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Wohnungssuche in Freising:Höchstens Kellerlöcher zu haben

Bis in die Abendstunden hat ein Brand in einem Dachstuhl an der Unteren Hauptstraße in Freising die Feuerwehr und andere Helfer beschäftigt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bei einem Brand in der Freisinger Altstadt haben sie ihre gesamte Habe verloren. Jetzt suchen die 50 Opfer nach einer neuen Bleibe. Vergebens. Entweder sind die Wohnungen zu teuer oder werden sofort unter der Hand vergeben.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Der Dachgeschossbrand in der Freisinger Altstadt vor zehn Tagen hat wieder einmal gezeigt, wie dramatisch die Lage auf dem Wohnungsmarkt im Großraum München ist. Denn die 50 Betroffenen, viele davon Hartz-IV-Empfänger, finden keine neue Bleibe. Sie sind in Notunterkünften oder bei Bekannten und Verwandten untergekommen. Auch ein öffentlicher Aufruf der Stadt, freie Wohnungen zu melden, war erfolglos.

"Ehrlich gesagt habe ich auch nichts anderes erwartet", sagt Robert Zellner vom Amt für soziale Angelegenheiten. Ein Vermieter aus Moosach habe sich gemeldet, "aber die Wohnung war viel zu teuer". Bei einem weiteren Angebot habe er schon am Telefon gemerkt, "dass da jemand sein altes Kellerloch vermieten will".

Nun ist es nicht so, dass es in Freising gar keine Mietwohnungen geben würde. "Wir haben immer wieder Angebote", sagt dazu der Freisinger Makler Peter Stanglmaier. "Aber die müssen wir gar nicht auf unserer Website bewerben. Wir rufen unsere Kunden an und dann ist die Wohnung weg." Der Quadratmeterpreis liege in Freising bei neun Euro aufwärts. "Zu teuer", sagt Robert Zellner, "bei Hartz-IV- Empfängern sind wir da knapp über der genehmigungsfähigen Mietgrenze."

Wo in Freising gebaut wird, melden sich sofort Makler oder Mieter. In der Innenstadt entstehen gerade zehn neue Wohnungen, außer einem Baukran und dem Kellergeschoss sieht man noch nichts. Das Interesse ist aber so groß, dass der Bauherr auf einem großen Plakat am Bauzaun mitteilen lässt, Makleranfragen seien zwecklos, die Wohnungen stünden nicht zum Verkauf. Potenziellen Mietern wird eine E-Mail-Adresse genannt. Dort können sie sich dann bewerben.

Wer durch alle Raster fällt, hofft auf eine der 768 Sozialwohnungen. Doch die sind alle belegt, die Wartezeit beträgt bis zu sieben Jahre. Wohnberechtigungsscheine stellt die Stadt darum bis auf weiteres gar nicht mehr aus. "Eine Besserung der Lage ist derzeit nicht absehbar", heißt es lapidar auf der Website der Stadt.

© SZ vom 14.08.2014/bica
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