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Wohnen in München:Dipl.-Ing. su. ruh. 2-Zi.-Whg. in M

Wohnungssuche: Im Buchstaben-Dschungel den Durchblick behalten

Vermieter kürzen zwar selbst gern ab, wünschen sich aber ausführliche Bewerbungen.

(Foto: Jens Schierenbeck/dpa)

Wer so verkürzelt nach einer neuen Bleibe sucht, hat bei Vermietern keine Chance. Lieber gleich ausführlich vorstellen, gern auch mit Bewerbungsbild.

Wer das große Glück hat, in München eine oder mehrere Wohnungen zu besitzen, braucht darüber nicht allzu große Worte zu verlieren. Abkürzungen tun es auch, das spart eine Menge Zeit und Geld. Für einen Text wie 2 ZKB, 40m², Sout. o. Blk., 2100 €+NK, nur NR, WE-Heimf., k. HT., braucht kein Wohnungssuchender eine Dechiffrier-Software, wahrscheinlich nicht mal Menschen, die gerade erst angefangen haben Deutsch zu lernen. Lediglich die E-Mail-Adressen der Vermieter wie ruach@ausgschamt.com oder Heuschrecke@wucher.info und natürlich auch wertschöpfende Vokabeln wie "Bestlage", "Juwel" oder "exklusiv" werden traditionell ausgeschrieben - nicht, dass es da zu Missverständnissen kommt.

Umgekehrt würde kein Vermieter je auf eine verkürzelte Suchanzeige antworten. Was soll man schon mit Dipl.-Ing. su. ruh. 2-Zi.-Whg. in M bis 1200 € inkl. NK. anfangen? Hat man als Immobilienbesitzer vielleicht Zeit zum Rätseln? Und das mit den 1200 Euro kann ohnehin nur ein Tippfehler sein. Wer gibt schon seine wertvollen Räume für so wenig Geld her? An Schlamper wird schon mal nicht vermietet. Überhaupt: Wie soll jemand, der sich nicht mal eine anständig formulierte Anzeige leisten kann, die Miete bezahlen? Am Ende ist dieser Dipling Suruh aus der Anzeige - was ist das überhaupt für ein Name? - nichts als ein böser Mietnomade.

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Damit soll die tatsächliche Durchschnittsmiete in München ermittelt werden. Rechtsverbindlich werden die Daten jedoch nicht sein.

Zum Glück gibt es auch Menschen, die die Nöte der Vermieter erkannt haben und sich gleich ordentlich vorstellen. Dazu gehört heutzutage natürlich die exakte Angabe des Nettoeinkommens und der Lebensgewohnheiten, ausgeschrieben versteht sich. "Leitender Angestellter mit 70 000 Euro Nettoverdienst pro Jahr, Nichtraucher, Nichttrinker, Nichtgriller, Leisetreter, keine Haustiere, keine Instrumente - keine Freunde -, sucht bescheidene Bleibe bis 2500 Euro Warmmiete", liest sich schon mal nicht schlecht.

Küchenpsychologisch Versierte setzen auf Schmeichelei und schreiben dann noch rein, dass sie einen "Vermieter mit Herz" suchen, was genau sie arbeiten (zumindest dann, wenn der Job krisensicher oder eine Beamtenstelle ist) und stellen gleich ein Foto von sich dazu. Da sieht man als Eigentümer dankenswerterweise sofort, ob der oder die Suchende ein parkettschonendes Leichtgewicht ist oder das Gegenteil, was aus Sorge um die Bausubstanz dann eher nicht so gern genommen wird.

Moderne Wohnungssuche verläuft eben transparent, da versucht es jeder auf seine Weise. Da ist das adrette Lehrerehepaar, das im Landhauslook posiert, der gewinnend strahlende Jungdynamiker, die Familie, die ihr Kind mit ins Bild hält. Letzteres bringt freilich nur Vorteile, wenn Söhnchen oder Töchterchen mindestens schon das Grundschulalter erreicht haben. Baby-Geschrei will schließlich niemand im Haus. Das, ganz ehrlich, kommt einem ordentlichen Münchner Vermieter nicht in die Tüte. Da kann man ja gleich, igitt, an jemanden mit Hund vermieten.

© SZ vom 29.05.2019/axi
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