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Wohnen:Günstige Mietpreise in München - geht doch

Wohnen für Alle, Wohnungsbesichtigung mit der SPD

Die GWG hat am Frankfurter Ring gebaut.

(Foto: Florian Peljak)
  • Mit dem Programm "Wohnen für alle" will die Stadt insgesamt 3000 preisgünstige Wohnungen schaffen.
  • An manchen Standorten sind bereits Wohnungen bezogen, allerdings fehlen Investoren und Grundstücke für weitere Projekte.
  • 2017 gingen in München 30 000 Anträge auf eine Sozialwohnung ein - nur 3000 konnten vergeben werden.

Von Anna Hoben

Alex ist ein lebhaftes Kind, "er hat sehr viel Energie", sagt seine Mutter Alina Alexa. Ihr Sohn, in ein paar Monaten wird er vier Jahre alt, läuft vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer. Er will nämlich etwas zeigen: sein Bett, das aussieht wie ein Rennauto und auf das er mächtig stolz ist. Seine Mutter, die Alex allein großzieht, ist indes einfach glücklich, dass sie nun eine Wohnung hat. Mit zwei Zimmern, einem Bad, sogar einem Balkon. Ein gutes Jahr wohnt sie nun hier, in einem Haus direkt gegenüber dem O2-Tower in Moosach. "Wohnen für alle", so nennt sich das, was hier entstanden ist, im Zuge eines Schnellbauprogramms der Stadt.

Alina Alexa hat ihr Zuhause gemütlich eingerichtet, die Wände in Pastelltönen gestrichen. Die 41-Jährige stammt aus Rumänien, hat als Pflegerin und Putzkraft gearbeitet. Gerade wartet sie auf die Ergebnisse ihrer Deutschprüfung, sie will endlich die Sprache richtig lernen. Und wenn Alex bald in den Kindergarten geht, will sie sich wieder um einen Job kümmern.

Insgesamt 3000 preisgünstige Wohnungen bis zum Jahr 2020, das war der Plan, als der Stadtrat im Frühjahr 2016 das Programm "Wohnen für alle" beschloss. Mehr als 9000 Menschen in München haben keine eigene Bleibe, anerkannte Flüchtlinge stecken in Heimen fest, weil sie auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben. 30 000 Anträge auf eine Sozialwohnung gingen 2017 beim Wohnungsamt ein, jeder dritte hat höchste Dringlichkeit. Vergeben konnte die Stadt jedoch nur 3000.

"Wohnen für alle" sollte schnell und effektiv zur Linderung der Wohnungsnot beitragen. Das Pilotprojekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag, die Parkplatzüberbauung auf Stelzen am Dantebad in Moosach, sorgte denn auch für Staunen - weil gerade mal ein Jahr verging von der ersten Idee bis zur Eröffnung. Mittlerweile sind knapp 800 Wohnungen bezogen, fast alle von den beiden städtischen Wohnungsbaugesellschaften realisiert.

Eigentlich wollte die Stadt für die Hälfte der geplanten Apartments private Investoren gewinnen. Doch die sind nicht leicht dafür zu begeistern, ausschließlich Sozialwohnungen zu bauen. Zu hoch sind die Grundstückspreise in München, zu niedrig wären die Renditen. Und so hat sich bisher nur ein einziger Investor bereit erklärt: das Immobilienunternehmen RMCB, mit eben jenem Projekt in Moosach, Gärtnerstraße, neben dem O2-Tower. Direkt nebenan hat die Firma bereits ein Boarding-Haus, das Grundstück für "Wohnen für alle" hat der Investor in Erbpacht von der Stadt übernommen.

Das Projekt sei ihrem Vater "ans Herz gegangen", erzählt Kaja Bruss, die Tochter des Investors Rudolf Muhr. Gerne würde er nun mit einem ähnlichen Projekt in München anknüpfen und weitere Sozialwohnungen bauen, sagt Bruss. Es sei ihm ein Anliegen, seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen und als Unternehmer soziales Engagement zu zeigen - allein, es fehle ein Grundstück.

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