Wolffkran:Dieser Mann rettete den ältesten Kranhersteller der Welt vor dem Ruin

Kräne auf der Bauma in München, 2010

Auch auf der Bauma in München ist Wolffkran prominent vertreten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Heute gehört Peter Schiefers Unternehmen Wolffkran zu den Weltmarktführern - und ist mit seinen roten Stahlkolossen an Bauten wie dem Jeddah Tower beteiligt.

Von Thomas Becker

Luzern ist eine schöne Stadt. Knuffige Altstadt, schicke Seepromenade, und die Berge sieht man auch. Erst recht, wenn man auf einem 40 Meter hohen Kran steht. Der Wind zerrt da zwar ein wenig am Helm, der Klettergurt ist auch nur mittelbequem, aber die Aussicht wie gesagt: von berückender Schönheit. Unschön wird es erst, wenn einem jemand ein Seil in die Hand drückt und meint, das müsse man jetzt nur noch vorne einhängen. Vorne, das heißt am Ende des 45 Meter langen Auslegers. Da, wo der Kran aufhört und das luftige, bodenlose Nichts anfängt. Das ist der Moment, an dem man wissen muss, wann es genug ist. Peter Schiefer wusste: "Das tue ich mir nicht an. Das überlasse ich dem Profi."

Man muss schließlich nicht alles können, auch als Chef nicht. Und Schiefer kann eine ganze Menge, sonst hätte es in Luzern nie einen roten Kran gegeben. Beim neuen World-Trade-Center-Komplex in New York auch nicht, an der Moschee in Mekka ebenso wenig wie am SZ-Hochhaus in Steinhausen oder bei der Skigondel in Ischgl, und am bald tausend Meter hohen Jeddah Tower erst recht nicht. Aber der Reihe nach.

Peter Schiefer ist Besitzer und Geschäftsführer von Wolffkran, dem ältesten Kranhersteller der Welt, gegründet 1854 in Heilbronn, noch als Eisengießerei. 1913 stellte Wolff auf der Leipziger Messe den ersten fahrbaren Turmdrehkran mit Wippausleger vor. Heute gehört das Unternehmen zu den Weltmarktführen in Sachen Herstellung und Vermietung von Kranen. Eigentlich will man Kräne sagen, was wohl genauso korrekt ist wie Krane, meint Schiefer: "Aber die Architekten sagen Krane."

Mehr als 700 hat Schiefer im Angebot, zum Mieten oder Kaufen, je nach Bedarf. Da ein Kran im Schnitt aus 160 bis 200 Tonnen Stahl besteht, kann man behaupten, dass Schiefers Firma an die 140 000 Tonnen schwer ist. Um mal nachvollziehen zu können, wie man so ein Ungetüm in die Vertikale bekommt, holte Schiefer Geschäftsleitung und Management zusammen und meinte: "Wir bauen jetzt mal selbst einen Kran auf! Ihr sollt erleben, wie das den Mitarbeitern ergeht, mit welchen Problemen die zu kämpfen haben."

Ein, zwei Experten, die wirklich wissen, wie es geht, nahm er dazu, alles lief prima - bis am Ende einer der Experten meinte, er, der Chef, könne dann jetzt vorne das Hubseil einfädeln. Schiefer meinte nur: "Ihr seid ja wahnsinnig! Da geh' ich nicht raus!" Dennoch war der Ausflug über die Dächer von Luzern ein Erfolg, denn: "Jetzt wissen alle, wie es geht."

Der Elektroingenieur kam durch Zufall zu seinem Unternehmen

Mit Peter Schiefer einen Termin zu vereinbaren, ist schwierig. Der Mann aus Grünwald ist ständig unterwegs: zur Zentrale in die Schweiz, zu den Fertigungswerken in Heilbronn und Luckau (Brandenburg), zu den Standorten in USA, Kanada, Dubai, Belgien, Hongkong oder Saudi-Arabien, zu den Brexit-Sorgenkindern nach Sheffield oder zum neuen Markt Frankreich. Irgendwann erwischt man ihn doch - in der Jochen-Schweizer-Arena in Taufkirchen, im Anschluss an eine Pressekonferenz zum ATP-Challenger-Turnier in Ismaning: den Wolffkran-Open.

Ein Kranbauer als Tennis-Sponsor? "Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich so was mal mache", sagt Schiefer und grinst. Der Bayerische Tennisverband suchte einen Geldgeber für das Nachwuchsturnier und wusste über Schiefers talentierten Sohn von dessen Begeisterung für Tennis. Mit 15 war er zum MTTC Iphitos gekommen, heute könnte er trotz seines jugendlichen Aussehens bei den Herren 50 spielen, doch dazu fehlt die Zeit. Das Geschäft mit den Kranen brummt.

Dass es den smarten Rheinländer in die Welt der Laufkatz- und Wippkrane verschlagen würde, war nicht absehbar. Elektrotechnikstudium, Promotion mit 25, mit 33 als Siemens-Manager im Silicon Valley, in München und Erlangen für 1200 Mitarbeiter und 1,2 Milliarden Mark Umsatz verantwortlich. Danach Investmentbanker bei Goldman Sachs, Private Equity, was 2005 zum Kauf von Wolffkran geführt hat. "Ich habe das Produkt von Anfang an gemocht, konnte mich auch in die Technik reindenken", erzählt Schiefer.

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