Wiesn-Kolumne:Das Oktoberfest ohne Tiere? Unvorstellbar!

Auf dem Teller, auf dem Turm oder neben einem am Tisch: Überall auf der Wiesn hat man es mit Tieren zu tun. Hier kommt der Beweis.

Von SZ-Autoren

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Attacke auf Pony-Karussel

Quelle: dpa

Lärmbeschallung, Lichteffekte und dazu stupide im Kreis gehen: Unter diesen Bedingungen arbeitet wohl niemand gerne. Gut, Rosenverkäuferinnen und Wiesnbedienungen kennen es auch kaum anders, aber diese Zustände hat die Rathaus-SPD in Bezug auf andere Wiesn-Arbeitskräfte angemahnt: die Ponys. Vergangenes Jahr wollte sie das Ponyreiten verbieten. Der Antrag scheiterte - waren das etwa schon die Vorboten der Bundestagswahl? Kein Verstoß gegen den Tierschutz, passt scho, begründete die CSU, dass alles bleiben sollte wie immer. Viele Leute wären wohl auch traurig, wenn's die Ponys nicht mehr gäbe - wer selbst als Kind dort ritt, will auch seine Kinder reiten lassen. Das Pony wird also womöglich mehr geliebt, als ihm gut tut. Aber das war ja mit der Wiesn oft genug so. Andere sagen: Wieso denn die Ponys, schaut euch erst mal an, wie es den Hendln ergeht! Nur die Ponys hat mal wieder keiner gefragt. Die hätten die Mähne geschüttelt, sich so eine Konkurrenz zwischen den Tieren verboten und wären tapfer weiter gestapft. Die Wiesn ist halt kein Ponyhof.

Von Elisa Britzelmeier

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Vogel, dahauter

Gartenrotschwanz

Quelle: dpa

Kaum ein Tier ist auf der Wiesn in so vielerlei Formen vertreten wie der Vogel, und dennoch erfordert es einige Aufmerksamkeit, ihn wahrzunehmen. Am deutlichsten zu erkennen ist er in seiner Erscheinungsform als Speise: Das Hendl und die Ente sind schließlich Klassiker des Oktoberfests. Wegen des fehlenden Federkleids macht man sich das allerdings kaum noch bewusst. Noch schwerer ist ein "dahauter Vogel" als solcher zu erkennen. Der Bayer nennt beispielsweise einen schwer angeschlagenen Kampftrinker so. Und ein "gschlamperter Uhu" ist hier keine Eule, sondern eine nachlässige Person. "Schräge Vögel" sind - im Polizeijargon - ebenfalls in Wahrheit Menschen, zum Beispiel Taschendiebe, die sich auch gerne auf der Wiesn herumtreiben. Seit 20 Jahren von dort verschwunden ist der originale Vogel-Jakob, dessen kleine Membran-Pfeiferl es erlaubten, die Stimmen zahlreicher Singvögel wie die des Gartenrotschwanzes nachzuahmen. Dafür gibt es heute von seinem Nachfolger "Vogelpfeiferl Berger" gleich zwei Stände: unterhalb der Bavaria bei der Reitbahn und am anderen Ende der Matthias-Pschorr-Straße bei den Wildstuben.

Von Franz Kotteder

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Schlange

Exotische Tiere zu Hause

Quelle: dpa

"Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", so heißt es bei Goethe. Das weiß der Mensch, aber dann stellt er sich auf der Wiesn trotzdem acht Mass rein. Wäre Goethe mal auf der Wiesn gewesen, hätte er also anders formuliert: Haubenvoll sei der Mensch, wepsert und Iwuiwiederham. Der Mensch ist schlecht und verführbar, insofern auf dem Oktoberfest besonders gefährdet. Zahlreich sind hier die Möglichkeiten, einen Fehltritt zu begehen. Auf den Biermagen noch Schokofrüchte? Aus dem Zelt noch in den Freefall-Tower? Und wie hat gleich wieder eine Fischsemmel geschmeckt?

Sich da unfallfrei durchzumogeln, dabei könnten freundliche, geduldige Tiere helfen, denen man auf der Theresienwiese überall begegnet. Denn vor jeder Verführung wartet auch eine Schlange , die davor warnt. Erfahrungsgemäß leistet sie eher das Gegenteil und führt das Verhängnis schneller herbei. Denn der gemeine Wiesngänger reiht sich ein wie der erste Mensch. Wie das ausgegangen ist, weiß man ja noch.

Bernhard Hiergeist

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Weps zum Datschi

Wespe

Quelle: dpa

Der erfahrene Wiesngänger weiß: Am Anfang ist es meistens greislig, ab dem Italienerwochenende dann wird das Wetter schön. Insofern ist der Weps ein Tier der zweiten Wiesnhälfte. Sobald der Wiesngänger im Biergarten sitzt, fliegt der Weps (für Zuagroaste: die Wespe) daher und landet in der Mass, wo er ganz deppert ersäuft. Auch Abstinenzler haben keinen Grund zur Freude, Spezi mag der Weps noch lieber, und Zwetschgendatschi erst.

Nein, der Weps gehört nicht zu den beliebten Wiesntieren. Da kann die Waller Wespe im hessischen Hofheim noch so fleißig Oktoberfest feiern. Aber die Waller Wespe ist schließlich eine Narrenzunft, mehr braucht man nicht zu wissen. Manchen auf der Wiesn plagt der Weps derart, dass er nicht stillhalten kann, ja man möchte sagen: ganz wepsert wird. Immerhin ist er nicht allein. Wepsert, also auf der Suche nach amourösen Abenteuern, sind auf der Wiesn ja einige.

Elisa Britzelmeier

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Hammel

Pischertshofen: RUTH STRAEHHUBER muss ihren Stall raeumen

Quelle: Johannes Simon

Seltsam, nicht? Eigentlich ist der Hammel alles andere als ein Wiesn-Tier. Es gibt Hendl und Enten, es gibt Rinder, Ochsen und Kälber - aber irgendetwas Schafartiges? Höchstens dann, wenn alle vier Jahre mal das Zentrallandwirtschaftsfest stattfindet und im Tierzelt noch Plätze frei sind. Schafe sind auf dem Oktoberfest in der Regel nur in Form von wollenen Trachtenjankern vertreten. Zu ihrem Glück!

Andererseits ist der Hammel aber ein sehr prägendes Tier für die Wiesn, und zwar in Form des Zeichens im Giebel des Schottenhamel-Zelts. Dort prangt das Bild eines Schafbocks mit karierter Mütze; und immerhin handelt es sich bei der Festhalle Schottenhamel um das älteste Zelt mit 150-jähriger Tradition, in dem traditionell das erste Fass angezapft wird. Hammel-Eintopf steht dort trotzdem nicht auf der Karte, nicht einmal Lammhaxe. So hat man es auf der Wiesn im Wesentlichen doch nur mit den sattsam bekannten gscherten Hammeln zu tun, die leider auf dem Festgelände immer wieder mal vorkommen.

Auf sie könnte man gerne verzichten, aber der liebe Gott hat bekanntlich einen großen Tierpark, und warum soll der ausgerechnet auf dem größten Volksfest der Welt nicht vertreten sein?

Franz Kotteder

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Pony

Attacke auf Pony-Karussel

Quelle: dpa

Lärmbeschallung, Lichteffekte und dazu stupide im Kreis gehen: Unter diesen Bedingungen arbeitet wohl niemand gerne. Gut, Rosenverkäuferinnen und Wiesnbedienungen kennen es auch kaum anders, aber diese Zustände hat die Rathaus-SPD in Bezug auf andere Wiesn-Arbeitskräfte angemahnt: die Ponys. Vergangenes Jahr wollte sie das Ponyreiten verbieten. Der Antrag scheiterte - waren das etwa schon die Vorboten der Bundestagswahl?

Kein Verstoß gegen den Tierschutz, passt scho, begründete die CSU, dass alles bleiben sollte wie immer. Viele Leute wären wohl auch traurig, wenn's die Ponys nicht mehr gäbe - wer selbst als Kind dort ritt, will auch seine Kinder reiten lassen. Das Pony wird also womöglich mehr geliebt, als ihm gut tut. Aber das war ja mit der Wiesn oft genug so. Andere sagen: Wieso denn die Ponys, schaut euch erst mal an, wie es den Hendln ergeht! Nur die Ponys hat mal wieder keiner gefragt. Die hätten die Mähne geschüttelt, sich so eine Konkurrenz zwischen den Tieren verboten und wären tapfer weiter gestapft. Die Wiesn ist halt kein Ponyhof.

Elisa Britzelmeier

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Tanzender Floh

Flohzirkus auf dem Oktoberfest in München, 2009

Quelle: Robert Haas

Es ist ein Jammer, dass der Floh nicht zum Wappentier taugt. Er ist ein blutsaugender Parasit, zu kratzig, hat zu viele Beine. Und würde man sein Bildnis zur besseren Erkennbarkeit vergrößern, sähe er aus wie ein fürchterliches Ungeheuer. Es geht also nicht, aber verdient hätte der Floh es allemal. Putzig ist das schon, wenn er kleine Fußbälle ins Tor schießt oder Ballett tanzt. Flohdompteure galten früher als Hexer, in England soll sogar mal einer von der Inquisition verbrannt worden sein. Später schätzte man aber den Unterhaltungswert. Und als man nach dem Zweiten Weltkrieg in München unterhaltungsmäßig keine großen Sprünge tun konnte, war man froh, dass ein Flohzirkus seinen Wagen an der Bavaria parkte. Bis heute tragen Flohzirkus und Floh dazu bei, dass die Wiesn bei allem Volksfestgehupe auch traditionell bleibt. Vom Floh lässt sich einiges lernen: Zum Beispiel, dass er es nach dem Trubel auf dem Oktoberfest am liebsten dunkel und ruhig mag. Er tankt Kraft und schläft bis Mittag, bevor es dann wieder los geht. 18 Tage lang.

Bernhard Hiergeist

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Gegrillte Hendl

Wiesnhendl auf dem Oktoberfest in München, 2015

Quelle: Stephan Rumpf

Hühner haben es nicht leicht auf der Wiesn. Nicht nur, dass sie vor allem tot und gegrillt vorkommen, als halbes Hendl auf dem Teller, begleitet von einem zitronensauren Waschlappen. Nein, spätestens seit vergangenem Jahr werden sie auch noch verhöhnt, in Hutform. Geradezu entwürdigend ist das. Oder wie würden Sie es finden, wenn Ihr gebratenes Ebenbild auf den Köpfen zahlreicher Touristen zappeln und strampeln würde? Eben. Dieses Jahr kam noch die Diskussion um die Herkunft der Hendl hinzu, ein klarer Eingriff in die Intimsphäre. Der Streit dreht sich darum, ob es in Ordnung sei, ein Hendl aus Massentierhaltung - solange es aus Bayern kommt - genauso mit einem Öko-Siegel auszuzeichnen wie ein Bio-Hendl. Grün eingestellte Menschen finden das eine Frechheit, auch wenn sie sonst gerne betonen, dass niemand auf Grund seiner Herkunft benachteiligt werden dürfe. Wenn so ein Öko-Siegel käme: Wie sieht es dann mit dem Preis aus? Bislang kosten Bio-Hendl ja um einiges mehr. Aber eigentlich wäre es angemessen, wenn alle Hendl teurer würden. Schließlich sind sie für eine gelungene Wiesn unverzichtbar, und das seit 1881, damals öffnete die erste Hendlbraterei. 366 876 Stück wurden vergangenes Jahr verkauft. Höchste Zeit also, das Hendl ausreichend zu würdigen.

Elisa Britzelmeier

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Maus und Mausi

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Quelle: Stephan Rumpf

Im Prinzip sind Tiere entweder süß (Katzen) oder schrecklich (Ratten), das gilt auch für die Wiesn. Es gibt aber Tiere, die sind mal so, mal so. Was sich so ohne weiteres nicht erklären lässt. Warum ist eine Maus auf U-Bahn-Gleisen oder hinter Glas im "Mäuse-Circus" auf der Wiesn für manche Menschen jetzt possierlich, wenn sie ihnen aber in freier Wildbahn oder in der Speisekammer über den Weg läuft, ein Grund, loszukreischen, als spielten sie in einem schlechten Horrorfilm mit? So richtig konsequent ist das nicht. Andererseits ist dieses widersprüchliche Verhalten eine schöne Erklärung dafür, warum "Mausi" einer der am meisten benutzten Kosenamen für den geliebten Menschen ist: Schließlich gibt es in jeder Beziehung Situationen, in der einen der andere bis zur Weißglut reizen kann. Ein Sonderfall tritt außerdem in Bierzelten mit zunehmendem Getränkekonsum und Alkoholpegel auf. Aus einer grauen Maus wird dann oft schnell ein Mausi. Oder die Zahl der Mausis wächst rätselhafter Weise beträchtlich. Man sagt dazu auch Schöntrinken.

Franz Kotteder

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Zuagroaster Löwe

Der Löwe des Löwenbräu-Zelts auf dem Oktoberfest in München.

Quelle: Catherina Hess

Am Anfang war die Löwengrube. So heißt die Adresse in der Altstadt, an der das erste Löwenbräu gebraut wurde, von ihr hat das Bier seinen Namen. Georg Brey, der die Brauerei im Jahr 1818 kaufte und zu wirtschaftlichem Erfolg führte, war übrigens ein schlauer Fuchs, der trotz strenger Vorschrift drei statt nur zwei Kessel braute - aber das nur am Rande. Eine Wiesn ohne Löwe jedenfalls ist vielleicht möglich, aber sinnlos. Der Löwe ist das Biertier schlechthin. Seit 1950 steht über dem Eingang des Löwenbräu-Zelts ein Exemplar, das hin und wieder zum Krug greift und "Löööwenbräu" röhrt. Das Original ist mittlerweile ersetzt worden, es hat die Stadt verlassen und wird von 2018 an im Museum der Bayerischen Geschichte die Gäste begrüßen. Sein 1400 Kilogramm schwerer Artgenosse, der still auf einem Turm in 40 Meter Höhe hockt, ist hingegen ein klassischer Zuagroaster . Gestaltet hat ihn der Dresdner Künstler Peter Ardelt. Etwa alle zwei Jahre wagt auch der sich auf die Wiesn. In die Höhle des Löwen.

Anna Hoben

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Kaltblütige Hengste

Pferdegespann auf dem Münchner Oktoberfest, 2015

Quelle: Robert Haas

Sie heißen Bruno und Prinz, Wastl und Fritz. Sie wiegen mehr als 1000 Kilo und lieben es, wenn man ihnen das Fell mit einem Staubsauger saugt oder mit dem Hochdruckreiniger massiert. Sie sind echte Arbeitstiere und verbringen ihren Alltag sonst meist, indem sie Holz von A nach B transportieren. Die Rede ist von Wiesnpferden. Fast täglich sind von 12 bis 16 Uhr auf der Theresienwiese bis zu 46 Pferde unterwegs. Alle Brauereirösser sind Kaltblüter, alle sind Hengste. Jede der sechs Brauereien auf der Wiesn hat ein Sechsergespann. Die Pferde haben eine genauso lange Tradition auf der Wiesn wie das Bier. Nicht nur, weil alles mit ihnen begann: Schließlich geht das Oktoberfest auf ein Rennen zurück, das im Jahr 1810 anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese auf der heutigen Theresienwiese abgehalten wurde. Auch das Bier wurde zu den Anfangszeiten des Oktoberfests über Jahrzehnte von den Braurössern auf das Festgelände gekarrt. Heute tun die Hengste das in ihren mit Gold verzierten 12 000-Euro-Geschirren nur noch symbolisch. Ansonsten stehen sie sehr viele Stunden vor den Zelten herum. Dabei lassen sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen - und dienen damit als Vorbild für wirklich alle Wiesnbesucher.

Jana Stegemann

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Wichtiges Rindviech

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Quelle: Stephan Rumpf

Ja, scho recht: Die Giggerl gehören zur Wiesn, die Brauereirösser auch, die Enten sowieso. Aber ich: Ich bin eindeutig das wichtigste Wiesntier . Es gibt mich zum Beispiel als Gespann beim Trachtenumzug oder als den köstlichsten Semmelbelag, der auf der Wiesn zu finden ist. Ich bin Hauptbestandteil der bayerischen Urform des Döners. Und am Schluss der Wiesn dient die Zahl, wie oft ich verspeist wurde, als Gradmesser dafür, ob das Fest gelungen war oder nicht. Ich bin natürlich nicht nur in der Ochsenbraterei zu finden, sondern vor allem im Wein- und Käferzelt, wo ich gerne im bunten Phantasiedirndl und/oder als Ex-Spieler-Exfrau aufschlage. Sie haben keine Ahnung, wie oft ich da immer fotografiert werde. Ja, ich bin eitel. Ich hab sogar mein eigenes Lied, das heuer im Zelt zur Schönheitskönigin gesungen wird, und jetzt alle mitsingen: "A Rindviech, so nenna im Dorf mi de Leit. Des is hoid a Titel, der so sakrisch mi gfreit. I bin fidel, fidel, fiiiidel, mi leckst am Oasch, bis dass da Deifi hol, mei arme Seel."

Andreas Schubert

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Zuagroaste Makrele

Steckerlfisch auf dem Oktoberfest in München, 2013

Quelle: Stephan Rumpf

Es kann schon sein, dass man sich am letzten Samstag wie ein junger Gott auf das erste Hendl freute, weil es auf der Wiesn immer noch am besten schmeckt. Geht man aber dann jeden Tag auf die Wiesn, so kann es leicht sein, dass man nach dem vierten Hendl Lust verspürt auf eine Schweinshaxe oder ein Stück vom Ochsen. Sogar eingefleischte Wiesngänger, denen sonst die Petersilie in der Weißwurst als Grünnahrung genügt, sollen nach nicht mal einer Woche oft einen unbändigen Heißhunger auf knackige Gartensalate mit viel Gurke, Tomate und gelben Rüben entwickeln. Um eine so radikale Ernährungsumstellung zu vermeiden, wurde der Steckerlfisch ) erfunden - obwohl die Makrele gar keine richtige Bayerin ist. Aber Fisch gibt es nicht nur am Steckerl, sondern auch zwischen zwei Semmelhälften. Die Fischsemmel hat auch den Vorteil, dass der Atem nach dem Wiesnbesuch nicht so sehr nach Bier riecht. Sondern halt nach Fisch. Man kann eben nicht alles haben.

Franz Kotteder

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Kater

Weltkatzentag

Quelle: dpa

Schaustellerpfarrer Sascha Ellinghaus verglich beim Wiesn-Gottesdienst am Donnerstag den Heiligen Geist mit dem Alkohol im Bier: "Den sieht man auch nicht, aber er entfaltet unzweifelhaft seine Wirkung." Ebenso verhält es sich mit dem Kater. Auf dem Festgelände sind Haustiere nicht erlaubt, also auch keine Katzen. Den Kater mag man dort zwar kommen sehen, aber so recht glauben will man daran nicht. Und dennoch stellt man am nächsten Tag fest, dass man sich von der Wiesn einen nach Hause mitgebracht hat. Ein erstaunliches Phänomen. Zur Erklärung muss man jedoch keinesfalls den Heiligen Geist bemühen, dazu genügen schon ein paar geistige Getränke. Fällt der Wiesnbesuch aber auf einen Wahlsonntag, dann könnten freilich auch die Wahlergebnisse Auslöser für einen sauberen Kater sein. Zumindest dürften sie als Ausrede taugen.

Franz Kotteder

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Der (auch: das) Käfer

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Quelle: Stephan Rumpf

Der Name ist völlig unpassend. Der Käfer, das ist die Insekten-Ordnung Coleoptera, mit Abermillionen Vertretern auf der Erde, die sich fast alle dadurch auszeichnen, dass sie ihr Leben am liebsten und in Perfektion im Verborgenen verbringen. Das Käfer hingegen, das ist ein Zelt, dessen Gäste sich fast alle dadurch auszeichnen, dass sie ihren Besuch am liebsten und in Perfektion im Rampenlicht verbringen. Jährlich entdecken Wissenschaftler noch immer Dutzende neue Coleoptera-Arten leben in Wüsten, im Wasser oder in Eiseskälte, aber im unwirtlichen Lebensraum des Münchner Wiesn-Vips hat sich noch kein Konkurrent durchsetzen können. Gut, beide Käfer haben einen harten Panzer gemein. Der eine wegen der Fressfeinde, der andere wegen der robusten Schale, an der alle Peinlichkeiten, die so eine oktoberfestliche Klatsch-Inszenierung mit sich bringt, auch abtropfen können. Neidisch sind manche Käferzeltgäste auf einige Vertreter der kleinen Namensvettern: nicht auszudenken, was man mit den Fähigkeiten eines Glühwürmchen für eine Schau im Zelt wäre.

Philipp Crone

© SZ.de/infu/bhi
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