Süddeutsche Zeitung

Wohnungsmarktbarometer:In München kann niemand dem Anstieg der Mietpreise entkommen

  • München hat für das Wohnungsmarktbarometer im zweiten Quartal 2016 Mietangebote ausgewertet.
  • Die Mietpreise steigen überall, auch im Umland, in den ohnehin teuren Gegenden allerdings weniger stark.
  • Die Mietpreisbremse erweist sich bisher in München und Umland als wirkungslos.

Von Anna Hoben

Drei Haupterkenntnisse liefert das Wohnungsmarktbarometer 2016, das die Stadt am Donnerstag veröffentlicht hat: Vor allem kleinere Wohnungen werden immer teurer. Die günstigeren Wohngegenden holen auf, hier steigen die Mieten stärker als in ohnehin schon teuren Vierteln. Und die Mietpreisbremse ist bisher wirkungslos geblieben.

Für das Wohnungsmarktbarometer hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung Mietangebote für das zweite Quartal 2016 ausgewertet. Es handelt sich dabei um Annoncen im Online-Immobilienmarkt der Süddeutschen Zeitung sowie - in diesem Jahr zum ersten Mal - Anzeigen des Internetportals Immobilienscout24. Möblierte Wohnungen und hotelähnliche, sogenannte "Serviced Apartments" sind aus der Auswertung ausgenommen.

Die größten Preisanstiege gibt es bei Erstbezugsmieten. Für Wohnungen in Neubauten bezahlen Mieter im Durchschnitt 18,91 Euro pro Quadratmeter - ein Anstieg von 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es werden außerdem immer mehr kleinere Wohnungen zum Erstbezug angeboten. Das heißt auch, dass zunehmend kleine und mittlere Wohnungsgrößen gebaut werden. Große Wohnungen, die oft zum Luxussegment zählen, werden laut Planungsreferat weniger häufig umgesetzt.

Bei Wohnungen, die wiedervermietet werden, ist der Anstieg mit 6,3 Prozent etwas geringer; hier liegen die Mieten bei 15,72 Euro. Die Steigerungen betreffen vor allem kleinere Wohnungen mit bis zu 60 Quadratmetern, während die Mieten für größere Wohnungen im Vergleich relativ stabil geblieben sind.

Vor dem Preisanstieg gefeit ist man nirgends in München, die Quadratmetermieten sind in allen Wohnungsmarktgebieten gestiegen; am meisten im Norden der Stadt. Auffällig ist, dass die Mieten in teureren Gegenden weniger stark ansteigen als in günstigeren. Auch im Umland klettern die Mietpreise weiter nach oben, vor allem im S-Bahn-Einzugsbereich.

Ein Ende der Entwicklung ist bisher nicht in Sicht. "Die Mietpreisbremse hat noch nicht zu einer erkennbaren Dämpfung der Mietsteigerungen geführt", heißt es in der Auswertung lapidar. Das im Sommer 2015 eingeführte Bestellerprinzip habe sich jedoch mittlerweile etabliert. Es besagt, dass die Leistung eines Maklers von demjenigen bezahlt werden muss, der sie bestellt. Viele Vermieter versuchen nun offenbar selbst, neue Mieter zu finden.

Linderung kann wohl nur die Stadt selbst bringen, mit ihren Anstrengungen, günstigen Wohnraum zu schaffen. "Die Stadt muss unbedingt weiter an ihrem ehrgeizigen Wohnungsbauprogramm festhalten", sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Am 15. November befasst sich der Stadtrat mit dem Mammutprogramm "Wohnen in München VI".

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Quelle:
SZ vom 04.11.2016/bhi
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