Es ist wohl eines der schönsten Freibäder in der Region. Das Alpenwarmbad in Benediktbeuern, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, macht seinem Namen alle Ehre. Mit 28 Grad verwöhnt das Warmwasserbecken mit Nackendusche und Bodensprudler die Badegäste. 50-Meter-Sportbecken, Rutsche und mehr ergänzen das Angebot. Und dann ist da noch der Bergblick.
So attraktiv das Alpenwarmbad auch ist, der Gemeinde Benediktbeuern als Betreiberin beschert die Einrichtung einiges Kopfzerbrechen. Denn wie viele solcher Bäder arbeitet es nicht kostendeckend. Die Kommune muss jedes Jahr einen hohen Betrag zuschießen. Energiepreise und Personal verursachen das Gros der Ausgaben, die über Eintrittsgelder nicht gedeckt werden.
Nahm das Alpenwarmbad im Jahr 2023 etwa 340 000 Euro ein, lagen die Ausgaben bei etwa 796 000 Euro, mehr als das Doppelte. Die Differenz musste die Gemeinde ausgleichen. Dieser Trend setzte sich in den Folgejahren fort. Bürgermeister Toni Ortlieb spricht „alles in allem“ von um die 550 000 Euro Defizit per anno. Anders als bei anderen Freibädern ist die Technik in Benediktbeuern auf dem neuesten Stand. 2014 wurde das Alpenwarmbad für vier Millionen Euro saniert. Auch bei den Becken gebe es keinen Handlungsbedarf, sagt Ortlieb.
Das Problem liegt woanders: Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind die Energiekosten gestiegen. Ortlieb spricht von 80 bis 90 Cent pro Kilowattstunde. „Damit sind unsere Betriebskosten explodiert“, erklärt der Benediktbeurer Bürgermeister. Der zweite große Posten sind die Ausgaben für das Personal. Man habe in diesem Bereich „umorganisiert“, wie Ortlieb es nennt. Eine weitere Reduzierung würde zu Lasten der Qualität und der Sicherheit gehen.
Insbesondere an schönen Wochenenden drängt es Badegäste aus der Region, vor allem aus München, ins Alpenwarmbad. Über die A 95 ist man schnell in Benediktbeuern. Manchmal, erzählt der Bürgermeister, seien es sogar zu viele Badegäste. Der Ansturm könne kaum bewältigt werden. Es müsse daher genügend Aufsichts- und Kassenpersonal geben.

Die Gemeinde beschäftigt im Alpenwarmbad zwei Vollzeit- und für die Aufsicht zwei Teilzeit-Kräfte. Sie arbeiten zu den Öffnungszeiten in den Sommermonaten und bauen im Winter Überstunden ab. Aushilfen für die Kasse erhalten den Mindestlohn. Die Personalkosten belaufen sich im Jahr auf 270 000 Euro, künftige Tarifsteigerungen nicht berücksichtigt.
Um Kosten zu reduzieren, hatte die Gemeinde die Öffnungszeiten verändert. Was wiederum zu Protest bei den Bürgerinnen und Bürgern führte. Eine für alle zufriedenstellende Lösung gebe es nicht, betont Ortlieb. Das gelte auch für die Eintrittspreise. Zwölf Euro zahlt ein Erwachsener für die Tageskarte. Die Jahreskarte für 130 Euro werde nicht nachgefragt, sagt Ortlieb. „Sicherlich können wir eine Marktabfrage machen. Aber viel lässt sich da nicht optimieren.“
So gut das Freibad dasteht, so schlecht steht es um das dazugehörige Gebäude mit Gastronomie. Es stammt aus dem Jahr 1972 – und versprühe eben den Charme jener Zeit, sagt Ortlieb. Die Küche müsste dringend erneuert werden. Kosten von 800 000 bis einer Million Euro stehen im Raum. Ortlieb schwebt eine andere Nutzung vor, etwa ein Fitnessstudio.
Der Bürgermeister möchte, dass seine Kommune finanziell leistungsfähig bleibt. Sie steht vor großen Herausforderungen, etwa mit dem Bau eines neuen, achtgruppigen Kindergartens. 20 Millionen Euro plus zwei Millionen für die Planung sind dafür veranschlagt. Die Schule im Dorf braucht eine Mensa für die Ganztagsbetreuung. 1,6 Millionen Euro – „das ist ein Kraftakt für uns.“
„Ich möchte eine Legitimation durch die Bürger“
Der Bürgermeister möchte die Zukunft des Alpenwarmbads nicht alleine treffen, geschweige denn dem Gemeinderat zumuten. „Ich möchte eine Legitimation durch die Bürger.“ Daher startet Benediktbeuern einen „strukturierten Entwicklungsprozess“, um die Zukunft der Freizeiteinrichtung zu sichern. Zunächst soll eine Projektgruppe aus Mitarbeitenden der Verwaltung, des Alpenwarmbads sowie Mitgliedern des Gemeinderats an einer Bestandsaufnahme und möglichen Perspektiven arbeiten. Ergebnisse erhofft sich Ortlieb vor den Sommerferien. Der Prozess sei ausdrücklich offen angelegt: Ziel sei es, das Alpenwarmbad langfristig attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten – sowohl für die Einwohner der Gemeinde wie auch für Gäste, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde.
In den kommenden Monaten ist eine öffentliche Beteiligung unter dem Titel „Zukunft Alpenwarmbad“ geplant. Vorgesehen sind eine Informationsveranstaltung sowie eine Online-Möglichkeit, um Ideen und Anregungen einzubringen. Über den genauen Ablauf der Bürgerbeteiligung will die Gemeinde noch informieren.


