bedeckt München 16°

Wie kinderfreundlich ist die Stadt?:Ich bastle mir eine Kinderkrippe

Was Eltern erleben, die mit viel Elan und Eigeninitiative ein Haus in einen Betreuungsort für ihren Nachwuchs umwandeln.

Entscheidend ist die Frage nach dem Warum. Doch wer hier von den beiden jungen Müttern politische Bekenntnisse zur Demokratie im Besonderen oder Statements über die tiefere Bedeutung ehrenamtlichen Engagements erwartet, liegt falsch. Daniela Lorenzen bleibt ruhig auf ihrem Sessel sitzen, zieht die Schultern hoch, bis Strähnen ihrer halblangen blonden Haare von den Schultern rutschen und sagt: "Wir hatten einfach keine Alternative."

Sabine Gottstein, die ihr gegenüber sitzt, eine schmale Frau in Hellblau und Beige, nickt bestätigend. Beide haben Kinder, beide wollen wieder arbeiten. Weil aber der Münchner Westen nur äußerst spärlich Kinderbetreuung anbietet, haben sie vergangenes Jahr beschlossen, bei der Gründung einer Krippe selbst mitzumachen.

Katastrophale Infrastruktur

"Als wir hierher gezogen sind, dachte ich: Hups, das ist hier gar nicht so witzig", erinnert sich Daniela Lorenzen an den Mai 2004. Die einstige Filialleiterin bei der HypoVereinsbank war geschockt. Doch wie der 37-Jährigen ergeht es vielen, die sich in Pasing oder Obermenzing mit ihren Familien niederlassen.

"Die Infrastruktur ist hier eine Katastrophe", klagt auch Gottstein, deren zweijährige Elena sich mit Lorenzens 16 Monate alter Lea jetzt einen Krippenplatz teilt. Als Bekannte sie auf die Eltern-Kind-Initiative Würmchen aufmerksam machten, dachte Lorenzen: "Das ist genau das, was ich suche." Mittlerweile ist Lorenzen eine von vier Vorstandsfrauen.

Gemischtes Konzept

Die Würmchen - der Name steht nicht nur liebevoll für die Kleinen, sondern auch für die Würm - sind aber keine Krabbelgruppe, die sich mal so eben findet. Dahinter verbirgt sich der Plan für ein groß angelegtes Betreuungsmodell von der Krippe für die Einjährigen über Kindergarten bis hin zum Hort für Schulkinder.

Pädagogisch basiert die Einrichtung auf einem altersgemischten Konzept mit den Schwerpunkten Verantwortungsbewusstsein, Sprache, Musik, Kreativität, Bewegung und Konzentration. Sie habe es sich schon sehr genau überlegt, sagt Gottstein. "Aber dass es so viel Arbeit wird, hätte ich nicht gedacht."

Zu viel Arbeit

Dabei war, als die beiden Frauen einstiegen, der Grundstein schon gelegt. Die Musikpädagogin Sonja Güthoff hatte sich bereits beim Kleinkindertagesstättenverein (KKT), der als Dachverband auch Gründer berät, über Vorgehensweise und Konsequenzen informiert.

"Anfangs hatte ich drei Mitstreiterinnen", sagt Güthoff. "Doch nach dem ersten Gespräch sprangen sie alle ab." Die Beraterin hatte den vier Frauen viel Arbeit prophezeit. "Sie hatte Recht", sagt Güthoff heute. Damals hatte sie nicht geahnt, dass auch sie aussteigen würde.

Fusslig reden und anwerben

Aber zunächst sammelte die 28-Jährige Informationen. "Das war das Schwierigste." Sie befragte andere Eltern-Kind-Initiativen. Sie erkundigte sich nach den rechtlichen Konsequenzen. Sie suchte nach einem Haus, brütete über einem pädagogisches Konzept, bereitete eine Vereinsgründung vor. Ihr Mann schrieb die Satzung dazu. "Es waren zwei sehr intensive Monate."