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Wiesnbedienung zeichnet Comics:"Gebärdensprache reicht, wenn alle besoffen sind"

Aufgedunsene Gesichter, grölende Trachtler und wild gewordene Dirndl-Trägerinnen: Die Erlebnisse einer Wiesnbedienung sind manchmal so extrem, dass einem dafür die Worte fehlen. Alexandra Resch aus Neuseeland bedient seit 13 Jahren auf der Wiesn - und hält die skurrilsten Szenen in Comics fest.

Franz Kotteder

Für die Wiesn nimmt man gern einen weiten Weg in Kauf. Alexandra Resch zum Beispiel reist seit 13 Jahren aus Neuseeland an. Sie ist allerdings nicht zum Spaß hier, sondern arbeitet als Bedienung im Hofbräuzelt. Und weil sie auch eine künstlerische Ader hat, zeichnet sie, was sie dabei so erlebt. Ihr erster Cartoon-Band "Gsuffa" ist jetzt im Selbstverlag erschienen und für 24,95 Euro demnächst in großen Münchner Buchhandlungen und auf der Wiesn im Hofbräuzelt erhältlich.

SZ: Wie wird man denn Wiesn-Bedienung, wenn man in Neuseeland lebt?

Alexandra Resch: Ich bin 1991 ausgewandert, dann aber mal vor 13 Jahren für eine Bekannte eingesprungen im Hofbräuzelt. Eigentlich wollte ich es nur einmal machen, aber das sage ich jetzt seit 13 Jahren.

Und so kommen Sie also jedes Jahr extra für die Wiesn herüber?

Nein, ich komme sowieso jedes Jahr für drei Monate her, weil meine Familie hier lebt. Ich mache da meine Sommersaison als Bedienung: die Landshuter Dult, Freising und München. Nur die Familie zu besuchen, drei Monate lang, das wäre ja der Wahnsinn! Das ist wie mit einem Fisch: Am ersten Tag freut man sich auf ihn, am zweiten Tag sollte man ihn essen, am dritten fängt er zum Stinken an. Das möcht' ich mir und meiner Familie ersparen.

Sie leben aber nicht vom Zeichnen?

Nein, ich habe in Neuseeland eine kleine Farm, da baue ich was an, und ein paar Kühe habe ich da auch herumstehen.

Auf der Farm ist Zeichnen ja ein schöner Zeitvertreib, aber auf dem Oktoberfest?

Ich sage Ihnen was: Meine Gäste sind sehr nett. Aber ich hab' auch schon welche gehabt, die kannst du gar nicht mehr beschreiben, die kannst du nur noch zeichnen... Wenn die Gesichter so richtig vom Alkohol derangiert sind, das kann man ja nicht fotografieren, sonst kriegt man die Kündigung. Zeichnen geht schon. Und ich habe als Kind schon dauernd gezeichnet, sogar das Tagebuch war ein Cartoon.

Das Zeichnen macht Ihnen also mehr Spaß als die Wiesn?

Die Wiesn ist schon anstrengend. Ich arbeite nur mit Ohrstöpseln. Aber Gebärdensprache reicht eh, wenn alle besoffen sind. Schwierig ist's, wenn man mit dem vollen Schlitten - so heißt bei uns das Servierbrett - durch die Menge muss. Manche stehen im Weg rum wie der Ochs' im Wald. Und dann heißt's auch noch, man wäre unfreundlich. Dabei ist man eh schon heiser.

Wann machen Sie die Skizzen? Muss die Kundschaft da mal länger auf das Bier warten, oder wie geht das?

Ach, manche Gesichter prägen sich so ein, die vergisst man nicht. Es ist ja teilweise irr', was da abläuft. Und ab einem gewissen Alkoholpegel schaut jeder gleich aus. Am Anfang ist alles noch in bester Ordnung: Die Dirndl sind schön, die Halsketten sitzen perfekt, das Gebiss ist noch da, wo es sein soll. Und dann kommt die wundersame Verwandlung durch den Alkohol. Ich hab' da schon Sachen gesehen, die kann man gar nicht so extrem malen.

Bei Ihnen sieht man die Wiesn jedenfalls aus der Sicht des Personals.

Genau. Die Bedienungen kommen vor, die Küchenschaben, wie das Personal dort heißt, die Gürteltiere, so nennen wir die Security, und das Klo-Team.

Freuen sich die Kollegen, wenn sie sich in Ihren Bildern wiedererkennen?

Bisher schon! Und im ersten Band sind es immerhin 18, die ich porträtiert habe.

© SZ vom 31.08.2012/infu

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