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Abgesagte Feiern:Maibaum wird zum Kirtabaum

Coronavirus

Der alte Maibaum in Hohenschäftlarn ist schon abgeräumt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wegen der Corona-Krise müssen heuer überall die Maifeiern ausfallen. In Schäftlarn wurde das Fest bereits auf 2021 verschoben. In Holzhausen dagegen hofft der Burschenverein, noch dieses Jahr einen neuen Baum aufstellen zu können - dann halt zur Kirchweih

Von Benjamin Engel

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Den neuen Maibaum hat der Burschenverein gar nicht mehr fertig bearbeitet. Das Aufstellen ist wegen der Coronakrise um ein Jahr verschoben.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ohne Coronakrise würde die intensivste Jahresphase für viele Burschenvereine der Region kurz bevorstehen: Von ortsinternen Brauchtumsveranstaltungen haben sich einige Maifeiern inzwischen zu Großfesten mit Hunderten oder gar Tausenden Gästen entwickelt. Doch die Viruspandemie hat den Terminplan der Burschenvereine erheblich durcheinandergewirbelt. In Hohenschäftlarn haben die Mitglieder das Maibaumaufstellen und alle darum herum geplanten Feiern direkt um ein Jahr auf 2021 verschoben. In Holzhausen bei Münsing dagegen gibt es womöglich eine Premiere: Kirta- statt Maibaum.

Zur Maifeier und zum Baumaufstellen hatte der Holzhauser Burschenverein bereits ein Zelt mit Platz für 600 Gäste angemietet. "Wir haben alles abgesagt", sagt der Vorsitzende Basti Bolzmacher. Mit dem Zeltverleiher suche der Burschenverein nach einer Lösung, um möglichst kostengünstig aus dem Mietvertrag herauszukommen. Bisher hätte der Burschenverein nur Ausgaben, aber keinerlei Einnahmen gehabt, so Bolzmacher. Mit dem eingenommenen Geld aus der Maifeier unterstütze man sonst aber auch den Kindergarten oder die Feuerwehr.

Jetzt warten die Holzhauser Burschen und Madln, bis die Kontaktbeschränkungen gelockert sind. Ihren Baum wollen sie nämlich schon gerne noch heuer aufstellen, wie Bolzmacher berichtet. Das werde man allerdings ausschließlich dorfintern im kleinen Rahmen ohne große Feier organisieren. Dann sei es eben kein Mai-, sondern womöglich ein Kirtabaum zum Kirchweihfest. Wie die Hohenschäftlarner das Baumaufstellen auf kommendes Jahr verschieben, wollten die Holzhauser nicht. Denn dann seien im Umkreis von wenigen Kilometern einige Feiern geplant. "Da nehmen wir uns ja gegenseitig die Leute weg", sagt Bolzmacher.

Aus Sicherheitsgründen erneuern die Vereine in der Region ihre Maibäume alle paar Jahre. In Holzhausen hatten sie das neue Exemplare bereits gefällt und mit der Maibaumwache begonnen. Das bedeutet, dass sie besonders nachts darauf aufpassen, dass niemand den eingelagerten Stamm klaut. Denn darauf haben es die umliegenden Vereine abgesehen. Für die Jugend im Ort sind solche Maibaumwachen beliebte Treffpunkte. Doch damit war es in Holzhausen vorbei, als Anfang März einige junge Leute nach einer fröhlichen Wachrunde Corona-Symptome entwickelten.

In Hohenschäftlarn liegt der Maibaum seit Beginn der bayerischen Kontaktbeschränkungen Ende März verwaist neben der Wachhütte. Der Stamm sei noch nicht einmal fertig glatt gehobelt, geschweige denn bemalt, sagt der Burschenvereinsvorsitzende Florian Metz. Bis zum nächsten Jahr bleibe der Stamm nun dort liegen. "Das ist sogar von Vorteil", so Metz. Denn so könne das Holz gut ablagern. Der Stamm liege unter einem Dach und sei damit vor Wetter geschützt. Jetzt hoffe er darauf, dass niemand den Maibaum klaue. In diesem Fall würde der Hohenschäftlarner Burschenverein diesen aber sicher nicht auslösen, wie das sonst üblich sei.

Im Ort hat sich das Baumaufstellen inzwischen zu einem ausgedehnten Akt mit mehreren Festtagen inklusive Kabarett- und Musikband-Auftritten entwickelt. Seit 1950 wird im Fünf-Jahres-Turnus ein neuer Maibaum in Hohenschäftlarn aufgestellt. Dieser Rhythmus ist nun unterbrochen. Der Vereinsvorsitzende Metz spricht davon, dass erst überlegt worden sei, nur ortsintern zu feiern und die großen Veranstaltungen abzusagen. Doch davon seien sie schnell wieder abgekommen. Stattdessen hätten sie entschieden, alles gleich auf das kommende Jahr zu verschieben. Die Feier nur um ein paar Monate hinauszuzögern, sei wenig praktikabel. Normalerweise kämen allein zur Feier am 1. Mai schon um die 2500 Leute.

Die bereits verkauften Karten für die Auftritte des Kabarettisten Chris Boettcher und der Partyband Shark sollen bis zum kommenden Jahr gültig bleiben. Boettcher und die Partyband hätten beide zugesagt, auch dann aufzutreten, sagt Metz. Auch mit dem Bierzeltverleiher hätten sie sich verständigt. Alle seien sehr kooperativ gewesen. Nur der genaue Termin für die Festtage im Jahr 2021 stehe noch nicht fest.

Zum Start der Hohenschäftlarner Wachhüttensaison am Faschingsdienstag waren 189 Gäste gekommen. So ist es auf der Facebook-Seite des Burschenvereins zu lesen. Bis zum 16. März sei der Dienst dort offiziell weitergelaufen, schildert Metz. "Dann konnten wir das Risiko nicht länger eingehen." Drei Tage lang hätten jeweils nur noch vier Leute aus dem Burschenverein auf dem Stamm aufgepasst. Dann sei alles komplett eingestellt worden. Das hätten zwar viele eingesehen, einige hätten sich aber auch darüber beschwert. Die Situation jedenfalls habe alle im Burschenverein überfordert. Sie hätten noch überlegt, nur mit wenigen Leuten den Maibaum fertig zu bearbeiten, sich aber dagegen entschieden. "Das ist ein Gemeinschaftsprojekt", sagt Metz.

© SZ vom 18.04.2020

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