Wohnen an der Autobahn Ein Platz für alle

Dass Münchens Wohnungsnot nicht mit Satteldach-Einfamilienhäusern beseitigt werden kann, liegt auf der Hand. Wo sonst als auf Brachflächen wie an der Eggenfeldener Straße lassen sich in der Stadt noch Apartments in nennenswerter Anzahl hochziehen, ohne gleich Initiativen auf den Plan zu rufen?

Von Thomas Kronewiter

Wäre man ein junger, aufstrebender Architekt, Stadtplaner oder Projektentwickler - um diese Aufgabe würde man sich reißen. Bauen auf einer grünen Wiese, direkt neben einer gut ausgelasteten Autobahn, auf der einen Seite die gewerblich strukturierte Nachbarschaft, auf der anderen Seite Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Kleingärten, im Boden dringender Bomben- und Altlastenverdacht: Wer solche Rahmenbedingungen konzeptionell und in der Umsetzung meistert, empfiehlt sich für höhere Aufgaben.

An der Eggenfeldener Straße wartet eine solch anspruchsvolle Aufgabe auf die richtige Lösung. Insofern drängt sich auch der Gedanke auf, die Herausforderungen mit Hilfe eines Wettbewerbs der besten Ideen zu lösen. Gleiches gilt für die zugrunde liegende Überlegung, ein bislang als Gewerbeareal vorgesehenes Grundstück dem Wohnungsbau zuzuschlagen. Denn wo sonst als auf derartigen Brachflächen lassen sich - mit Anschluss an die bestehende Wohnbebauung - Apartments in nennenswerter Anzahl in der Stadt noch hochziehen, ohne gleich Initiativen auf den Plan zu rufen? In Perlach haben Bewohner das Konzept, Wohnkomplexe aufzustocken, juristisch angegriffen. In Trudering ist die Bebauung der Unnützwiese an den Realitäten des Planungsrechtes gescheitert. An der Eggenfeldener Straße muss es klappen - wenn nicht dort, wo sonst?

Denn die Nachbarn könnten sich nicht wirklich beklagen, wenn sie statt auf Gewerbebauten und den Lieferverkehr künftig auf mehrgeschossige Wohnhäuser blicken. Wenn sich ein architektonisch überzeugendes Konzept findet, welches das geplante Hochhaus genauso stimmig integriert wie den Lärmschutz, welches die Nachbarn schützt und die neuen Bewohner nicht benachteiligt, können alle profitieren.

Dass Münchens Wohnungsnot nicht mit Satteldach-Einfamilienhäusern beseitigt werden kann, liegt auf der Hand. In Zeiten, in denen selbst für Reihenhäuser am Stadtrand mit einer Million Euro aufgerufen werden, wie jüngst bei einem Bürger-Workshop geschildert, besteht die Hoffnung, dass im Quartier zwischen Autobahn und Eggenfeldener Straße auch ein paar der nicht so Betuchten unterkommen. Vielleicht sogar in Wohnungen mit pfiffigen, den Lärm aussperrenden Grundrissen.