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Oktoberfestbilanz:Polizei mahnt: Über Obergrenze für Wiesnzelte nachdenken

Hofbräuzelt auf dem Münchner Oktoberfest, 2015

Auch wenn die Zahl der Sitzplätze in den Wiesnzelten in den vergangenen Jahren nicht nennenswert gestiegen ist, mahnt die Polizei dennoch, über eine Deckelung der Plätze allgemein nachzudenken.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Wiesn 2015 verlief zwar ruhiger als im Vorjahr, doch an einem Tag wurde der Andrang kritisch.

Ob es nun an der Kälte im vergangenen Herbst lag, an zunehmender Reiseunlust der Touristen oder gar an der Sparsamkeit der Besucher, lässt sich nicht endgültig klären. Fest steht: Die Wiesn 2015 war im Vergleich zu den Jahren davor eine eher ruhige. Unter der Woche kamen Besucher bequem in die meisten Zelte hinein.

Die Zahlen, die am Dienstag im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft vorgestellt werden, belegen dies: Auf 5,9 Millionen Besucher schätzt das Wirtschaftsreferat den Andrang. Das sind 400 000 weniger als noch 2014. Konkrete Zahlen liegen lediglich für die Oide Wiesn vor, für die man Eintritt bezahlen muss: Hier kamen 568 833 Besucher, im Vorjahr war mit 611 086 Gästen deutlich mehr los. Auch wenn die Zahl der Sitzplätze in den Wiesnzelten in den vergangenen Jahren nicht nennenswert gestiegen ist, mahnt die Polizei dennoch, über eine Deckelung der Plätze allgemein nachzudenken.

Insgesamt bewerte man den Verlauf des Oktoberfests 2015 als positiv, schreibt die Polizei. 1261 angezeigte Straftaten vermelden die Beamten. Das sei seit dem Jahr 2011 der niedrigste Stand. Es gab 19 Prozent weniger gemeldete Taschendiebstähle (300), auch die Zahl der Körperverletzungen (389) ging um acht Prozent zurück, dafür kam es wieder zu mehr Masskrugschlägereien, 52 an der Zahl. Der Rettungsdienst der Feuerwehr musste 2655 Mal ausrücken, Notarzteinsätze gab es 237 - beide Werte liegen unter denen des Vorjahrs.

Doch der Auslöser für die Anregung, den Zugang in den Zelten zu begrenzen, war offenbar der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit. Um die Mittagszeit wurde das Gedränge auf der Wiesn so groß, dass das Festgelände kurzzeitig abgeriegelt werden musste. Das war auch in den Jahren zuvor immer wieder mal notwendig, gerade an Feiertagen. Wie sich aus dem Bericht ergibt, schafften es die Ordner auf dem Gelände an diesem Tag aber nicht, die Sperren aufrechtzuerhalten - wegen zu wenig Personal. Weil sich Ordnungsdienstleiter und Mitarbeiter von Sperren entfernten, mussten Polizisten die Aufgabe des Ordnungsdienstes übernehmen.

Die Bestechungsversuche könnten zunehmen

Rund 107 000 Sitzplätze gibt es in den Wiesnzelten. Im neuen Schützenzelt sind vergangenes Jahr 1000 neue Plätze dazugekommen. Dieses Jahr wird es ein neues Hacker-Zelt geben, das bislang knapp 7000 Gäste innen und weitere 2400 im Biergarten fasst. Nach dem derzeitigen Stand wird es aber nur moderner, nicht größer. Da es dieses Jahr keine Oide Wiesn geben wird, kann man mit einem verstärkten Andrang auf der "normalen" Wiesn rechnen.

Die Schlangen vor den Zelten werden vermutlich wieder länger werden - und auch die Bestechungsversuche könnten zunehmen. Sicherheitskräfte, die erwischt werden, wenn sie Gäste gegen Geld in ein Zelt lassen, werden angezeigt. Sieben Fälle stellte das Kreisverwaltungsreferat 2015 fest. Gegen die Ordner wurden Bußgeldverfahren angestrengt. Schon im Vorfeld der Wiesn hatte das KVR mehr als 2000 Mitarbeiter von 29 Sicherheitsdiensten überprüft und 166 wegen mangelnder Zuverlässigkeit abgelehnt.

75 134 Hektoliter tranken die Besucher 2015

Auch die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG musste gerade an den Wochenende und am Feiertag immer wieder den U-Bahnhof Theresienwiese abriegeln. Etwa 100 Mal sperrten MVG-Sicherheitskräfte den Haupteingang zum U-Bahnhof, 36 Mal den Zugang an der Paulskirche. Insgesamt wurden in den 16 Tagen Wiesnzeit 3,5 Millionen Passagiere zusätzlich befördert. Die MVG spricht deshalb, wie alle Jahre davor auch, von einer Herausforderung.

Freilich kommt eine Wiesnbilanz nicht ohne die sonstige Zahlenkolonne aus, die gerne als Maßstab für den Erfolg einer Wiesn bemüht wird: Die beliebteste Messlatte ist dabei das ausgeschenkte Bier. 75 134 Hektoliter tranken die Besucher 2015 (2014: 76 808). Im Gegensatz zu diesem Rückgang ist der Konsum an alkoholfreiem Bier von 2176 auf 2609 Hektoliter gestiegen. Sehr deutlich gingen auch der Konsum von Wein (71 628 Liter statt 96 674 Liter im Vorjahr) und Sekt (18 125 Liter statt 43 957) zurück. Hendl wurden exakt 503 510 verzehrt.

Der Anteil an Hendln aus biologischer Haltung war mit 15 723 nach wie vor relativ gering, von den 122 verspeisten Ochsen und den 51 Kälbern stammte kein einziges Tier aus Biohaltung.

© SZ vom 07.03.2016
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