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Winterolympiade 2018:Münchner Crescendo

Die lange Wintersporttradition, Kultur, innovativer Technik und Nachhaltigkeit - das sollen die Argumente sein, die bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele ziehen. Der Winterspiel-Bewerber für 2018 setzt auf Sieg im ersten Versuch.

"Bescheiden, aber durchaus zuversichtlich im Wissen um die eigenen Stärken geht der Deutsche Olympische Sportbund DOSB mit München, Garmisch und der Kunsteisbahn Königssee ins Rennen um die Winterspiele 2018" - soweit die Selbstwahrnehmung des DOSB nach der Auftaktsitzung im Münchner Rathaus.

Olympia-Bewerbung 2018

Thomas Bach, Christian Ude und Günther Beckstein haben einen Traum: sie wollen die Winterolympiade 2018 in München ausrichten.

(Foto: Foto: dpa)

Mehr ist ja kaum zu sagen in diesem frühen Stadium, da nicht einmal bekannt ist, wer am Ende so alles mit im Bewerberring stehen wird. Auf jeden Fall läuft dort, nach drei deftigen Abstürzen mit Berchtesgaden (1992), Berlin (2000) und Leipzig (2012), der deutsche Kandidat wieder Kür, für den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) und DOSB-Chef Thomas Bach den Startschuss gaben. Und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude das Wort zum Sport: "Wir wollen uns nicht an anderen Städten orientieren, für München hat es Tradition, im ersten Anlauf den Zuschlag zu erhalten."

Eigene Stärken zeigen

Das Schielen auf die anderen - das wäre sowieso falsch, erläuterte Bach den Medien im Sitzungssaal des Rathauses. Der deutsche Sportchef, auch Vizepräsident im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), kennt sich aus. Ihm zufolge ist also wichtig, "nicht nach rechts und links zu schauen, sondern die eigene Stärke herauszuarbeiten" - wobei die Tücke traditionell darin liegt, diese Stärke erst mal zu finden.

Der letzte Winterspiel-Gewinner zum Beispiel, die erstaunlich palmenreiche Schwarzmeer-Metropole Sotschi, die Olympia 2014 ausrichten soll, hinkt schon jetzt so hoffnungslos hinter ihren prallvollen Bauplänen her, dass sich Szenekenner besorgt zweierlei fragen: Schaffen es die Russen noch, den Rückstand aufzuholen, wenn nicht schleunigst angefangen wird? Und: Mit welcher konkreten Stärke hat Wladimir Putin die IOC-Mitglieder überzeugt, die im Vorjahr in lichten Scharen die aseptische Computeranimation Sotschi wählten; einen Ort, der bis dahin nur dafür bekannt war, dass Putin selbst dort Grund, Yacht und Sommerresidenz besitzt?

Sportpolitische Kernfragen wie diese ziehen München zum Glück erst in ihren Bann, wenn technisch und formal die ersten Hürden genommen sind. Und diesbezüglich sind die Stärken des Kandidaten schon definiert. Nach Bach soll Bayern die Botschaft aussenden, dass es seine "reiche Wintersporttradition mit Kultur, innovativen technologischen Ideen und Nachhaltigkeit" zu verbinden weiß, denn dies "könnte das Konzept sein, das München von anderen Bewerbern unterscheidet"'. Aufgabe der Bewerbungsgesellschaft unter Wilfried Spronk werde es sein, diese Tugenden "sichtbar zu machen" (Bach).

30-Millionen-Budget

Sichtbar wurde schon die Unterstützung der Politik, wiewohl die nur eine moralische sein soll. Denn das auf vorläufig 30 Millionen Euro veranschlagte Bewerberbudget soll ohne Steuermittel aufgebracht werden, versicherte Spronk. Das Geld soll "möglichst zu hundert Prozent" von deutschen Firmen kommen, ermutigende Gespräche liefen bereits.

Da bleibt Politikern nur die Rolle des Animateurs, in der Beckstein pflichtschuldigst eines der hierzulande ja sehr beliebten (Winter-)"Märchen" heraufdämmern sieht und Schäuble sogar schon weiß, dass sich "ganz Deutschland auf 2018 freut". Ude indes freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Freistaat, er bemühte "den alten Tell: Seid einig, einig, einig" und versprach ein "ständiges Crescendo bis 2011" - erst dann kommt der Tag der Wahl und Wahrheit.

Die Frage, was danach kommen könnte für den nicht ganz auszuschließenden Fall, dass es nicht im ersten Anlauf hinhaut, wies Bach in einem Anflug von Empörung zurück: "Das finde ich keine gute Frage zum Beginn einer Bewerbung. Es gibt keinen Plan B im Moment." Bei näherer Betrachtung irritiert diese Zurückhaltung, weil Bach in früheren Zeiten mit ganz anderen Parolen aufwartete. "Man braucht einen langen Atem, um Olympische Spiele zu bekommen", hat er gerne erklärt, beispielsweise nach dem Vorrunden-K.o. des deutschen Sommerkandidaten Leipzig.

Sieg im ersten Anlauf

München aber soll es nun auf einen Rutsch schaffen - und im Misserfolgsfalle nicht noch einmal antreten, der stille Wunsch des DOSB-Chefs war schon zu Beginn des Winterplanspiels angeklungen. Stünde München wirklich nur dies eine Zeitfenster offen, gäbe es Erklärungen dafür. IOC-Präsident Jacques Rogge wird 2009 sehr wahrscheinlich noch einmal (die dann letzten) vier Amtsjahre dranhängen; 2013 wird sein Thron vakant.

Dass Bach, der dem Ringe-Vorstand schon seit zwölf Jahren (mit kurzem, regelbedingtem Interruptus) angehört, dann an die Spitze drängen wird, steht für Branchenkenner außer Frage. Dabei wäre allerdings stark hinderlich, im IOC gleich mit zwei Themen hausieren gehen zu müssen. Insofern sollte mit einer deutschen Bewerbung, die sich über das mutmaßliche IOC-Wahljahr 2013 erstreckt, schon heute niemand rechnen.

© SZ vom 16.7.2008/vw
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