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Landkreis:G8 oder G9: Gymnasien vermissen klare Entscheidung

Die mögliche Rückkehr zum G9 löst unter Direktoren in Geretsried, Bad Tölz und Penzberg keine Begeisterung aus - sie bleiben skeptisch.

Von Thekla Krausseneck

In zwei Jahren soll eine Rückkehr zum neunstufigen Gymnasium G 9 möglich sein, doch die Freude darüber ist verhalten: Gymnasien im Landkreis und in Penzberg vermissen eine klare Ansage aus dem Ministerium; noch seien zu viele Fragen offen, lautet die Kritik. Während im Gymnasium Geretsried die Möglichkeit bestünde, sowohl das G 8 als auch das G 9 anzubieten, fürchtet das Tölzer Gymnasium um seine Besonderheiten. In Penzberg bleibt man vorerst skeptisch - immerhin habe es bis vor Kurzem noch geheißen, das neunstufige Gymnasium werde niemals wiederkommen. Jedoch wäre die Möglichkeit zur Umstellung dem Penzberger Schulleiter Bernhard Kerscher willkommen: "Mein Herz schlägt für G 9", sagt der Direktor, der das G 8 scharf kritisiert.

Obwohl er die Ankündigung des Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) zur Wahlfreiheit der bayerischen Gymnasien eine "Nicht-Entscheidung" nennt, sieht der Geretsrieder Schulleiter Hermann Deger der Veränderung mit Zuversicht entgegen. Seine Schule biete nun im zweiten Jahr die sogenannte Mittelstufe Plus an: Diese gibt Schülern die Möglichkeit, sich in der Mittelstufe für ein zusätzliches Jahr zu entscheiden. Der Schulstoff wird dann ein wenig gemächlicher vermittelt, der Nachmittagsunterricht entfällt - was mit kleinen Abweihungen nahezu dem G 9 entspricht. Ein Unterschied: In der Oberstufe sitzen die Mittelstufe-Plus-Schüler und die regulären G-8-Gymnasiasten wieder gemeinsam in den Kursen; beim neunstufigen Gymnasium wäre das dagegen wohl nicht machbar, sagt Deger.

Bernhard Kerscher

Die Stimmung im Kollegium sei nicht gut, sagt Bernhard Kerscher, Direktor des Penzbergr Gymnsiums.

(Foto: privat)

Schwierigkeiten mit dem G 8 gebe es am Geretsrieder Gymnasium nicht, sagt Deger: Die Noten seien okay, es gebe "keine großen Probleme mit Wiederholern". Man dürfe auch nicht vergessen, dass sich 40 Prozent aller Schüler bewusst gegen die Mittelstufe Plus und für den Regelzug entschieden hätten - und das bereits im zweiten Jahr. Solange das so bleibe, fahre man am Gymnasium weiter zweigleisig. Entweder mit der Mittelstufe Plus oder von 2018 an eben mit dem G 9. Schaffen könne es das Gymnasium, sagt der Schulleiter, "weil wir so groß sind". Am wichtigsten sei ihm jedoch, dass alle dahinter stehen könnten - das Schulforum ebenso wie das Kollegium und die Schüler.

Eine "klare Entscheidung von der hohen Politik" hätte sich Harald Vorleuter gewünscht: Die jetzt angekündigte Lösung sei "für uns Schulen die schlechteste", sagt der Direktor des Tölzer Gymnasiums. Als ehemaliger Büroleiter der früheren Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) ist Vorleuter einer der Väter des G 8, bis heute nennt er sich selbst "G-8-affin". Dogmatisch sei er aber nicht: Auf ein "gut gemachtes G 9" würde er sich einlassen.

Das Tölzer Gymnasium ist stolz auf seinen differenzierten Unterricht: Ob jemand musisch, naturwissenschaftlich oder neusprachlich begabt sei, ob er lieber bilingual Geschichte lerne, in Mathe besonders gut sei oder in Englisch eine Schwäche habe - auf jeden Schüler werde möglichst individuell eingegangen. Sollte das Ministerium genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um ein neunstufiges Gymnasium mit der gleichen Differenzierung zu ermöglichen, "dann gerne auch G 9", sagt Vorleuter. Diese Entscheidung den Schulleitern zu überlassen halte er allerdings für "politisch nicht richtig".

Der Leiter des Gymnasiums in Geretsried, Hermann Deger, beklagt die vielen offenen Fragen zur Causa G 9.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Kerscher sieht das G 8 schon lange kritisch: Es ermögliche zwar ein gutes Abitur, dieses sei jedoch weder qualitativ hochwertig noch pädagogisch wertvoll, sagt der Penzberger Direktor. Eine Rückkehr zum G 9 würde er begrüßen - wegen seiner geringen Größe könnte das Penzberger Gymnasium nicht beide Varianten anbieten -, aber er sei skeptisch, ob es dazu kommen werde. Er fürchte sich "vor uneindeutigen Aussagen der Politik", sagt Kerscher.

© SZ vom 03.08.2016

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