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Wirtschaft in München:"Lauche & Maas" ist insolvent

Feldbetten, Rucksäcke, Schuhe, Jacken: Der "Outlet-Bereich" ist im wesentlichen aus Holzlatten und Kunststoffplatten zusammengezimmert.

(Foto: Catherina Hess)
  • Seit 40 Jahren ist das "Lauche und Maas" eine Institution in der Outdoor-Branche.
  • Nun ist das Münchner Unternehmen insolvent. Die Gründer haben den Anschluss an den Online-Handel verpasst.
  • Der Insolvenzverwalter ist optimistisch, dass er das Unternehmen retten kann - ob als reiner Online-Handel oder mit Ladengeschäft, ist noch unklar.

Als Wolfgang Maas ganz hinten angekommen ist, steht er zwischen zwei Feldbetten und einem Sammelsurium von Rucksäcken, Wanderschuhen und sonstigem Outdoorbedarf, alles im Sonderangebot. "Das ist der Outlet-Bereich", sagt Maas über diesen Anbau, der im wesentlichen aus Holzlatten und Kunststoffplatten zusammengezimmert ist.

Umzugskartons stehen auch da, einer halb voll mit Gaskartuschen für Campingkocher und bedruckt mit dem Namen eines Unternehmens für "Insolvenzassistenz". Die Kiste komme aus der Filiale in Ulm, erklärt Maas, der Laden werde gerade aufgelöst. Maas, 66, war bis vor kurzem Chef, hier und in Ulm, zusammen mit dem im Februar verstorbenen Gerhard Lauche. Doch das ist vorbei.

"Lauche & Maas", seit 40 Jahren eine Institution für Outdoor- und Expeditionsartikel, hat Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht hat Max Liebig von der Kanzlei Jaffé zum Insolvenzverwalter bestellt. Der betont, dass der Geschäftsbetrieb weiterlaufe und dass die Gehälter der 31 Mitarbeiter bis Ende April gesichert seien. "Bis dahin wollen wir auch Gewissheit haben, ob es einen Investor gibt, der bereit ist, den Geschäftsbetrieb dauerhaft fortzuführen", erklärt Liebig.

Gerhard Lauche und Wolfgang Maas waren Pioniere im Jahr 1978. "Das Wort Outdoor existierte noch gar nicht", erzählt Maas. Sportgeschäfte habe es damals gegeben, "aber nichts für Leute, die wegfahren". Sie eröffneten das Geschäft da, wo es heute noch seinen Sitz hat: in der Alten Allee in Obermenzing. Der Eingang sieht immer noch aus, als würde man einen größeren Kiosk betreten.

Doch drinnen geht es unter einer niedrigen holzvertäfelten Decke von einem Raum zum anderen, rechts in der Nische Schuhe, links Kochutensilien, dann Jacken und Mützen, dann Schlafsäcke - und natürlich unendlich viel Kleinzeug, das es braucht, um heil durch die Kalahari oder den Amazonas zu kommen. Es ist ein gewaltiger Kontrast zu den herausgeputzten Outdoor-Palästen in der Innenstadt, dem Globetrotter, dem Sport Schuster oder dem Sport Scheck, mit jeweils Tausenden von Quadratmetern Verkaufsfläche. Die Zentrale von "Lauche & Maas" hat inklusive Büros 400 Quadratmeter.

Das Versprechen hier war von Anfang an eine höchstmögliche Glaubwürdigkeit in der Beratung. Einstellungsvoraussetzung war, dass man selbst gern reist, am besten abenteuerlich. Da fällt das Kundengespräch gern pragmatisch aus. Wer vor Jahren Zeltheringe kaufen wollte, die es damals nur in einer Größe gab, der bekam zu hören: "Dann sägst du sie halt ab." In diesem Geschäft wird sowieso jeder geduzt, der reinkommt. Im Himalaja würde einem ja auch keiner mit "Entschuldigen Sie, wo geht es hier lang?" kommen.

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