstalter/oh)

Alexander Liegl hat der Theatergruppe der Tölzer "Lust" wieder ein Stück geschrieben. Mit "Der Zweite Ludwig" feiern die ambitionierten Laien ihr 25-jähriges Bestehen

Abgründige Komödien sind ein Markenzeichen der Tölzer "Lust". Die Theatergruppe des Kulturvereins feiert heuer ihr 25-jähriges Bestehen. Dazu holt sie sich keinen Geringeren als den Kini in die Alte Madlschule. "Der Zweite Ludwig - Wo der Wittelsbach rauscht" heißt ihr neues Stück, das am Freitag, 13. März, Premiere an der Schulgasse feiert. Geschrieben und inszeniert haben es einmal mehr die bekannten Bühnenprofis Gabi Rothmüller und Alexander Liegl.

SZ: Herr Liegl, braucht Tölz den Kini?

Alexander Liegl: Natürlich! Wer braucht ihn nicht? Alle wollen ihn haben, den King, the One and Only. Diese Mischung aus Glamour, Wahnsinn und Geheimnis. Wo er sich irgendwie greifen lässt, ist er auch schon auf der Packung. Nicht nur in Füssen. Dort ist das Musical ja schon zweimal pleite gegangen, aber es wird immer wieder eisern neu aufgezogen.

Nun bringen Sie ein Stück über ein Tölzer Musical in die Alte Madlschule. Was hat Tölz, was Füssen nicht hat?

Das einzige, was die beiden Kleinstädte unterscheidet, ist der Umstand, dass Tölz bislang keinen Kini hatte. Und das werden wir ändern. Genauer: Wir begleiten die Ludwigisierung der Stadt.

Sie spielen den Regisseur, der die Produktion auf die Beine stellt...

Ja, und - im Stück im Stück - auch noch den Richard Wagner. Aus Kostengründen, denn es fehlt hinten und vorne am Geld. Zudem kämpfe ich mit der Produzentin; mit der war ich schon zweimal verheiratet, typische Hassliebe. Und mit einer Feministin, die unbedingt den König spielen will. Der Kollege, der die Rolle bekommt, ist ein grauenhafter Stümper, aber sein Vetter sitzt im Kulturausschuss. Und die japanischen Geldgeber drücken durch, dass auch Sisi ihren großen Auftritt hat. Denn: No Sisi, no good. Wir zeigen den nackten Wahnsinn hinter den Kulissen. Ein bisschen Schtonk ist auch dabei. Man muss feinfühlig an der Wahrheit drehen, damit der König in Tölz ankommt. Und dann gibt es natürlich noch einen Knaller, über den ich jetzt nicht sprechen kann.

Sie schreiben die Stücke gemeinsam mit Ihrer Lebensgefährtin Gabi Rothmüller. Wie kann man sich das vorstellen?

Ich fange an. Und Gabi ist streng. Wir sitzen zusammen. Sprechen. Ich mache Hausaufgaben. Manchmal komme ich auch freiwillig und bitte um Hilfe. Ich brauche ein Gegenüber, ein vertrautes Ohr. Auch sieben Zeilen, erstmals vorgelesen, sind eine Premiere.

Wer von Ihnen ist witziger?

Ich darf es sein. Zumindest auf der Bühne. Als Regisseurin muss Gabi ernst sein und den Witz dirigieren. Das kann sie. Wenn ich ihr fünf Vorschläge mache, erkennt sie sofort, was zündet oder auch langsam durch die Hintertür kommen kann.

Sie sind ein preisgekrönter Kabarettist, zudem als Autor und Schauspieler gut beschäftig. Warum halten Sie der Lust die Treue?

Aus reiner Freude und Glückseligkeit. Ich komm' da nicht mehr weg. Das Team ist toll. Mit der Lust kann ich so viel ausprobieren. Wo sonst sind solche Großproduktionen möglich? Eine wunderbare Spielwiese, ein Jungbrunnen, Labsal. Und ich lerne bei jeder Produktion etwas dazu.

Was denn zum Beispiel?

Wie man sich großen Themen annähert. Wie man elf Leute auf der Bühne beschäftigt und auf Probleme reagiert. Wie man einem Spieler eine Rolle noch mehr auf den Leib bringt.

Gibt es da Überschneidungen mit Ihrem Bühnen-Alter-Ego?

Die Überforderung fällt mir erschreckend leicht. Es gibt Momente, da müsste ich tatsächlich nicht spielen.

Haben Sie beim Schreiben Ihre Lust-Kollegen vor Augen?

Nein, aber das glaubt mir in Tölz kein Mensch. Ich habe die ungefähre Spielerzahl im Kopf. Die Rollenvergabe beginnt erst, wenn das Stück fertig ist. Dann wird verteilt. Toll ist, dass wir diesmal männliche Verstärkung bekommen haben. Basti Bergau aus Icking und Martin Grundhuber, der den Ludwig spielt. Er ist Kinderarzt in Bad Tölz, macht Musik und ist auch Mitglied bei Kabarest.

Wie ist er denn so als Kini?

Herzergreifend groß und schwer verliebt - vor allem in sich selbst. Wie Ludwig. Wie alle Schauspieler sein müssen. Aber sein Schicksal ist auch grausam.

Sie wollen Ihr Publikum nicht nur zum Lachen bringen?

Lachen ist gut, Lachen ist Verstehen. Aber Komik darf auch böse sein. Ohne Tragik ist Komik Quatsch. Im Idealfall gehen die Leute aus der Vorstellung und reden miteinander, lassen sich aus, kriegen sich nicht mehr ein, kichern, sind ein bisschen überrascht.

Überraschen Sie sich selbst noch?

Manchmal. Beim Tippen oder Kritzeln, wenn ich auf und ab gehe und einsam vor mich hin blödel - manchmal gibt es dann Momente, wo ich denke: Hoppla, wo kommt das nun her? Vieles ist aber auch Technik. Man muss die Dinge drehen, weiterdrehen, umdrehen.

Wenn Sie sich an den Alex Liegl vor 25 Jahren erinnern, vermissen Sie etwas?

Die Gefahr besteht, dass man mit den Jahren ordentlicher wird. Dass man brav erzählen will. Dann hilft es mir, alte Sachen anzuschauen. Wenn am Ende der Vorstellung einer sagt: Ihr spinnt vollkommen, dann hat sich alle Mühe gelohnt.

"Der zweite Ludwig - Wo der Wittelsbach" rauscht, Alte Madlschule, Bad Tölz, Premiere am 13. März bereits ausverkauft, weitere Vorstellungen am 14., 20., 21., 27. und 28. März, 3., 4., 24. und 25. April sowie am 1. und 2. Mai, Karten im Vorverkauf bei Schreibwaren Zauner, Telefon 08041/781 40

© SZ vom 27.02.2020
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