Wirtshaus Fraunhofer Im Irrwitz überlebt

Das Frauenhofer wäre fast ein Wienerwald geworden.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Das Fraunhofer feiert 40-jähriges Bestehen - obwohl eigentlich im Jahr 1975 ein Wienerwald den Zuschlag bekommen sollte.
  • Im Theater wurde in den vergangenen vier Jahrzehnten Kabarettgeschichte geschrieben.
  • Bis heute sind Neuerungen an der Tagesordnung - dazu gehören auch die vielen vegetarischen Gerichte auf der Speisekarte.
Von Franz Kotteder

Schaut man sich die Speisekarte an, dann wundert man sich fast, dass die Preise in Euro angegeben sind und nicht in D-Mark. Denn eigentlich hat sich da wenig verändert, optisch und von den Gerichten her, seit den Achtzigerjahren, als man erstmals hier gewesen ist, als junger Mensch. Freilich: Die vegetarischen Gerichte sind mehr geworden. Allein das ist schon extrem ungewöhnlich für eine urbayerische Wirtschaft. Normalerweise kann sich da der Vegetarismus gerade mal zwischen Rahmschwammerl und Kässpatzen austoben, mehr Entgegenkommen gibt es nicht. Außer halt im Fraunhofer. Dessen Wirt noch dazu eigentlich gelernter Metzger ist, wie schon sein Vater.

Das ist aber auch ganz typisch für dieses wunderschöne Wirtshaus in der Fraunhoferstraße: die selbstverständliche Verbindung von überlieferter Tradition und Moderne, ja Avantgarde, ohne je irgendein großes Gewese darum zu machen. Seit 40 Jahren ist das schon so, eigentlich sogar ein bisschen länger. Denn bereits 1974 kamen Beppi Bachmaier, Uwe Kleinschmidt und Werner Winkler aus dem damaligen Musikalischen Unterholz in der Hackenstraße hinüber an die Grenze des Gärtnerplatz- und Glockenbachviertels, um die seit 1775 bestehende Wirtschaft zu übernehmen.

Impressionen aus dem Fraunhofer

Anlaufstelle für Gäste aller Couleur

Die Brauerei wollte eigentlich einen Wienerwald drinhaben. Vielleicht war damals Profit noch nicht alles, jedenfalls ließ sie sich dazu überreden, das Wirtshaus an drei langhaarige Burschen zu verpachten, die dort eine Kabarettbühne aufziehen wollten. Die wurde ein Jahr später auch tatsächlich eröffnet, und deshalb wird nun von Donnerstag an das 40-jährige Bestehen des Fraunhofer-Wirtshauses samt Theater gefeiert, obwohl man streng genommen heuer sogar dessen 240. Geburtstag begehen könnte.

Das Fraunhofer steht in jedem Reiseführer

In der Gaststätte merkt man davon wenig, wenn man sie am frühen Abend betritt. Noch sitzen kaum Gäste an den Tischen. Dafür sieht es, wenigstens in einer Hinsicht, ein bisschen aus wie bei Schumann's: weil fast auf jedem Tisch ein Reserviert-Schildchen steht. Das ist inzwischen selbst an einem Montagabend notwendig geworden. Ab halb acht, acht kommen sie dann, oft gleich gruppenweise. Auch viele Touristen sind inzwischen darunter, das Fraunhofer steht ja in jedem Reiseführer als grundauthentisches, bayerisches Wirtshaus.

Ist ja auch klar. Vieles ist hier so geblieben, wie es wohl schon vor 100 Jahren war: die Holzvertäfelung, das Münchner Kindl mit den Keferlohern über der Schänke, und das Schild mit der Aufschrift in schrägem Deutsch: "Es wird gebeten, jeder selbst auf seine Garderobe zu achten. Der Wirt." Die Durchreiche vor der Küche ist ein wahrer Hochaltar der Verehrung von Schweinshaxn, Leberknödln und inzwischen auch von gebratenen Auberginen mit Reis und Tomatensoße.

Manches vom altem Charme hat Beppi Bachmaier erhalten. Er ist hier seit 1975 der Wirt und Chef der angeschlossenen Kleinkunstbühne.

(Foto: Stephan Rumpf)

Am Zapfhahn steht mit verschränkten Armen der Schankkellner Hans und schaut dank seines Schnauzbarts so grimmig in die Runde, als ob das ganze Treiben im Gastraum Anlass für großen Grant sein müsste - bis man ihn dann beim Lachen ertappt. Im Kontrast dazu Harald, der Kellner, der einen auch im größten Trubel nicht vergisst und gute Laune massweise versprüht.

Mit dem Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn

Dies ist freilich nur ein Teil des Reichs, über das der Wirt Beppi Bachmaier seit 40 Jahren gebietet. Er ist übrig geblieben von dem Trio. Uwe Kleinschmidt ist längst gestorben, er war der quirlige Fantast mit den ausufernden Ideen. Der dritte, Werner Winkler, wollte mehr Varieté haben und macht bis heute die Drehleier in Haidhausen. Bachmaier aber blieb im Fraunhofer. An diesem Abend trifft man ihn im Hinterhaus, dort, wo das Theater ist und die Theaterkneipe Kulisse. Man muss dazu durch einen leicht unaufgeräumten Innenhof. Rechts geht es hinunter ins Werkstattkino, in dem seit 40 Jahren vieles läuft, was nichts mit Mainstream zu tun hat oder - grad mit Fleiß! - vor langer, langer Zeit mal schlechter Mainstream gewesen ist.

Beppi Bachmaier hat derzeit einen kleinen Teil der Kulisse abtrennen lassen, "da ist jetzt unser Wiesnbüro drin". Auch in diesem Jahr hat er wieder den Zuschlag bekommen für sein Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn. In der Kulisse wird jetzt das Programm gemacht, werden die Reservierungen aufgenommen und die Einsatzpläne geschrieben. "Im Sommer ist im Theater weniger los", sagt Beppi, "da geht das. Außerdem war das früher schon mal ein Büro. Da hat sich der Uwe um die Buchhaltung gekümmert." Dann lacht er, denn Uwe war kein Liebhaber dieser Materie.