Dass der neue Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) nun wieder so richtig in München angekommen ist, sieht man am Countdown, der am Ende seiner Slideshow über die Wirtschaftskraft der bayerischen Landeshauptstadt aufleuchtet: „Oktoberfest 2025, 107 Tage, 18 Stunden, 35 Minuten, 18 Sekunden“ sind es am Donnerstagabend, als der Ex-Oberbürgermeister von Ingolstadt in trauter Runde mit der Vereinigung der Münchner Wiesnwirte im Platzl Hotel Zahlen auf den Tisch legt.
Bei der Veranstaltung soll es um die Wirtschaftsmacht der Wiesnwirte gehen – und hierbei ist keineswegs gemeint, dass die Öffentlichkeit nun endlich erfahren soll, wie viel die 14 Wirte in 16 Tagen in ihren 14 Zelten verdienen. Nein, diese Summen werden weiterhin als bestgehütetes Geheimnis in die Münchner Stadtgeschichte eingehen.
Diese offiziellen Zahlen haben aber auch bleibenden Wert: Dass der Wirtschaftswert des Oktoberfest 2024 laut Referent Scharpf 1,48 Milliarden Euro betrage, davon auf das Gastgewerbe 546 Millionen Euro entfallen, auf Dienstleistungen 130 Millionen und auf den Einzelhandel 178 Millionen Euro. „Eine gewaltige Summe, München steht sehr resilient in diesen Zeiten da“, so Scharpf.
Auch die Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel, rücken mit Zahlen heraus, die eher für den Gute-Laune-Faktor sorgen sollen. Anfangs witzelt Inselkammer denn auch, dass sich die neue Regierung ja das Wirtschaftswachstum auf die Fahnen geschrieben habe. „Wir haben gerade eine Preiserhöhung um drei bis vier Prozent gemacht, das ist unser Beitrag dazu.“ Um dann aber nüchtern darzustellen, welche Bedeutung die Betriebe der Gastronomen für die Stadt über das ganze Jahr hinweg haben – wenn keine Wiesn ist.
So verfügten die Wirte über insgesamt 100 000 Plätze auf der Theresienwiese, mehr als die Allianz-Arena mit 75 000 Plätzen. „Genauso viele Gäste versorgen wir 14 Gastronomen aber auch im Rest des Jahres mit unseren über 100 Betrieben, vom Biergarten bis zum Sterne-Lokal, von der Metzgerei bis zum VIP-Catering“, sagt Inselkammer. Gerade hat die Vereinigung der Münchner Wiesnwirte sondiert, wie sie dasteht in der Stadt als Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber.
In den insgesamt 100 Unternehmen arbeiten demnach insgesamt rund 8500 Menschen. „Mehr also als im BMW-Werk München mit 7800 Mitarbeitern und nur etwas weniger als bei Siemens mit 8700 Mitarbeitern“, sagt der Wirtesprecher. 50 Millionen Euro hätten die Gastronomen und Gastronominnen im vergangenen Jahr in ihre Betriebe investiert – als „wichtiger Wirtschaftsmotor“. Schottenhamel ergänzt: „Wir haben ein sehr hohes Lohnniveau, deutlich über dem Mindestlohn. 70 Prozent unserer Bedienungen kommen aus München.“
Und wie soll das alles weitergehen oder weiterwachsen? Scharpf, seines Amtes Wiesnchef, sieht Grenzen für das Oktoberfest: „Immer mehr, immer höher, immer weiter ist nicht unser Fokus. Bei acht Millionen Besuchern würde es ungemütlich.“ Nach der Rekordwiesn 2023 mit 7,2 Millionen Gästen kamen im vergangenen Jahr rund 6,7 Millionen Menschen. Nach Angaben des Referats für Arbeit und Wirtschaft lässt ein Wiesngast rund 90 Euro auf dem Oktoberfest.
Das Wichtigste zum Schluss: Die Wiesn startet heuer am 20. September und dauert bis zum 5. Oktober. Die Maß kostet zwischen 14,50 und 15,80 Euro.

