Absicherung Große Ängste, kleine Lösung

Nur eine kleine Straße, ein paar Meter Grün und eine niedrige Holzplanke trennen die Häuser von der Bahnlinie. Die Anlieger fordern eine Absicherung. Sie sehen die Gemeinde in der Pflicht, da diese das Gebiet als Einheimischenmodell erschlossen und die Grundstücke an Familien mit Kindern verkauft habe.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Gemeinde Icking kann sich nicht dazu durchringen, zur Sicherheit der Kinder am Spatzenloh einen Zaun Richtung S-Bahn-Gleise zu errichten. Bürgermeisterin Margit Menrad will stattdessen eine erhöhte Planke prüfen lassen.

Von Susanne Hauck

In der Ickinger Siedlung am Spatzenloh haben Eltern Angst um ihre Kinder, denn die S-Bahn führt ganz dicht an den Häusern vorbei. Doch der Gemeinderat kann sich noch nicht dazu durchringen, den geforderten langen Zaun zu bauen. Erst sollen zusammen mit der Bahn Alternativen geklärt werden.

Am Spatzenloh sind seit 2006 rund ein Dutzend Häuser entstanden. Nur eine kleine Straße, ein paar Meter Grün und eine niedrige Holzplanke trennen die Siedlung von Bahnlinie und Bundesstraße 11. Der Tenor der Bitten der Eltern lautet: Es soll doch nicht erst ein Unglück geschehen, ehe etwas zur Absicherung getan wird. Die Bürgerinitiative (BI) Verkehrssicherheit sieht die Gemeinde in der Pflicht, da diese das Gebiet als Einheimischenmodell erschlossen und die Grundstücke bewusst an Familien mit Kindern verkauft habe. Die BI hatte im Dezember den Antrag gestellt, einen 115 Meter langen Metallzaun mit Stäben, einen so genannten Stabmattenzaun, entlang der Bahnlinie zu errichten. Damit befasste sich der Gemeinderat am Montag.

Aktuell ist die Straße nach Spatzenloh mit einer etwa einen halben Meter hohen Holzplanke von den Gleisen abgetrennt. Nur dort, wo ein Fußgängerübergang die Bahnlinie quert, stehen bereits einige Meter Stabmattenzaun. Bei der jährlichen Ortsbegehung habe die Bahn einen längeren und höheren Zaun nicht für notwendig befunden, sagte Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI). Billig käme dieser nicht, weil die Bahn in der Planung und Genehmigung mitspricht. Menrad liegt eine Kostenschätzung zwischen 26 000 und 36 000 Euro vor. In Spatzenloh lebten derzeit 32 Kinder zwischen null und 14 Jahren und 14 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren, so die Bürgermeisterin weite.

Sie könne das Sicherheitsbedürfnis zwar nachvollziehen, sagte sie, die Verantwortung zur Verkehrserziehung liege aber auch bei den Eltern. "Wie kann man den Kindern deutlich machen, dass sie nicht weitergehen sollen?", fragte sie in die Runde. Menrad kritisierte, dass die Bürgerinitiative bis heute nicht darauf geantwortet habe, welche konkrete Gefahr für Kinder der verschiedenen Altersgruppen besteht. "Die Situation war den Familien bekannt, als sie nach Spatzenloh zogen, und hat sie nicht davon abgehalten, die Grundstücke zu kaufen", meinte sie. Im Übrigen hätten damals bei der Aufstellung des Bebauungsplans weder das Landratsamt noch die Bahn eine besondere Gefährdung gesehen. Josef Mock (UBI) pflichtete ihr bei: "Wir können nicht alles einzäunen." Alle, die an einer Straße wohnten, müssten lernen, dass sie nicht überall herumlaufen könnten. Peter Schweiger (PWG) sagte, die Bürger von Altspatzenloh habe die Nähe zu den Gleisen nie gestört.

Dagegen zeigte Matthias Ertl (PWG) Verständnis für die Ängste der Spatzenloher: "Ich habe vor der Bahn mehr Respekt als vor Autos." Lisa Häberlein (SPD/Grüne) fand, die Bahntrasse sei auf gleicher Höhe mit der Straße und deshalb wenig abschreckend; außerdem lade die Holzplanke geradezu dazu ein, darauf zu balancieren. "Da müssen wir mehr tun." Einen Schritt weiter gingen Georg Linsinger (UBI) und Georg Frech (CSU): sie forderten die Schließung des Fußgängerübergangs, um die Sicherheit zu erhöhen.

Die Gemeinderäte diskutierten ohne Ergebnis, ob ein kürzerer Zaun nur an der Bebauung oder ein längerer vom Sportplatz bis nach Altspatzenloh sinnvoller wäre. Schließlich schlug Menrad vor, ob man anstelle des Stabmattenzauns nicht die vorhandene Holzplanke umbauen und erhöhen könnte. Das soll zusammen mit der Bahn besprochen werden. "Wenn das günstiger wäre, wäre das durchaus vorstellbar." Wenn die Gesprächsergebnisse vorliegen, soll das Thema wieder im Gemeinderat behandelt werden.