Was der bayerische Wirtschaftsminister Christian Bernreiter als Präsent am Montag mit nach Bad Tölz brachte, hatten die Vertreter von fünf Landkreisen und einer Stadt, die es gewissermaßen in Empfang nahmen, sehnlich erwartet. Schließlich ging dem Projekt ein zähes Ringen voran. Nach sieben Jahren Planung startet der Alpenbus zum Fahrplanwechsel am Sonntag, 14. Dezember. Mit bis zu 2,28 Millionen Euro jährlich fördert der Freistaat den Betrieb.
Drei Expresslinien (X380, X381, X990) verbinden künftig Rosenheim über Miesbach, Bad Tölz und Penzberg mit Murnau und schaffen somit eine schnelle Ost-West-Verbindung – ohne Umweg über die Landeshauptstadt. Und das an sieben Tagen der Woche im Stundentakt. Der Alpenbus soll nicht allein Pendlern das Leben erleichtern, sondern insbesondere Touristen dazu bringen, nicht mehr ausschließlich mit dem eigenen Auto den Süden Bayerns zu erkunden.
Immer wieder drohte das landkreisübergreifende Projekt zu scheitern. Lange diskutierten die Beteiligten über die Trassenführung. So bestand der Kreis Miesbach darauf, dass die X-Busse auch den Tegernsee anbinden müssten. Die kreisfreie Stadt Rosenheim war zwischenzeitlich aus Kostengründen abgesprungen.
All die Debatten waren vergessen, als im Beisein von Ministerpräsident Markus Söder, Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Wirtschaftsminister Christian Bernreiter, MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch und Vertretern der Landkreise der Startschuss für den Alpenbus verkündet wurde. Sein Großvater habe eine Karte besessen, auf der eine Autobahn – die A 98 – eingezeichnet war, erinnerte sich Josef Niedermaier, Landrat im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Bei ihm und dem ÖPNV-Beauftragten im Tölzer Landratsamt, Matthias Schmid, lag die Koordinierung des Großprojekts Alpenbus. Die A 98 sollte von Irschenberg aus über Garmisch-Partenkirchen bis zum Bodensee verlaufen. Zum Glück sei dieses Vorhaben nie realisiert worden, so Niedermaier, denn die Autobahn hätte einen massiven Eingriff in die Natur bedeutet.
Die einzige Buslinie, die in einer Regierungserklärung erwähnt wird
Dass eine Ost-West-Trasse dennoch immer wichtiger wurde, machten 2018 etwa 100 Bürgermeister im Tölzer Kurhaus deutlich. Man habe Söder – damals noch Finanzminister – pointiert und sachlich auf die Strukturprobleme im Oberland hingewiesen, die durch die fehlende Verbindung entstünden, erzählte Niedermaier. Söder hat dieses Treffen etwas anders in Erinnerung und spricht von einem „sehr temperamentvollen Austausch“. Ihm sei damals klar geworden, dass es in Bayern sehr gute Nord-Süd-Verbindungen und sehr schlechte Ost-West-Verbindungen gebe. Die Lösung sei der Alpenbus – die einzige Buslinie im Übrigen, die in einer Regierungserklärung erwähnt wurde, sagte Söder. „Und eigentlich ist es kein Alpenbus, sondern eine ganze Alpenflotte.“

Der ÖPNV sei ihm wichtig, betonte der Ministerpräsident. Schließlich sei er das Mittel gegen den Verkehrskollaps. Für Niedermaier gibt es noch einen weiteren Aspekt: „Bezahlbare Mobilität für alle Bürger ist der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg.“ Auch wenn im ländlichen Raum das eigene Auto unverzichtbar bleiben werde, so werde dessen Unterhalt immer teurer. „Das wird sich nicht mehr jedermann leisten können“, sagte der Tölzer Landrat. Sein Appell an die Bürgerinnen und Bürger lautet, den Alpenbus fleißig zu nutzen. Das hofft auch Minister Bernreiter: „Ich wünsche mir viele Fahrgäste, weil heiße Luft spazieren zu fahren, bringt natürlich auch nichts.“ Ein hohes Fahrgastaufkommen aber würde es rechtfertigen, dass sich der Freistaat in dem hohen Maße engagiere.

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Der öffentliche Nahverkehr und dessen Finanzierung sind die Aufgabe der Kommunen. Bei sogenannten landesbedeutsamen Linien wie dem Alpenbus schießt Bayern aber Geld zu. Im ersten Jahr wird das Betriebskostendefizit zu 65 Prozent übernommen. In den folgenden Jahren sinkt dieser Anteil um jeweils fünf Prozent, bleibt allerdings vom vierten Jahr an dauerhaft bei 50 Prozent.
Landtagspräsidentin Ilse Aigner nannte einen weiteren Aspekt, der für den Alpenbus spricht: „Es gibt keine schönere Linie“, sagte sie, auch wenn man kein konkretes Ziel habe.
Der Alpenbus hat zwei Äste und fährt werktags von 6 bis 21 Uhr, an Wochenenden von 7 Uhr an: Der West-Ast (X990) verbindet Bad Tölz über Penzberg mit Murnau. Unter der Woche hält der Alpenbus beim Biotech-Unternehmen Roche, an Wochenenden indes ist Iffeldorf mit den Osterseen das Ziel. Auf dem Ost-Ast (X380) ist der Alpenbus zwischen Bad Tölz, Miesbach und Rosenheim unterwegs. Ferner gibt es eine schnellere Verbindung (X381) zwischen Bad Tölz und Miesbach beziehungsweise zwischen Bad Tölz und Gmund. Es gilt der MVV-Tarif.

