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Wilhelm-Hoegner-Preis:Wohnhaft im Grundgesetz

Es ist eine Auszeichnung für einen "wortgewaltigen Verteidiger von Freiheitsrechten": Heribert Prantl, Mitglied der SZ-Chefredaktion, erhält den Wilhelm-Hoegner-Preis der Landtags-SPD.

Franz Kotteder

In der Regel wird der Wilhelm-Hoegner-Preis der SPD-Landtagsfraktion ja an eine einzelne Persönlichkeit verliehen. In diesem Jahr ist das im Prinzip auch so. Wer am Sonntag jedoch den drei Reden im Maximilianeum folgte, konnte leicht den Eindruck gewinnen, es handele sich um gleich drei Preise: einen für eine sehr lebendige Persönlichkeit, einen für eine verstorbene und einen für eine Rechtsordnung.

Wilhelm-Hoegner-Preis 2011

Heribert Prantl (Mitte) bekommt im Bayerischen Landtag den Wilhelm-Hoegner-Preis verliehen. Münchens OB Christian Ude (links) hielt die Laudatio. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher würdigte  Prantls "unermüdlichen Einsatz für Demokratie und Rechtsstaat".

(Foto: dapd)

Den Preis bekam in diesem Jahr nämlich Heribert Prantl, Mitglied der SZ-Chefredaktion, verliehen. Ebenso ausführlich gewürdigt wurden aber der Namensgeber des Preises, der einzige bayerische SPD-Ministerpräsident von 1954 bis 1957, Wilhelm Hoegner, sowie die Bayerische Verfassung, die Hoegner maßgeblich mitgestaltet hat und die heuer 65 Jahre alt wird.

Die Preisverleihung, musikalisch umrahmt von der Biermösl Blosn, begann mit halbstündiger Verspätung: Der Landtag war am Sonntag nur zu Fuß, mit der U-Bahn oder aus der Luft zu erreichen, wegen des gleichzeitig stattfindenden "München-Marathons". Preisträger Prantl sah darin zur Erheiterung des Publikums eine "ganz tiefe Symbolik" wirken und verglich seinen Laudator Christian Ude ironisch mit dem Athener Feldherrn Miltiades, der 490 vor Christus die Perser bei Marathon besiegte. Obendrein sei es für die bayerische SPD ja auch "marathonmäßig lang" her, dass sie einmal an der Regierung gewesen sei.

Zuvor hatte Fraktionschef Markus Rinderspacher Prantl für dessen "unermüdlichen Einsatz für Demokratie und Rechtsstaat" gewürdigt. Prantl sei "zu Hause in München und wohnhaft im Grundgesetz". Seine Leitartikel stellten für viele Leser "die Meinungsinstanz schlechthin" dar. Das war eigentlich schon fast eine Laudatio, die dann aber Christian Ude hielt.

Der Münchner Oberbürgermeister und frisch gekürte Ministerpräsidentenkandidat der SPD sagte bei seiner "Jungfernrede im Landtag" (so Rinderspacher in seiner Begrüßung), Prantl sei "ein wortgewaltiger Verteidiger von Freiheitsrechten", der die Verfassung noch ernst nehme, ob im Kampf gegen Rechtsextremismus oder für das Asylrecht. Auch sei er "in Zeiten der Marktradikalität" einer der wenigen gewesen, die nicht alles dem ökonomischen Prinzip untergeordnet hätten: "Viele seiner Kollegen suchen heute in ihren alten Artikeln nach Halbsätzen mit kritischen Anmerkungen zur Bankenmacht", sagte Ude unter großem Applaus des Publikums, "Prantl muss nicht lange suchen!" Seine Kritik an neoliberalen Forderungen wiederum entspreche der Bayerischen Verfassung, deren Artikel 151 laute zum Beispiel: "Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl."

Diesen Satz zitierte auch Prantl in seiner Dankesrede und befand, in ihm und in weiteren Sätzen der Verfassung werde letztlich nur die soziale Marktwirtschaft beschrieben. Wilhelm Hoegner habe "die Gerechtigkeit nach Bayern gebracht", so Prantl. Die von ihm maßgeblich geprägte Bayerische Verfassung zeuge von demokratischer Reife, sie sei "sprachgewaltig, zärtlich und stolz, edel und derb, christlich und sozialistisch, bäuerlich und hausväterlich". Sie mache Ernst mit dem Satz, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. Gepflegt jedoch werde sie nicht, die staatlichen Autoritäten regierten neben ihr her, sie sei somit eine Art Jubiläums-Verfassung geworden: "Es ergeht den Leuten damit wie mit der Oma im Altersheim. Dass man sie hat, merkt man vor allem dann, wenn sie Geburtstag feiert."

© SZ vom 10.10.2011/bica
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