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Wohnungsmarkt München:Mieten steigen weiter

Für den aktuellen Mietspiegel führte die Stadt 41 000 Kurzinterviews mit Münchnern: Durchschnittlich 10,13 Euro pro Quadratmeter müssen Mieter berappen.

10,13 Euro pro Quadratmeter: Der aktuelle Mietspiegel zeigt, dass Wohnen in München immer teurer wird. Das bringt auch Haushalte mit mittlerem Einkommen in Bedrängnis, Wohnungssuchende zahlen jeden Preis - ein Einfallstor für Mietwucher.

Die Preisspirale bei den Mieten dreht sich immer weiter nach oben. Das dokumentiert der aktuelle Mietspiegel für München 2013, den Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) und Sozialreferentin Brigitte Meier jetzt vorstellten. Die Durchschnittsmiete für den Quadratmeter ist seit 2011 um 3,47 Prozent auf 10,13 Euro gestiegen. In diesem Zeitraum haben sich die durchschnittlichen Betriebskosten um rund sieben Prozent auf 1,82 Euro, die Heizkosten um 1,6 Prozent auf 1,26 Euro erhöht. 2007 hatte der Quadratmeter Wohnraum noch 9,30 Euro gekostet.

Der permanente Anstieg der Mieten führe inzwischen dazu, dass auch Haushalte mit mittlerem Einkommen zunehmend in Bedrängnis geraten, sagte Brigitte Meier. Eine gewisse Hilfe sei die Änderung der sogenannten Kappungsgrenze. Statt bisher zwanzig Prozent dürfen die Bestandsmieten in einem Zeitraum von drei Jahren bald nur noch um 15 Prozent erhöht werden. Die Bayerische Staatsregierung muss noch eine entsprechende Verordnung erlassen. Ganz anders sehe dagegen die Situation bei den Neuvermietungen aus.

Stichwort Mietwucher: Bei der angespannten Lage auf dem Markt werde oft jede Summe gezahlt, die verlangt werde. Die Preise lägen dann um bis zu 50 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Dies verstoße eindeutig gegen die Bestimmungen des Wirtschaftsstrafgesetzes. Vermieter könnten sich aber in solchen Fällen vor Gericht mit dem Nachweis entlasten, dass die Miete zur Deckung der laufenden Aufwendungen erforderlich sei - bei den Neuvermietungen kommt die Preisspirale geradezu ins Rotieren.

Man brauche also dringend wasserdichte gesetzliche Regelungen, die solche Auswüchse verhinderten, fordert Meier. Wer den Verdacht hat, viel zu viel für seine Wohnung zu bezahlen, kann seinen Vertrag kostenlos bei der Mieterberatungsstelle im Amt für Wohnen und Migration in der Franziskanerstraße 8 überprüfen lassen (Telefon 233 40200, Fax 233 40442 oder Mail mietberatung.soz@muenchen.de).

Der Mietspiegel ist eine wichtige Orientierungshilfe. Er ist für etwa 500 000 freifinanzierte Wohnungen anwendbar. Er gilt aber nicht zum Beispiel für Wohnungen in einfacher Lage, für Penthousewohnungen oder für Wohnungen im Untergeschoss. Kommt es bei Erhöhungen zum Rechtsstreit, müssen Vermieter auf den Mietspiegel Bezug nehmen. Um die Daten für den aktuellen Mietspiegel zu erheben, hat die Stadt 41 000 Kurzinterviews mit Münchnern geführt, ausführlich wurden dann über 3000 Fragebogen vom Institut TNS Infratest ausgewertet.

Bezahlbarer Wohnraum wichtiger als Energiebilanz des Hauses

Wie vor zwei Jahren wurden auch diesmal Vermieter zur energetischen Situation der Gebäude befragt. Hintergrund sei der politische Wunsch nach einem "ökologischen Mietspiegel" gewesen, hieß es dazu. Doch der Rücklauf bei den Fragebögen war nicht so, wie man sich das erhofft hatte. Das Ziel von 1500 Interviews ist nicht erreicht worden, da nur für 1093 Wohnungen die Fragebögen zurückgesandt wurden. Das zeigt für Christine Strobl, dass in erster Linie bezahlbarer Wohnraum eine Rolle spielt, die Energiebilanz eines Hauses ist offensichtlich für viele von eher untergeordneter Bedeutung.

Auch die Wertung von Wohnlagen ist jetzt im Mietspiegel aktualisiert. Bei der Überarbeitung der Karten werden Anregungen aus der Bevölkerung und Veränderungen wie Neubaugebiete, geprüft und kategorisiert: einfache, durchschnittliche, gute und beste Lage. 71 Wohnlagen wurden unter die Lupe genommen, 51 davon auf den neuen Stand gebracht.

Arbeiten kann man mit dem Mietspiegel erst, wenn der Stadtrat ihn beschlossen hat. Debatte und Abstimmung sollen am 7. März sein. Dass Christine Strobl und Brigitte Meier schon vorgeprescht sind, erbost Marian Offman von der CSU: "Ein absurder Vorgang, denn es können ja noch Änderungen erfolgen."