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Abfallentsorgung in Tölz-Wolfratshausen:Gut getrennt

Beim Tag der offenen Tür haben Besucher am Wochenende die Müllanlage in Quarzbichl besichtigen können.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Seit Einführung der Gelben Tonne Anfang 2018 wird im Landkreis mehr Plastikmüll gesammelt. Inzwischen sind es bis zu 3500 Tonnen im Monat - und das, obwohl immer noch viele Bürger bezweifeln, dass Mülltrennen etwas bringt

Der gigantische Berg Restmüll, vor dem Reiner Späth steht, riecht streng. In den vergangenen anderthalb Jahren habe sich einiges getan, sagt der Geschäftsführer der Wertstoffgewinnungs- und Vermarktungsgesellschaft Quarzbichl (WGV) in Eurasburg und betrachtet den Müllhaufen kritisch. Zum Jahresbeginn 2018 wurde im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen die Gelbe Tonne für Verpackungsmüll eingeführt. Und dieser Systemwechsel sei auch im Entsorgungsfachbetrieb Quarzbichl zu spüren gewesen.

Vor der Einführung der Gelben Tonne mussten die Bürger ihren Verpackungsmüll selbst zu einer Wertstoffanlage bringen. Damit sei ein hoher Aufwand verbunden gewesen. "Der Anreiz zum Müll trennen war für den einzelnen dadurch sehr niedrig", berichtet Späth. Das habe sich nun gewandelt. Seit es eine eigene Verpackungsmülltonne gibt, sortieren die Bürger viel mehr und viel lieber. "Na klar, Bequemlichkeit motiviert und verhilft dann eben doch zu Erfolgen", sagt Späth. Mittlerweile seien es bis zu 3500 Tonnen Plastikmüll monatlich, die sich im Landkreis ansammelten.

Doch nicht nur für private Haushalte hat sich seit Anfang 2018 einiges geändert. Auch in der Abfallwirtschaftsanlage Quarzbichl gab es einige Umstellungen. Wo der Müll früher noch aufwendig von Hand getrennt und sortiert werden musste, wird der Abfall heute nur noch umgeschlagen. Von Quarzbichl aus wird der Müll inzwischen zu zwei verschiedenen Sortieranlagen weiter transportiert. Die GEO ("Gesellschaft für Entsorgung") und die "Wurzer Umwelt GmbH" nehmen den Müll entgegen und verwerten ihn weiter. Das Sortieren des Plastikmülls wurde damit ausgelagert. Anderer Müll wird nach wie vor in Quarzbichl aufwendigen durchsucht und in seine Bestandteile getrennt. Teilweise müssten Gegenstände per Hand zerpflückt werden, damit sie weiter verwertet werden können, so Reiner Späth. Der Wertstoffhof, der zu der Anlage Quarzbichl dazu gehört, nehme aber natürlich noch immer Verpackungsmüll entgegen, falls die Gelbe Tonne daheim einmal voll sein sollte, ergänzt er.

"Der Vorwurf, dass der Müll, den der Bürger fein säuberlich trennt, im Endeffekt doch nur wieder auf einen Haufen geschmissen wird, der begleitet uns seit 20 Jahren", klagt Späth. Unter anderem deswegen, um wenigstens ein bisschen mit den Gerüchten aufräumen zu können, veranstaltete die WGV am Sonntag einen Tag der offenen Tür auf ihrem Gelände. Der WGV-Geschäftsleiter erhofft sich dadurch, dass die Menschen dadurch nachvollziehen können, wie in Quarzbichl getrennt und recycelt wird. "Wir haben zum Beispiel gezeigt, wie der Restmüll händisch sortiert wird oder wie wir verschiedenfarbiges Glas trennen", so Späth. "Hoffentlich werden die Bürger dadurch ein bisschen sensibilisiert und trennen in der Zukunft bewusster."

Trotz all dieser Bemühungen um Transparenz taucht immer wieder die Frage auf, wie viel Müll tatsächlich wiederverwertet wird. Meldungen von Abfall, der in Dritte-Welt-Länder verkauft werde und dort traumhafte Strände vermülle, besorge die Menschen, so Späth. "Wir arbeiten eng mit den Sortier- und Recyclinganlagen zusammen", sagt er. Die GEO, die seit Einführung der Gelben Tonne einen Großteil des Verpackungsmülls aus dem Landkreis übernimmt, bestätigt, dass etwa zwei Drittel des Materials direkt recycelt werden. Ein Drittel werde verbrannt und teils zur Energiegewinnung genutzt. Das Sortierverfahren, das die GEO anwendet, unterscheidet die Materialien in zehn Kategorien, die alle unterschiedlich verwertet werden.

Er könne die Skepsis der Bürger verstehen, sagt Reiner Späth. Gerade was den Weg des Mülls anbelangt, herrsche noch immer wenig Offenheit und viel Unwissen. Er hofft, mit dem Tag der offenen Tür wenigstens ein bisschen Licht in die dunklen Ecken der Müllverwertung gebracht zu haben.