Neuer Treff in Wolfratshausen:"Alleinerziehend, aber zusammen"

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Neuer Treff in Wolfratshausen: Hand auf Hand auf Hand...: Dies ist auch das Motiv des Flyers für den Alleinerziehendentreff. Zum Projektteam gehören (von links): Fritz Meixner, Karin Strobl, Susanne Scheck und Sonja Weißbacher.

Hand auf Hand auf Hand...: Dies ist auch das Motiv des Flyers für den Alleinerziehendentreff. Zum Projektteam gehören (von links): Fritz Meixner, Karin Strobl, Susanne Scheck und Sonja Weißbacher.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Kinder- und Jugendförderverein schafft eine Anlaufstelle für Austausch, Unternehmungen und fachliche Beratungen.

Von Felicitas Amler

Im Nord-Landkreis ist dies "etwas völlig Neues", wie Fritz Meixner betont: Alleinerziehende finden künftig in Wolfratshausen einen festen Treffpunkt für Austausch, Unternehmungen und fachkundige Beratung. Der Kinder- und Jugendförderverein (KJFV), dessen Geschäftsführer Meixner ist, richtet ihn zunächst 14-tägig samstags in den Räumen seines Horts an der Bahnhofstraße ein. "Alleinerziehend, aber zusammen" ist das Motto. Und mit das Wichtigste ist, dass Kinder betreut werden, während die Erwachsenen sich nebenan in der Mensa treffen. Beides ist für die Teilnehmenden kostenlos. Meixner und das zuständige Team haben ihr Projekt am Montag in einer Pressekonferenz im Jugendhaus La Vida vorgestellt.

Sonja Weißbacher, beim KJFV für die Familienpaten verantwortlich, Susanne Scheck, Jugendsozialarbeiterin an der Grundschule Waldram, und Karin Strobl, früher selbst Familienpatin, die als systemische Coach arbeitet, sind sich mit Meixner einig: Unter den Rat und Kinderbetreuung suchenden Eltern habe der Anteil an Alleinerziehenden stetig zugenommen. Weißbacher sagt, unter jenen, die einen Familienpaten zur Seite gestellt haben, seien es 40 Prozent.

Mit den Pflichten, Aufgaben und Erfahrungen als Vater oder Mutter immer allein zu sein, keinen unmittelbaren Austauschpartner zu haben, das sei schon sehr schwierig, erklärt Meixner. Man könne vor jeder und jedem, die das leisteten, "nur den Hut ziehen". Der Kinder- und Jugendförderverein hat schon im vergangenen Jahr eine umfassende Datenerhebung zum Thema Alleinerziehende gemacht. Darin wurden die Fallzahlen der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen des KJFV, der Sozialarbeit an Schulen, der Hilfen des Jugendamts und der Erziehungsberatungsstelle im Sozialraum Nord ausgewertet. Meixners Eindruck, dass die Nachfrage Alleinerziehender zunehme, hat sich dabei bestätigt. Daher will der Verein "für diese Zielgruppe etwas anbieten".

Der erste Treff mit Kinderbetreuung ist für Samstag, 21. Mai, von 14.30 bis 16.30 Uhr vorgesehen. Die nächsten Termine sind 4. und 18. Juni, 2., 16. und 30. Juli. In der folgenden Sommerpause sei "eine Evaluationsphase" vorgesehen, so Weißbach. Und vermutlich geht es nach der Auswertung im Herbst mit monatlichen Treffen weiter.

Die SZ, die das Projekt mit ihrer durch Leserspenden unterstützten Stiftung "Adventskalender für gute Werke" finanziell mit anschiebt, hat bereits im vergangenen Advent über das Vorhaben des KJFV geschrieben. Damals am Beispiel eines alleinerziehenden Vaters dreier Kinder, der von vielerlei Situationen berichtete, in denen ihm ein Austausch mit Gleichgesinnten gut getan, ja, womöglich sogar praktisch und konkret geholfen hätte. Gerade in der stark eingeschränkten Corona-Zeit habe er sich "sehr isoliert gefühlt und als Einzelkämpfer", sagte er. Oft habe er nicht gewusst, wo und wie er Hilfe und Unterstützung finden konnte, und "von Pontius zu Pilatus telefoniert". Einen Alleinerziehendentreff nannte der Vater wegen des möglichen Informationsaustausches wichtig - "und damit man weiß, man ist nicht allein".

In Bad Tölz gibt es laut dem Projektteam des KJFV schon seit vielen Jahren einen von der Diakonie getragenen Alleinerziehendentreff. Die Sozialraumanalyse des Landkreises deute aber darauf hin, dass ein solches Angebot gerade im Norden gebraucht wird, wo der Anteil der alleinerziehenden Eltern deutlich größer sei. Zum Sozialraum gehören hier außer Wolfratshausen auch die Gemeinden Egling, Eurasburg, Icking und Münsing. Alleinerziehende aus all diesen Kommunen können den neuen Treff besuchen. Dieser soll, so Meixner, sehr niedrigschwellig ein. Eine Anmeldung sei nur erforderlich, damit die Anzahl der zu betreuenden Kinder abzusehen ist. Für diese wird ein Pool mit vier qualifizierten Personen geschaffen; die Leitung der Erwachsenen-Gruppe hat Karin Strobl.

Das Projekt wird außer vom SZ-Adventskalender auch vom Lions Club München-Isartal und vom Landkreis unterstützt

Anmeldung und weitere Information unter info@jugend-wolfratshausen.de, Telefon 08171/2670822

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