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Wohnungssuche:Häufig wird die Not- zur Dauerunterkunft

Flüchtlinge kommen aus Ungarn am HBF München an

Im September 2015 sind viele Geflüchtete am Münchner Hauptbahnhof angekommen. Mittlerweile ist die Zahl wieder gesunken.

(Foto: Florian Peljak)

Wenn Flüchtlinge nach München kommen, haben sie oft eine Odyssee hinter sich. Doch auch nach ihrer Anerkennung dauert es, bis sie ein richtiges Zuhause haben.

So wie die Integration in den Arbeitsmarkt für geflüchtete Menschen häufig mit hohen Hürden verbunden ist, so ist auch die Suche nach einer Unterkunft auf dem freien Wohnungsmarkt sehr schwierig. München ist teuer, bezahlbare Wohnungen sind rar: Nicht nur Geflüchtete, Alleinerziehende oder Geringverdiener stellt das vor Probleme, sondern mittlerweile auch Menschen mit Durchschnittseinkommen.

Platz für geflüchtete Menschen gibt es in München inzwischen laut Wohnungsamt zunächst einmal genug. Die Phase, in der dringend Unterkünfte für Flüchtlinge gesucht wurden oder erst geschaffen werden mussten, ist vorbei. Derzeit leben rund 7000 Flüchtlinge in städtischen und staatlichen Gemeinschaftsunterkünften. Die Zahl näherte sich damit, nach einem Höhepunkt im September 2016, wieder dem Stand von Dezember 2015 an, als erstmals Daten zur Flüchtlingsunterbringung in München erhoben wurden. Mittlerweile kommen nur noch so viele Flüchtlinge nach Deutschland wie auch schon vor dem Herbst 2015.

Die Asylsuchenden müssen sich nach ihrer Ankunft zunächst bei einer staatlichen Stelle wie einer Grenzbehörde, der Polizei oder dem Bundesamt für Migration und Flüchtlingen (Bamf) melden. Von dort werden sie in eine nächstgelegene Aufnahmeeinrichtung weitergeleitet. Laut dem geltenden Asylgesetz sind die Asylsuchenden dazu verpflichtet, "bis zu sechs Wochen, längstens jedoch bis zu sechs Monaten, in der für ihre Aufnahme zuständigen Aufnahmeeinrichtung zu wohnen." Anschließend entscheiden die Bundesländer über die Verteilung auf die einzelnen Kommunen und die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften, Clearinghäusern, Notunterkünften oder Wohnungen.

Doch auch nach ihrer Anerkennung müssen viele Flüchtlinge in den Not- oder Gemeinschaftsunterkünften bleiben. Heime könnten längst verlassen werden. Doch weil es für Geflüchtete sehr schwierig ist, auf dem Wohnungsmarkt in München einen Mietvertrag zu bekommen, wird eine Übergangslösung zur Dauerlösung. Die Integration in bessere Wohnverhältnisse gestaltet sich also als äußerst schwierig.

Sowon, "Soziales Wohnen online", ist eine Plattform, die bei der Vergabe von gefördertem Wohnraum helfen soll. Wohnungssuchende mit einem gültigen Registrierbescheid für eine geförderte Wohnung haben dort die Möglichkeit, nach Wohnungsangeboten zu suchen. Die Angebote, die den Wohnungssuchenden dort angezeigt werden, entsprechen den Festlegungen der jeweiligen Registrierung. Das bedeutet, dass die Voraussetzungen hinsichtlich Einkommen und Haushaltsgröße erfüllt sein müssen. Für eine sechsköpfige Familie bedeutet das, dass ihr kleinere und häufiger verfügbare Wohnungen nicht angezeigt werden. Die angebotenen Wohnungen sind 14 Tage auf Sowon online. Anschließend wählt das Amt für Wohnen und Migration aus allen Bewerbungen fünf Haushalte mit der höchsten Dringlichkeit aus.

Bis eine Großfamilie aber tatsächlich eine Wohnung bekommt, können Jahre vergehen. Das Amt für Wohnen und Migration empfiehlt daher, auch privat nach Wohnungen zu suchen. Doch selbst, wenn Ehrenamtliche bei der Bewerbung helfen, berichten doch viele von ihnen von ständigen Absagen. Ein Kind, das zur Schule geht und sich nicht nur über sprachliche Hürden hinwegsetzen muss, sondern zu sechst in einem Zimmer einer Notunterkunft wohnt, hat es schwer mit der Integration, wie Ehrenamtliche kritisieren. Es hat keine Möglichkeit, in Ruhe seine Hausaufgaben zu machen, keinen Rückzugsort oder die Chance, seine Freunde zu sich nach Hause einzuladen. Der Entwicklung eines Kindes steht eine solch beengte Wohnsituation im Weg. Integration hat auch mit Wohnen zu tun.

© SZ vom 27.03.2019/frw
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