Wissenschaft Zwei neue Spinnenarten in München entdeckt

Die auffällige Kräuseljagdspinne (Zoropsis spinimana) ist nun auch in München heimisch.

(Foto: Jörg Spelda, ZSM/oh)
  • In München wurden zwei Spinnenarten aus dem Mittelmeerraum entdeckt.
  • Die Tiere kommen als "blinde Passagiere" in Autos und Zügen in die Landeshauptstadt.
  • Die Spinnen sind zwar giftig, ihr Biss ist aber harmlos.
Von Thomas Jordan

"Lassen sie sie einfach leben, freuen sie sich an ihr" empfiehlt Jörg Spelda von der Zoologischen Staatssammlung München. Der Forscher spricht dabei nicht etwa von süßen Katzenbabys oder knuffigen Hundewelpen. Zwei neue Spinnenarten sind aus dem mediterranen Raum nach München gekommen. Nicht bei allen Münchnern wird der tierische Neuzugang auf ungeteilte Freude stoßen.

Eine der beiden neuen achtbeinigen, städtischen Mitbewohnerinnen treibt sich mit Vorliebe an Häuserwänden und in Kellerschächten herum und hört auf den schönen lateinischen Namen "Zoropsis spinimana", zu Deutsch die Kräuseljagdspinne. Mithilfe einer DNA-Untersuchung ist es Spelda gelungen, die Art zweifelsfrei zu bestimmen.

Ursprünglich kommt die "Zoropsis spinimana" im Mittelmeerraum vor, in Deutschland war sie bis vor wenigen Jahren nicht zu finden. Nimmt man Körper und Beine zusammen, kann sie bis zu fünf Zentimeter groß werden. Seit Anfang der 2000er Jahre stoßen die haarigen Gliederfüßer auch in nördlichere Gegenden vor. Um nach München zu kommen, nutzen sie geschickt das europäische Verkehrsnetz: Als "blinde Passagiere" in Zug und Auto treten sie ihren Weg nach Norden an.

"Eine Münchner Spinnenliebhaberin brachte uns im Oktober 2014 die erste Kräuseljagdspinne vorbei", sagt Jörg Spelda, der in der Zoologischen Staatssammlung den Gencode der langbeinigen Gliederfüßer untersucht. Der Grund für die Ausbreitung der mediterranen Spinnenart muss nicht unbedingt im Klimawandel und den gestiegenen Temperaturen liegen. Zwar hätten die Tiere in Deutschland wegen der Kälte keine Chance zu überleben, sagt Spelda. Diejenigen, die es bis nach München schaffen, haben aber gelernt, sich besonders gut an die menschlichen Lebensbedingungen anzupassen und die vielen versteckten Schlupflöcher an den wärmenden Häuserwänden zu finden.

Wer eine Kräuseljagdspinne auf sich zukriechen sieht, braucht sich trotzdem keine großen Sorgen zu machen. Die Spinne ist zwar giftig, beißt aber nicht. Etwas aggressiver ist da schon ihre kleine Schwester, die Dornenfingerspinne, die ebenfalls in den letzten Jahren aus der Mittelmeerregion zugewandert ist. Sie hat den Überraschungseffekt auf ihrer Seite: Mit nur einem Zentimeter Körpergröße bemerken die meisten Menschen sie erst, wenn sie bereits auf Jacke oder Hemdsärmel herumkrabbelt. Ihr Biss ist vergleichbar mit dem einer Biene oder einer Wespe. Solange danach keine Allergien aufträten, bestehe aber auch hier kein Grund, zum Arzt zu gehen, sagt der Fachmann Jörg Spelda.

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