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Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl:Die Wiesn hat auch Schattenseiten

SZ: Das Oktoberfest ist ein Begriff selbst im tiefsten Afrika oder auf Inseln in Indonesien. Was ist sein Geheimnis?

Weishäupl: Die Wiesn war schon im 19. Jahrhundert von solcher Attraktivität, dass sie ein Touristenanziehungspunkt war. Natürlich nicht für die Massen, aber es kamen Leute aus dem gesamten europäischen Raum. Später das Großbürgertum, die Brauereien, die sich in ihrer Pracht zeigten. Neben dem Königszelt entstanden die großen Bierbuden. Dieses Fest ist immer am Puls der Zeit gewesen.

SZ: Selbst wenn die Finanzmärkte schwanken, schunkelt die Welt in München. Rezessionen scheinen dem Oktoberfest nichts anhaben zu können.

Weishäupl: 72 Prozent der Wiesngänger kommen aus München und Bayern, 60 Prozent allein aus der Stadt. Mindestens bei der Hälfte der Münchner ist dieses Fest fester Bestandteil des Jahreskalenders wie Weihnachten oder Ostern. Für die Touristen war das Oktoberfest immer schon eine der Hauptattraktionen Münchens - trotz einer Weltklasse-Kulturszene, die wir stark bewerben. Der Hauptimageträger ist die Wiesn. Im Auftrag der deutschen Zentrale für Tourismus wurde eine weltweite Umfrage gestartet, welcher deutsche Begriff am bekanntesten ist. Er lautet Oktoberfest und liegt mit 91 Prozent deutlich vor Kindergarten und Autobahn, Goethe und Bratwurst. Alles zusammen verleiht der Wiesn eine Stabilität auch in Rezessionen.

SZ: Es gibt viele, die am Oktoberfest verdienen - gibt es in Ihren Augen auch Verlierer?

Weishäupl: Verlierer sind schon mal die, die nicht zugelassen sind. 1364 Bewerber waren es in diesem Jahr, zugelassen sind nur 602. Verlierer ist natürlich auch derjenige, der auf die Wiesn geht und in eine Schlägerei gerät. Die Wiesn hat auch ihre Schattenseiten.

SZ: Sehen Sie es als Gewinn an, dass das Oktoberfest rauchfrei wird?

Weishäupl: Ich glaube, es wird reibungslos ablaufen. Persönlich bin ich aber zu liberal, um das strikte Rauchverbot zu goutieren. Generell finde ich es nicht gut, wenn der Mensch reguliert und gegängelt wird.

SZ: Die Stadt lässt die Werbung für die Wiesn sein. Weil sie sonst überquillt?

Weishäupl: Als ich 1985 kam, hatten wir über sieben Millionen Besucher. Ich kam von den internationalen Fachmessen der Münchner Messegesellschaft als PR- und Protokollchefin und war solche Massenaufläufe nicht gewohnt. Rein objektiv betrachtet sind sieben Millionen zu viel. Die Grenze ist zwischen sechs und sieben Millionen erreicht. Damals habe ich die Stadtwerbung schwerpunktmäßig auf Kulturthemen umgestellt und das Oktoberfest als sogenannten "self supplier", Selbstläufer, nicht mehr aktiv beworben.

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