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Wohnen im Herzogpark:Die teuerste Villa Münchens

Ehemaliges Wohnhaus von Thomas Mann in München, 2012

Der Investmentbanker Alexander Dibelius ließ die Fassade nach alten Plänen rekonstruieren. Nun hat er sich von dem Gebäude getrennt.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Thomas-Mann-Villa im Herzogpark ist eines der interessantesten Wohnobjekte der Stadt, nun wurde sie verkauft.
  • Der Preis soll bei mehr als 30 Millionen Euro gelegen haben.
  • Gerüchte ranken sich auch um den Käufer: Angeblich hat ein Unternehmer aus Brandenburg das 1200 Quadratmeter große Haus gekauft.

Sie ist eines der ungewöhnlichsten und historisch interessantesten Wohnobjekte der Stadt: die sogenannte Thomas-Mann-Villa im vornehmen Stadtteil Herzogpark. Nun hat dieses spektakuläre Haus den Besitzer gewechselt. Die Vermutungen, die in Immobilienkreisen zirkulieren, ranken sich um einen Preis von mehr als 30 Millionen Euro. Das ist eine Preisdimension, die selbst im teuren München für ein Wohngebäude dieser Art noch nie erreicht worden ist.

Spekuliert wird auch über den Käufer: ein russischer Oligarch, der angeblich den Prachtbau komplett umgestalten will, weil seiner Frau der nüchterne Stil missfalle. Das sei Quatsch, sagen dagegen Insider aus München. Gekauft habe wohl ein deutscher Unternehmer aus Brandenburg. Bisheriger Eigentümer war der Investmentbanker Alexander Dibelius.

Der reine Luxus

Von so einem Haus kann man jedenfalls nur träumen. Eine Wohnfläche von 1200 Quadratmetern auf sechs Ebenen, das Untergeschoss mit einer großzügigen Bade- und Fitnessanlage, die direkten Zugang zum kleinen Park hat. Durch ein gläsernes Deckenelement blickt man vom Pool ins riesige Wohnzimmer und umgekehrt. In der Tiefgarage ist Platz für sechs Autos. All das ist der reine Luxus, aber ganz besonders wird diese Immobilie durch ihre Erscheinung nach außen.

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An der Thomas-Mann-Allee Nummer 10 fand nämlich 2006 eine Art Wiederauferstehung der Villa des berühmten Dichters Thomas Mann statt. Er lebte hier mit seiner Familie von 1914 bis 1933, bis die Nazis das Haus beschlagnahmten. Im Krieg wurde es durch Bomben zerstört. Aber selbst in der Ruine fanden kurz nach dem Krieg noch russische und ukrainische Kriegsvertriebene ein sehr bescheidenes Domizil. In den Fünfzigerjahren kam das endgültige Aus für das Anwesen. Die baulichen Überreste wurden beseitigt, die Manns trennten sich von dem Grundstück. Über viele Jahrzehnte stand dann ein eher bescheidenes Wohnhaus auf dem Areal.

Rekonstruiert nach Originalplänen von 1913

Der Finanzfachmann Alexander Dibelius, damals Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, erwarb das Prestige-Grundstück und ließ das Äußere seines neuen Eigenheims nach den Originalplänen von 1913 rekonstruieren. Die Investition soll bei ungefähr zehn Millionen Euro gelegen haben. Thomas Dibelius, Cousin des Bauherrn, ist der Architekt des Neubaus. Das Haus besitze eine hochwertige architektonische und bauliche Qualität, sagt Detlev von Wangenheim, der nur Immobilien der oberen Preisklassen vermittelt, aber nichts mit dem aktuellen Deal zu tun hat. Noch nie sei in München so viel Geld für eine Villa erzielt worden wie jetzt: "Herr Dibelius ist bekannt dafür, dass er keine schlechten Geschäfte macht."

Alexander Dibelius wurde 1959 in München als Sohn des Musikwissenschaftlers Ulrich Dibelius geboren. Er studierte Medizin und arbeitete als Chirurg, bevor er seine Karriere in der Wirtschaft begann. Er ist nach wie vor als Investmentbanker tätig.

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In die Schlagzeilen kam die Thomas-Mann-Villa, als es im vergangenen Sommer vor Gericht um einen Nachbarschaftsstreit ging. Der Hausherr soll gegen Auflagen verstoßen haben, die das angrenzende Grundstück vor Beeinträchtigungen schützen sollen. Aber auch ein Scheidungskrieg und seine Beziehung zu der Schauspielerin Laila Maria Witt brachten den stets diskret agierenden Dibelius in die Klatschspalten.