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Alles neu in der Geretsrieder Mitte:Vier Millionen fürs Stadtzentrum

Simulationen Karl-Lederer-Platz Geretsried

Heller Boden, kleine und große Bäume, künstliche Wasserläufe: die Vision des Architekten fürs Geretsrieder Stadtzentrum.

(Foto: Kehrbaumarchitekten/oh)

Geretsried verabschiedet Detailgestaltung des Karl-Lederer-Platzes. Eine effektvolle Mediensäule findet keine Mehrheit. Der Lichterhimmel scheitert an Hauseigentümern

Die Gestaltungsplanung fürs neue Geretsrieder Zentrum steht: Knapp vier Jahre nach der ersten Idee, die urbane Mitte nicht erst irgendwann auf der Böhmwiese, sondern möglichst schnell auf dem Karl-Lederer-Platz zu schaffen, hat der Stadtrat am Dienstag die Details festgelegt. Schwellenfreie, helle Bitumen-Böden und schmale Bachläufe, abwechslungsreiche Wasserspiele, viele Bäume, effektvolle Beleuchtung, eine Granittreppe und ein mit Glas eingehauster Aufzug in die Tiefgarage - für all dies sollen 4,02 Millionen Euro ausgegeben werden.

Der Stadtrat hat sich bei einigen Punkten für die teurere von mehreren Lösungen - von Architekt Klaus Kehrbaum jeweils als "Qualitätsbaustein" gekennzeichnet - entschieden. Nicht aber bei einem markanten Element, dem Aufzug aus der Tiefgarage. Dieser wird vom Bauherrn der in großen Teilen öffentlich gewidmeten zentralen Garage - der Krämmelgruppe - in einfachster Variante fertiggestellt. Die Stadt hatte die Wahl, elegantere, aber teurere Lösungen selbst zu finanzieren.

Kehrbaum hatte neben die Darstellung einer schlichten Glaseinhausung des Aufzugs eine Version mit hell-bronzen schimmerndem Alucubond - einer Designer-Verbundplatte - gesetzt. Und daneben eine dritte, von ihm selbst favorisierte Lösung: eine viereinhalb Meter hohe Mediensäule, die mit Bildschirmen und Stripes in Leuchtdioden-Technik (LED) vielfältige Möglichkeiten für optische Effekte und Veranstaltungsankündigungen böte. Die Zusatzkosten für die Stadt hätten bei 265 000 Euro gelegen.

Volker Reeh, CSU-Stadtrat und Einzelhandelssprecher, schwärmte für diese Variante: Sie wäre "ein Alleinstellungsmerkmal für Geretsried". Seine Fraktionskollegin Karin Schmid unterstrich dies mit einem bildlichen Verglich: Die Stadt habe sich jetzt "ein schönes Wohnzimmer" geschaffen, mit tollen Böden und Vorhängen, da könne man doch nun "keine Billy-Regale von Ikea" reinstellen.

Quer durch die Fraktionen wurde Zustimmung zur smarten Mediensäule laut. Diese wäre "ein absolutes Highlight", fand Sabine Lorenz (CSU). "Einfach etwas, was der Umkreis nicht hat", sagte Wolfgang Möckel (CSU). Volker Witte (Grüne) meinte, "wenn wir schon so eine schöne Stube haben wollen", wäre die teure Aufzugsvariante auch angemessen. Dagegen sprachen sich Vera Kraus und Heidi Dodenhöft (beide FW) sowie Hans Hopfner (SPD) für eine sparsame Lösung aus. Und Gerhard Meinl (CSU) dämpfte die Hoffnungen, dass der Effekt der Säule "bis nach Gelsenkirchen leuchten" würde. Die Abstimmung war schließlich für die Befürworter ernüchternd. Denn mit 15 zu 15 Stimmen war ein Patt und damit eben keine Mehrheit erreicht. Es bleibt nun bei der einfachsten Lösung.

Weitgehend einhellig wurden die übrigen Punkte verabschiedet. Die Treppe in die Tiefgarage soll nicht aus Gitterrost, sondern aus Granit gefertigt werden; das Geländer aus satiniertem Glas statt aus Metallstäben. Die grünen Inseln sollen mit kleinen wie großen Bäumen, darunter Hainbuche, Kiefer, Birkenpappel und Feldahorn, bepflanzt; die Bachläufe um einige Wasserspiele ergänzt werden.

Der von vielen als besonders hübsches Element angesehene Lichterhimmel konnte hingegen gar nicht zur Abstimmung gestellt werden. Denn zur Aufhängung der Leuchten hätten hoch überm Platz acht Millimeter dicke Stahlseile kreuz und quer gespannt werden müssen. Die meisten Anlieger lehnten es aber ab, an ihren Häusern Verankerungen dafür zuzulassen, und auch am denkmalgeschützten Rathaus wäre dies nicht genehmigt worden. Der Stadtrat hat sich stattdessen für schlichte, schmale Lichtmasten entschieden. Zusätzlich soll unter Bäumen eine Effektbeleuchtung eingesetzt werden.

Nach der Enttäuschung über den Verzicht auf die Mediensäule schlug CSU-Stadtrat Andreas Rottmüller am Ende der Sitzung unter "Verschiedenes" vor, die Bauherren am Karl-Lederer-Platz um finanzielle Unterstützung dafür zu bitten. Bürgermeister Michael Müller (CSU) sagte, dies sei nun zu spät.

© SZ vom 14.03.2019

Klaus Kehrbaum ist als Architekt im Auftrag der Stadt Geretsried tätig.

(Foto: Harry Wolfsbauer)
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