Wirtschaft Münchner Traditionsunternehmen Roeckl ist insolvent

Seit 1839 produziert die Münchner Firma Roeckl hochwertige Handschuhe.

(Foto: Roeckl)
  • Die Firma Roeckl hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.
  • An sieben Standorten sollen kurzfristig Filialen schließen, 45 von 200 Mitarbeitern müssen gehen.
  • Die Münchner Geschäfte am Marienplatz, in der Sendlinger Straße und in der Maffeistraße sollen bleiben.
Von Pia Ratzesberger

Wenn Jaqueline Kennedy sich Handschuhe überzog, musste das nicht bedeuten, dass sie fror. Die Präsidentengattin schmückte sich mit dem Stoff an ihren Fingern, gerne weißem, und ihr taten es im 20. Jahrhundert viele große Frauen gleich. Selbst die österreichische Kaiserin Sisi trug im 19. Jahrhundert schon Handschuh, von der Firma Roeckl aus München wohlgemerkt, gegründet 1839.

Doch auch wenn sich Geschäftsführerin Annette Roeckl diese Zeiten wohl sehnlichst zurück wünscht, im 21. Jahrhundert gelten Handschuhe schon lange nicht mehr als feines Accessoire, und das ist eines der vielen Probleme. Roeckl Handschuhe & Accessoires GmbH, die Münchner Traditionsfirma in sechster Generation, hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.

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Teure Lederhandschuhe verkaufen sich nicht mehr genügend, auch wenn Annette Roeckl ohnehin versuchte, von ihnen wegzukommen. Es falle ihr schwer, sich von Mitarbeitern und Standorten zu trennen, sagt die Geschäftsführerin, 50 Jahre alt.

Aber sie wisse auch, es sei der richtige Weg. An sieben Standorten werden Filialen schließen, "kurzfristig in den kommenden Tagen", wie eine Sprecherin sagt, in Aachen und Bremen, in Düsseldorf und Karlsruhe, in Mannheim, Nürnberg und Wiesbaden. Etwa 45 von 200 Mitarbeitern werden gehen müssen, die Münchner Geschäfte am Marienplatz, in der Sendlinger Straße und in der Maffeistraße aber bleiben. In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen immer wieder Verlust gemacht, zuletzt 289 000 Euro, im Jahr zuvor sogar 1,9 Millionen Euro.

Auch der Umsatz ging zurück, 17,9 Millionen Euro waren es zuletzt, das entsprach einem Rückgang von mehr als sechs Prozent. Man rechne auch für das Geschäftsjahr 2016/2017 mit "schwierigen Bedingungen" und "einem kleinen Verlust", hieß es damals. Russland zum Beispiel ist für Roeckl wichtig, so ein schöner kalter Markt, sagte Annette Roeckl einmal, wo Leute gerne ihren Luxus zeigten. Russland aber ist auch ein schwieriger Markt, der Sanktionen unterliegt.

Die Geschäftsführerin hat viel versucht, in Werbespots sieht man zuerst Seidentücher und Taschen, erst später einen Handschuh, und auch der ist keiner für den Winter, sondern mit Löchern gestanzt. Annette Roeckl setzte nicht mehr nur auf Handschuhe, sondern vor allem auch auf Accessoires. Als sie vor vierzehn Jahren die Firma von ihrem Vater übernahm, sie war 36 Jahre alt, spaltete er die Firma. Die Tochter verantwortete die Sparte der Mode, der Sohn Stefan das Geschäft mit den Sporthandschuhen.

Roeckl verkauft feine Lederhandschuhe, die in Zeiten von Billigkonkurrenz wie H&M aber offenbar nicht mehr so gefragt sind.

(Foto: Robert Haas)

Der Vater, mit Namen ebenfalls Stefan Roeckl, hatte das angekündigt: Wenn mehr als eines seiner Kinder in die Firma will, wird er sie aufteilen, jeder soll eigenverantwortlicher Unternehmer sein. Für Annette Roeckl war diese Spaltung wohl nicht nur zuträglich, Sporthandschuhe nämlich verkaufen sich im Gegensatz zu gängigen Handschuhen das gesamte Jahr.

"Sie können das Wetter an unserer Umsatzkurve ablesen", sagte sie einmal. Wobei wohl nicht nur das Wetter Schuld an den Verlusten hat und nicht nur die Mode. Sondern wohl auch Unternehmen wie H & M oder Inditex, bei denen Handschuhe für fünf oder sechs Euro in den Regalen liegen, wenn auch nicht aus Leder. Bei Roeckl kostet ein Paar Handschuhe auch mehr als 250 Euro, andere Modelle beginnen bei etwa 60 Euro.

Mittlerweile fertigt Roeckl seine Waren in Rumänien, alles begann aber in der Kaufingerstraße. Dort eröffnete der Handschuhmachermeister Jakob Roeckl im Jahr 1839 seinen ersten Laden und seine Werkstatt, später kamen noch eine Gerberei und eine Färberei hinzu. Sohn Christian, der die Geschäfte mehr als 25 Jahre später übernahm, zog am damals noch südlichen Stadtrand von München eine Fabrik hoch, heute der Roecklplatz.

Nur ein paar Schritte weiter, in der Isartalstraße 49, hat die Roeckl Handschuhe und Accessoires GmbH heute ihren Sitz, von hier aus wird Annette Roeckl versuchen, wieder Gewinn zu machen. Vor gerade einmal drei Jahren, da sagte sie, jede ihrer Entscheidungen solle so ausfallen, dass die Firma noch einmal genauso lange bestehen könne, wie es sie schon gebe. Das sind jetzt 177 Jahre.

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