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Wie MAN umgebaut wird:Geschluckt und zerschlagen

MAN schafft 2008 solides Ergebnis

In München streicht MAN mehr als tausend Stellen - im Werk in Allach sollen aber auch weiterhin Lastwagen montiert werden.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Der einstige Münchner MAN-Konzern hat hoch gepokert - und verloren

Es gab Zeiten, da wurde aus einem Gebäude an der Münchner Ungererstraße heraus ein gigantisches Industrie-Konglomerat kontrolliert. Lastwagen, Busse, ein Druckmaschinengeschäft namens MAN Roland, der Essener Industriedienstleister Ferrostaal gehörten dazu. Und: MAN war im wichtigen Deutschen Aktienindex Dax notiert und damit eines der großen Vorzeigeunternehmen der alten Deutschland AG, mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1758 zurückgingen. In jene Zeit, als im Ruhrgebiet mit der Eisenhütte St. Antony das erste Vorläufer-Unternehmen von MAN gegründet wurde; es folgten Maschinenfabriken und Augsburg und Nürnberg. Doch dann kamen turbulente Jahre.

MAN: Der Name steht für Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, aber Konzernsitz ist München. Seit den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts fertigt das Unternehmen hier Lastwagen, seit 1986 steht in München auch seine Zentrale. Doch 2006 versuchte MAN, sich den schwedischen Lkw-Bauer Scania einzuverleiben - und wurde dabei selbst geschluckt, von Volkswagen. MAN, einer der ältesten Konzerne der Bundesrepublik, ist nun eine VW-Tochter. Wenn Konzerne aber von anderen geschluckt werden, dann bleibt in der Regel nichts so, wie es war. Sonst hätte man sie ja nicht zu schlucken brauchen.

So geschieht es seitdem mit MAN. Im Frühjahr des Jahres 2015 kündigte VW an, den alten Maschinenbaukonzern zu zerlegen: Das Nutzfahrzeuggeschäft soll zusammen mit Scania in einer VW-Lkw-Holding aufgehen. Den Rest von MAN, das Dieselmotoren- und Maschinenbaugeschäft, wird vorerst VW weiter betreiben. Für MAN bedeutet das: Die alte Münchner Holding an der Ung ererstraße wird de facto kaum noch gebraucht. An die 1000 Stellen sollen bis Ende 2017 in der Verwaltung wegfallen, dazu kommen einige Hundert in der hiesigen Produktion.

Im Sommer 2015 saß MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen in einer Pressekonferenz im Firmensitz an der Ungererstraße, und das war für sich genommen schon ein Ereignis, weil niemand weiß, wie lange es solche MAN-Konferenzen in München überhaupt noch geben wird. Der Chef sagte, 2015 sei ein spannendes Jahr. Es gebe Jubiläumsfeiern: Seit 100 Jahren würden Lkw und Busse bei MAN gebaut. Dazu käme der Umbau des Konzerns inklusive neuer Lkw-Holding, die nicht in München, sondern in Braunschweig arbeiten soll. Spannend ist es in der Tat. MAN, das ist ein Traditionskonzern, der gerade auseinandergenommen und umgebaut wird. Und man kann live dabei zuschauen.